Was Audi-Chef Schot sagt und was das wirklich heißt

Neckarsulm  Audi-Chef Bram Schot hat zur Hauptversammlung einige wichtige Details ausgeplaudert, die den Standort angehen. Unser Kollege erklärt, was seine Aussagen für den Standort Neckarulm bedeuten.

Von Manfred Stockburger
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Was Audi-Chef Schot sagt und was das wirklich heißt

Für einen Luxus-A8 soll die Marke Horch wiederbelebt werden. Aber reicht das für Neckarsulm?

Foto: dpa

Wie sieht der Audi-Standort Neckarsulm in fünf Jahren aus? Darum wird bei dem Autobauer hinter den Kulissen derzeit heftig gerungen.

Nach außen dringt von diesen Diskussionen normalerweise wenig - umso bemerkenswerter sind einige Aussagen, die Vorstandschef Bram Schot bei vergangene Woche bei der Hauptversammlung und in einem Interview des "Manager-Magazins" machte. Es geht um alle Neckarsulmer Kernprodukte. Was der Audi-Chef im Originalton gesagt hat, und was das für Neckarsulm bedeutet.

 

Der Kampf um die Zukunft des Neckarsulmer A8 ist entbrannt

Bram Schot: "Die nächste Generation des A8 könnte ausschließlich elektrisch fahren. Das ist noch nicht entschieden... Unser elektrischer Nachfolger des A8 wird das Luxussegment neu definieren."

Was er meint: Die endgültige Entscheidung steht noch aus, für ihn scheint aber klar, dass der aktuelle A8 der letzte seiner Art ist. Der Nachfolger soll - das hatte auch schon sein Vorgänger Rupert Stadler im Hintergrund angedeutet - ein rein elektrischer E8 werden. Die spannende Frage ist, wo dieses Fahrzeug gebaut wird. "Der A8 gehört zu Neckarsulm wie kein anderes Auto. Und das muss auch so bleiben", sagt der Neckarsulmer Betriebsratsvorsitzende Rolf Klotz. Unabhängig vom Antrieb.

Der aktuelle A8 fährt im Markt aber weiter dramatisch hinter den Erwartungen her. Im Umfeld der Hauptversammlung gab es die Bestätigung, dass es einen besonders luxuriösen A8 geben wird, der möglicherweise unter dem Audi-Traditionsnamen Horch auf den Markt gebracht wird. So, wie Mercedes seine Luxus-Karosse Maybach taufte. Er könnte ein bisschen länger werden und einen Zwölfzylindermotor bekommen, wie es ihn in früheren Generationen des A8 als Spitzenmotorisierung gab - als Gegenentwurf zum vollelektrischen E8. Der Horch soll immerhin in Neckarsulm produziert werden, die Stückzahlstatistik wird er aber nicht retten.

Dass der A8 wie vor zwei Jahren vollmundig versprochen dem autonomen Fahren zum Durchbruch verhelfen soll, ist indes Schnee von gestern. Schot: "Das autonome Fahren wird kommen, davon bin ich überzeugt. Aber der Branche ist mittlerweile klar, dass man so etwas nicht allein stemmen kann." Auch nicht mit dem A8.

 

Hat Neckarsulm eine Chance auf ein elektrisches Volumenmodell?

Was Bram Schot sagt: "Wir wollten eigentlich den E5 und den E7 bauen... Die Modelle standen beide auf Grün, sie hätten Gewinn gebracht. Aber wir benötigen die Autos nicht wirklich beide. Also haben wir den E5 und den E7 gestrichen, und wir haben daraus den E6 gemacht. Das haben wir in einer Viertelstunde entschieden."

Was er meint: Pech für Neckarsulm. E5 und E7 waren nämlich die beiden dem Standort Ende 2017 versprochenen elektrischen Volumenmodelle. Der an den A5 angelehnte E5 sollte 2021 der erste Audi auf der gemeinsam mit Porsche entwickelten Elektroplattform PPE werden. Mit einem Federstrich hat Schot 800 Millionen Euro eingespart - das Dieselbußgeld ist damit wieder drin. Jetzt ist Ingolstadt in der Pole Position - mit dem intern EQ5 genannten Elektro-SUV. Dort soll auch der EQ7 gebaut werden. Und Neckarsulm? Noch immer steht die Entscheidung aus, ob der E6 an den Standort kommt. E5 und E7 waren in 15 Minuten gestrichen, die Frage der Werkbelegung ist seit Monaten offen.

"Ohne konkrete Pläne zur Werkbelegung für beide deutschen Standorte und ohne die Einrüstung von E-Fahrzeugen in Neckarsulm und Ingolstadt ist nicht mit uns zu reden", sagt Klotz. Für Neckarsulm ist die Frage existenziell: In der Logik der elektrischen Nachfolger wird der E6 zur nächsten A6-Generation. Schließlich will Audi bis 2025 jährlich eine Million E-Fahrzeuge bauen, mit dem E-Tron alleine ist das nicht zu schaffen. Wie lange der Verbrenner-A6 noch gebaut wird, hängt von der Abgasnorm EU7 ab, über die derzeit verhandelt wird - und von den Kosten: "Verbrenner werden mittelfristig immer teurer, Elektroautos immer preiswerter", sagte Audi Finanzchef Alexander Seitz bei der HV. Als reines Verbrenner-Werk hätte Neckarsulm also schlechte Karten. Der E7 wäre aber nahe am E-Tron GT positioniert gewesen. Über die Sinnhaftigkeit des E7 lässt sich also durchaus streiten.

 

Was das Aus für den R8 für die Böllinger Höfe bedeutet

Was Bram Schot sagt: "Brauchen wir eine neue Generation unseres Sportwagens R8 mit Verbrennungsmotor? Eher nicht."

Was er meint: Der R8 ist Geschichte. Der Audi-Chef ist ein zu guter Verkäufer, als dass er eine solche Aussage versehentlich treffen würde. Einen "Rieseneffekt fürs Image" erwartet er vom elektrischen TT-Nachfolger. Die Manufaktur in den Böllinger Höfen wird derzeit für den E-Tron GT umgebaut. Ob da noch Platz ist für den R8, wenn jeden Tag etwa 50 GT auf dem Produktionsplan stehen? Und es könnten noch mehr werden, Schot hat nämlich auch den bislang streng geheimen E-Tron GT Avant ausgeplaudert, die Kombiversion des Porsche-Taycan-Zwilling. Er soll 2022 auf den Markt kommen - ungefähr dann, wenn auch die nächste R8-Generation anstehen würde.

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