Walter Medien aus Hausen spaltet sich auf

Brackenheim  Der Kalender-Hersteller Walter Medien aus Brackenheim-Hausen trennt sich von seinem Presseverlag und der Akzidenzdruckerei. Für beide Zweige wurden Käufer gefunden. Mit dem Einschnitt wird die nächste Veränderung vorbereitet.

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Nur Kalender bleiben bei Walter

Foto: Andreas Veigel

Das Druck- und Verlagsunternehmen Walter Medien spaltet sich auf: Der Druckereibetrieb sowie die Anzeigenblätter werden zum Jahreswechsel verkauft, übrig bleiben nur die Herstellung und der Vertrieb von Wandkalendern. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in Brackenheim-Hausen jetzt seinen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten mit.

Schweikert und Nussbaum übernehmen

Konkret wird der Bereich Akzidenzdruckerei an die Druckerei Schweikert mit Sitz in Obersulm-Eschenau verkauft. Sie druckt künftig auch die einzelnen Blätter der Kalender von Walter. Der Presseverlag mit acht Amtsblättern, die neun Kommunen im Zabergäu und südlichen Landkreis Heilbronn abdecken, werden vom Verlag Nussbaum Medien mit Sitz in St. Leon Rot übernommen.

"Die betroffenen Mitarbeiter erhalten jeweils Übernahmeangebote von den beiden Firmen", sagt Walter-Geschäftsführer Eberhard Nehl. Nussbaum werde in den Walter-Firmenräumen in Hausen eine Niederlassung eröffnen.

Tochter soll die Leitung antreten

"Ich möchte die Weichen für meine Tochter neu stellen", begründet Nehl den Schritt: Nächstes Jahr werde er 65 Jahre alt, seine Tochter Eva-Christina Nehl ist seit zwei Jahren als Assistentin der Geschäftsleitung im Unternehmen und solle mittelfristig die alleinige Geschäftsleitung übernehmen. Sie hatte zuvor am KIT in Karlsruhe ihren Abschluss als Wirtschaftsingenieurin gemacht. Bislang habe das Unternehmen aus drei verschiedenen Geschäftsfeldern bestanden, nun sei es erforderlich, sich auf einen Bereich zu konzentrieren.

"Wir sind eben nicht die Spezialisten im Bereich Presseverlag", erklärt Nehl den Verkauf der Anzeigenblätter. "Ich will, dass das Unternehmen als Familienunternehmen bestehen bleibt." Er selbst wolle sich Schritt für Schritt zurückziehen. "Ich bin dann nur noch im Hintergrund da."

Einer der größten Kalenderverlage

Durch die Ausgliederung sinkt die Mitarbeiterzahl bei Walter selbst deutlich, von derzeit etwa 200 auf rund 130, berichtet der Geschäftsführer. Im Kalendergeschäft konzentriere sich das Unternehmen künftig auf Vertrieb, Design, Bildauswahl, Layout sowie die Endfertigung der Waren. Walter verfüge hier über spezielle Fertigungsstraßen, um die Kalenderblätter zusammenzufassen, zu beschneiden, mit dem Deckblatt zu versehen und zu binden.

Unter den deutschen Herstellern rangiere das Unternehmen unter den größten zehn, in der Sparte Wandkalender unter den größten fünf, sagt der Geschäftsführer. Prinzipiell handele es sich zwar um ein Saisongeschäft, aber die Geschäftsentwicklung in den vergangenen Jahren sei sehr gut gewesen. Die frei werdenden Räume, in denen zurzeit noch die Druckmaschinen stehen, sollen künftig als Lagerflächen genutzt werden, erläutert Nehl. Zurzeit sei viel Material und Ware ausgelagert, was künftig in eigenen Gebäuden untergebracht werden könne.

Käufer sind auf Wachstumskurs

Die beiden Käufer sind in der Region gut etabliert. Schweikert hat in Eschenau in den vergangenen Jahren viel in den Maschinenpark investiert und beschäftigt inzwischen mehr als 40 Mitarbeiter. Noch rasanter ist die Wachstumsgeschichte von Nussbaum: Inzwischen stellt der Verlag 380 Amtsblätter für baden-württembergische Kommunen her, beschäftigt etwa 550 Mitarbeiter und betreibt neben dem Stammsitz neun Niederlassungen, darunter eine in Bad Rappenau.

Mit der Übernahme der acht Blätter von Walter werden dann nahezu alle Amtsblätter - außer von einigen Kraichgau-Kommunen - im Landkreis Heilbronn von Nussbaum produziert. Im Hohenlohekreis werden mittlerweile sieben Kommunen beliefert. Nussbaum hatte im Raum Heilbronn Fuß gefasst, als im Jahr 2005 der Rundblick-Verlag in Bad Friedrichshall übernommen wurde. Dessen Sitz wurde 2016 nach Bad Rappenau verlegt.

Walter Medien vor 70 Jahren gegründet

Die Firma Walter Medien wurde 1949 als Druckerei von Theodor und Hans Walter in Lauffen gegründet. 1963 kam der Kalenderverlag hinzu und entwickelte sich in den folgenden Jahren zum wichtigsten Standbein. Das Unternehmen zog 1970 an seinen heutigen Sitz in Brackenheim-Hausen und gründete 1975 den Presseverlag.

2013 zog sich Hans Walter aus der Geschäftsleitung zurück und übergab die Führung des Familienunternehmens komplett an seinen Schwiegersohn Eberhard Nehl. Mit dessen Tochter steht nun die vierte Generation bereit.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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