Unterländer entwickeln eine Waschstraße für Fliegengitter

Leingarten  Unternehmer aus der Region haben eine innovative Reinigungsmaschine für Insektengitter entwickelt. Nach langer Entwicklungs- und Probezeit soll das Produkt nun breit vermarktet werden. Die Nachfrage ist groß.

Von Jürgen Paul

Waschstraße für Fliegengitter

Fliegengitter halten Schnaken und andere Insekten aus Wohnung und Haus. Doch irgendwann sind die nützlichen Gitter schmutzig und unansehnlich. Nicht nur Insektenreste oder Vogelkot setzen sich in dem Schutzgewebe fest, sondern auch Staub, Pollen, Abgase oder Fett. die Reinigung der Gitter von Hand ist umständlich und führt häufig zu Schäden im Gewebe.

Norbert Bolch und sein letztes Lebensziel

Das ließ Norbert Bolch keine Ruhe. "Ich hatte noch ein Lebensziel: Eine Maschine zu entwickeln, die Fliegengitter sauber macht", sagt der Leingartener Unternehmer, der seit mehr als 35 Jahren erfolgreich mit Insektenschutzgittern handelt. Vor vier Jahren tat sich Bolch daher mit seinem Freund Roland Scheuermeyer zusammen, um eine solche Maschine zu entwickeln, die es weder in Deutschland noch in Europa gab. Die beiden recherchierten viel und probierten einiges aus, ehe sie bei einem Tüftler in Schwaigern fündig wurden.

Nach zwei Jahren war der Prototyp fertiggestellt: Intea-ICS haben die Partner die Reinigungsmaschine genannt - Intea ist eine Tochterfirma von Bolch Insektenschutz, ICS steht für Intea Cleaning Solution. Rund 250.000 Euro, davon 150.000 KfW-Fördermittel des Landes, haben Bolch und Scheuermeyer in ihr ehrgeiziges Projekt gesteckt. Mit dem Ergebnis sind sie hochzufrieden. "Die Maschine läuft einwandfrei, die Nachfrage ist groß", sagt Norbert Bolch.

Waschstraße für Fliegengitter

Vollautomatische Reinigungsanlage

Die Reinigungsmaschine funktioniert nach dem Prinzip einer Autowaschanlage. Von der Seite wird das Gitter in die auf einem Hänger stehende Maschine geschoben. Eine vollautomatische Reinigungsanlage sorgt mit Vorwäsche und Hauptwäsche, mit schonenden Reinigungswalzen, Heißwasser und einem eigens entwickelten Reinigungskonzentrat sowie anschließender Spülung und Trocknung dafür, dass die Schutzgitter sauber werden und das Gewebe nicht beschädigt wird.

Nachdem im Sommer 2017 das deutsche Patent für die Innovation erteilt wurde - das europäische Patent ist beantragt - und die Maschine zahlreiche Praxistests bestanden hat, wollen die beiden Unternehmer ihre Neuerung nun in ganz Deutschland und möglicherweise darüber hinaus vermarkten. "Wir haben 30.000 bis 35.000 Kunden im Bestand", skizziert Bolch das Potenzial, das alleine in seinem Unternehmen schlummert. Viele Privatkunden nutzen bereits die beiden Reinigungstage, die Bolch jeden Dienstag und Donnerstag in seiner Firma anbietet. "Die Hausfrauen strahlen, wenn sie sehen, wie sauber ihre Fliegengitter hinterher sind", sagt der Unternehmer.

Gewerbliche und private Kunden im Blick

Auch bei gewerblichen Kunden will Bolch mit seiner Maschine punkten. Er denkt an Pflegeheime, Krankenhäuser und Unternehmen, etwa aus der Nahrungsmittelindustrie, wo man die Fliegengitter vor Ort reinigen kann. "Mit den SLK-Kliniken bin ich schon im Gespräch", sagt Bolch. In Kooperation mit den Reinigungsfirmen könnten so mehrere hundert Fliegengitter in kurzer Zeit gereinigt werden - ein Reinigungsvorgang dauert etwa eine Minute und kostet je nach Gittergröße zwischen acht und 15 Euro.

Marketingmann Scheuermeyer denkt bereits weiter. Da die Nachfrage nach dieser Dienstleistung auch bei anderen Unternehmen der Branche groß sei, sollen bald weitere Maschinen verkauft oder verliehen werden. Derzeit sind die beiden Unternehmer in Gesprächen mit Maschinenbauern, um die Reinigungsmaschine auch in größeren Stückzahlen auf den Markt zu bringen.


Zwei Partner: Wer in der Region von Fliegengittern spricht, kommt an den Namen Gessler und Bolch nicht vorbei. Denn die beiden Insektenschutz-Pioniere Norbert Bolch und Walter Gessler hatten Anfang der 1980er-Jahre ein gemeinsames Unternehmen gegründet, um die Insektengitter des schwäbischen Tüftlers Norbert Neher zu produzieren und zu vertreiben. Im Jahr 2005, nach Jahren starken Wachstums, beschlossen die beiden Gründer, das Unternehmen aufzuteilen. Gessler & Bolch Insektenschutz kümmert sich seither in Ilsfeld um die Produktion, die Bolch Insektenschutz Vertriebs GmbH in Leingarten um den Vertrieb der Insektengitter. 

 


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