Warum Benzin, Diesel und Heizöl gerade so teuer sind

Wirtschaft  Benzin, Diesel und Heizöl haben sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten erheblich verteuert. Damit sich die Preise erholen, müssen die Autofahrer auf eines hoffen - starke Regenfälle.

Von Jürgen Paul

Autofahrer müssen auf Regen hoffen

Kostete der Liter Super im April 2018 durchschnittlich knapp 1,39 Euro, so mussten die Autofahrer im September im Schnitt mehr als 1,53 Euro berappen. In Heilbronn kostete Super am heutigen Mittwoch rund 1,60 Euro und ein Liter Diesel rund 1,52 Euro. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den gestiegenen Benzin- und Heizölpreisen.

Was treibt die Preise für Mineralölprodukte?

"Hauptgrund für die gestiegenen Preise ist das Niedrigwasser im Rhein und in seinen Nebenflüssen", sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes MWV. Durch den extrem trockenen Sommer und den fehlenden Regen sei die wichtigste Transportroute für Mineralöl im Westen und Südwesten "stark beeinträchtigt, teils lahmgelegt", betont er. Die Schiffe von Holland oder Belgien können nur einen Bruchteil ihrer üblichen Ladekapazität transportieren oder können gar nicht fahren. Entsprechend klettern die Transportkosten in die Höhe.
 

Ist tatsächlich nur der fehlende Regen an den Preisschüben schuld?

Nicht ganz. Eine Explosion legte am 1. September die Bayernoil-Raffinerie in Vohburg bei Ingolstadt lahm. Dadurch hat sich die ohnehin angespannte Versorgungssituation weiterhin verschärft.
 

Autofahrer müssen auf Regen hoffen

Ist ganz Deutschland von den hohen Benzinpreisen betroffen?

Im Prinzip schon, allerdings gibt es ein "starkes Nord-Süd-Gefälle", wie der MWV-Sprecher betont. Da es in Norddeutschland mehr Häfen und Raffinerien gibt, ist dieser Landesteil nicht so stark betroffen wie der Süden. So kostet der Liter Heizöl in Stuttgart derzeit rund 20 Cent mehr als in Hamburg. Das Portal Heizoel24.de spricht von einer "prekären Versorgungssituation in Süddeutschland".
 

Die Ölpreise am Weltmarkt sind zuletzt wieder deutlich gefallen. Bringt das Entlastung für die deutschen Verbraucher?

Kaum. "Das macht sich am Markt kaum bemerkbar, weil die anderen Faktoren wie die niedrigen Wasserstände die gesunkenen Ölpreise überkompensieren", sagt MWV-Sprecher von Gersdorff. Ohne die Entspannung bei den Rohölpreisen wäre die Situation allerdings noch schlimmer, gibt er zu bedenken.


Droht durch die US-Sanktionen gegen den Iran ein weiterer Preisauftrieb?

Nein, sagen die Experten. Da die Sanktionen lange angekündigt waren, sei das Thema an den Märkten bereits eingepreist gewesen, sagt Gersdorff. Außerdem spiele der Iran für die Ölversorgung Deutschlands so gut wie keine Rolle.
 

Wie lange müssen die Verbraucher mit solch hohen Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl noch leben?

Das hängt maßgeblich vom Wetter ab. Für den MWV-Sprecher ist klar, dass die Engpasssituation bei anhaltender Trockenheit anhalten wird. Sollte es in der Rhein-Gegend jedoch kräftig regnen, würde sich die Versorgungssituation rasch verbessern und damit auch die Preise sinken. Denn grundsätzlich sei der Weltölmarkt ausreichend versorgt, betont von Gersdorff. "Das gilt auch für Deutschland."