VW kooperiert mit Lidl und Kaufland bei E-Tankstellen

Berlin/Neckarsulm  Die Schwarz-Gruppe schließt eine strategische Partnerschaft mit dem Autohersteller VW ab. An Filialen in Berlin sollen Kunden tagsüber E-Tankstellen nutzen können, die nachts für die VW We-Share-Flotte reserviert sind. Lidl und Kaufland bauen in Berlin 140 zusätzliche Ladepunkte auf.

Von Manfred Stockburger

VW lädt in Berlin bei Lidl und Kaufland

Bis Februar soll jede zweite Filiale in Berlin eine Ladesäule haben.

Foto: Lidl

Noch in diesem Monat schickt der VW-Konzern in Berlin 1500 Elektroautos auf die Straße, die Berlin zur Hauptstadt des geteilten Fahrens machen sollen. Aber wo werden die E-Golfs tanken? Öffentliche Ladepunkte sind auch in Berlin knapp. Eine Kooperation mit der Schwarz-Gruppe soll nun neues Tempo in dieses Thema bringen.

Lidl und Kaufland bauen in Berlin 140 zusätzliche Ladepunkte auf, was das bestehende Netz nach VW-Angaben um nahezu 20 Prozent vergrößert: Aktuell gibt es nach VW-Angaben 800 öffentliche Ladepunkte in Berlin. Tagsüber sollen diese Ladesäulen den Kunden zur Verfügung stehen, nachts bekommt VW für seine We-Share Flotte exklusiven Zugang. Spätestens um 6.30 Uhr stehen die Stromzapfsäulen wieder den Kunden zur Verfügung.

Die Kooperation hat Potenzial für weitere Zusammenarbeit

Zunächst ist die Kooperation zwischen VW und der Schwarz-Gruppe auf Berlin beschränkt, VW hat aber bereits angekündigt, dass We-Share auch in weiteren Städten im In- und Ausland angeboten werden soll. Filialen der Neckarsulmer Handelsketten gibt es schließlich nicht nur in Berlin.

VW lädt in Berlin bei Lidl und Kaufland

In den nächsten Tagen geht We-Share in Berlin mit 1500 E-Golfs an den Start. Nächstes Jahr kommen E-Ups und ID-3-Modelle hinzu.

Foto: VW

VW-Vorstand gibt Supermärkten eine zentrale Rolle

"Supermärkte sind die Tankstellen der Zukunft", sagt Christian Senger, der im Vorstand der Marke Volkswagen Pkw für Digitales und Dienstleistungen zuständig ist. Für Senger ist die Kooperation ein konsequenter Schritt, über Partnerschaften den öffentlichen Raum flächendeckend mit Ladepunkten auszustatten. 60 Lidl- und zehn Kaufland-Filialen im Berliner Stadtgebiet werden im Zuge der Kooperation bis Februar 2020 zu Stromtankstellen. Geplant sind Säulen, die je einen Schnell- und einen Normallladepunkt haben.

Pläne für Ladesäulen an den Filialen gibt es bei der Schwarz-Gruppe schon seit Jahren - beide Sparten haben aber lange gezögert, weil die Auslastung der Ladepunkte mangels Elektroflotte auf der Straße bislang eher niedrig ist. Durch die Kooperation erhöht sich allerdings die Auslastung der Säulen. "Insellösungen werden uns langfristig nicht weiterbringen", sagt Wolf Tiedemann, der bei Lidl Deutschland den Bereich Zentrale Dienste verantwortet. "Wir müssen in ganzheitlichen Lösungen denken und Synergiepotenziale sinnvoll nutzen."

Für Jörg Dahlke zählt, dass dadurch mehr Menschen die umweltschonende Technik nutzen können. "Dies ist ganz klar im Sinne unserer E-Mobilitätsstrategie", sagt der Leiter Bau International bei Kaufland.

VW arbeitet auch im Ausland mit Handelsketten zusammen

Bei VW gehen die Experten davon aus, dass die Hälfte der Ladevorgänge von E-Autos künftig bei den Kunden zu Hause passieren, 20 Prozent am Arbeitsplatz, fünf Prozent auf der Autobahn - aber 25 Prozent im öffentlichen Raum. Deswegen ist der Aufbau des Netzes für den Autohersteller wichtig.

In Deutschland arbeitet Volkswagen bei den Ladesäulen bislang exklusiv mit der Schwarz-Gruppe zusammen, im Ausland haben die Wolfsburger aber auch andere Partner im Handel. In Großbritannien ist der Autobauer mit Tesco im Geschäft, in den USA über die Initiative Electrify America mit dem Weltmarktführer Walmart.


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