US-Konzern übernimmt Waldenburger Ventilatorenhersteller

Waldenburg  Gebhardt wird wieder amerikanisch. Der vor 60 Jahren gegründete Waldenburger Ventilatorenhersteller, der seit 2005 zum italienischen Hersteller Nicotra gehört, wird an den US-Konzern Regal Beloit verkauft.

Von Manfred Stockburger

Der börsennotierte neuen Eigentümer aus dem Bundestaat Wisconsin bezahlt nach einer Mitteilung rund 125 Millionen Euro für die Nicotra-Gebhardt-Gruppe, die zuletzt einen Umsatz in einer ähnlichen Größenordnung erwirtschaftet hat. Regal-Chef Mark Gliebe möchte sich durch diesen strategischen Zukauf das Knowhow der Deutsch-Italiener in energieeffizienten Systemen sichern. Bis 2005 hatte Gebhardt zum US-Konzern Masco gehört.

Die Zahlen der Waldenburger Nicotra Gebhardt GmbH waren in den vergangenen Jahren nicht gut. Ausweislich Unternehmensregister lag der Umsatz im Jahr 2016 bei gut 50 Millionen Euro, unter dem Strich gab es aber einen deutlichen Verlust. Auch für das vergangenen Jahr erwartete der Ventilatorenhersteller einen Verlust, wie es im Lagebericht heißt. In Waldenburg waren es zuletzt gut 200 Beschäftigte.

Strategischer Investor

Aktuell hat die Nicotra-Gebhardt-Gruppe weltweit etwa 750 Mitarbeiter, in den vergangenen Jahren ist die Zahl aber deutlich zurückgegangen. Regal-Beloit-Chef Mark Gliebe setzt auf das „sehr talentierte Team“ bei Nicotra-Gebhardt und möchte das Unternehmen zurück auf Wachstumskurs bringen.

Zuletzt gehörte die Firma dem Finanzinvestor Ergon Capital Partners. In der Branche ist zu hören, dass Nicotra Gebhardt in den vergangenen Jahren schon mehrfach verkauft werden sollte. Jetzt hat sich ein strategischer Investor gefunden: Her Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren Regal Beloit erwirtschaftete vergangenes Jahr einen Umsatz von rund 3,3 Milliarden Dollar. Der Unternehmenskauf soll in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

1958 hatte der damalige Ziehl-Abegg-Technikchef Wilhelm Gebhardt mit Unterstützung von Heinz Ziehl seine eigene Firma gegründet, um die die Außenläufermotoren der Künzelsauer zu Ventilatoren zu veredeln. Das in einer alten Baracke gegründete Unternehmen entwickelte sich schnell – und wurde zum ersten großen Industriebetrieb auf der Ebene unterhalb Waldenburgs, dort wo heute der Gewerbepark Hohenlohe ist. Gebhardt gab seine Anteile 1974 an Masco ab, blieb dem Unternehmen aber bis zu seinem Tod Ende 2016 eng verbunden.