Supermärkte legen beim Umsatz zu

Neckarsulm  Trotz aggressiver Sonderangebote und wachsender Werbeausgaben haben die Discounter im ersten Halbjahr laut GfK Consumer-Index gegenüber den Supermärkten an Boden verloren. Lidl, Aldi und Co. treten trotz hoher Werbeausgaben beim Umsatz auf der Stelle.

Während die Super- und Verbrauchermärkte in Deutschland wie Rewe oder Edeka ihren Umsatz im ersten Halbjahr um gut zwei Prozent steigerten, traten Aldi, Lidl und Co. mit einem Umsatzplus von lediglich 0,1 Prozent in Deutschland praktisch auf der Stelle. Der Gesamtmarkt legte um 0,9 Prozent zu.

Der Marktanteil des Billigsegments lag zuletzt bei 43,4 Prozent und ist damit weit größer als der Anteil der der Vollsortimenter, die GfK im vergangenen Jahr mit 32,8 Prozent taxierte. Im ersten Halbjahr 2018 hatten die Discounter laut GfK ein Wachstum von 3,3 Prozent verzeichnet, die Vollsortimenter (Edeka, Rewe) ein Plus. Lidl Deutschland hatte den Umsatz 2018/19, das mit dem Februar zu Ende ging, laut Bilanz um 5,9 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro gesteigert.

Supermärkte legen zu

"Der Discount hat sich zwar bemüht, mit der Ausweitung des Angebots an Markenartikeln und der Emotionalisierung des Einkaufserlebnisses die Lücke zu den Supermärkten zu verkleinern", urteilt der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes. "Aber das kommt offenbar bei den Verbrauchern nicht so klar an wie erhofft", sagt Kecskes. Lidl hatte den Werbedruck im ersten Halbjahr insgesamt erhöht und kürzlich in einer Kampagne neben Aldi, Penny und Netto unlängst auch die Supermärkte als "Edeka-dent" und "Ir-Rewe-lant" aufs Korn genommen. Im Markenranking des Forschungsinstituts Yougov kam Lidl damit vor Edeka und Rewe auf Platz eins unter den Lebensmittelhändlern.

Wie sieht es in Neckarsulm aus?

Lidl wollte sich auf Anfrage nicht zu den Zahlen äußern. Von Krisenstimmung ist bei den Neckarsulmern derzeit aber nichts zu spüren. Die "Lebensmittelzeitung", die zuerst über die GfK-Studie berichtete, erklärt die geringere Umsatzdynamik mit den glänzenden Zahlen der Vorjahre, der erst einmal übertroffen werden müssten.

Im Juni hatte Schwarz-Gruppen-Chef Klaus Gehrig beim Jahresgespräch allerdings moniert, "dass wir da momentan nicht mehr die Zuwachsraten haben." Und deswegen Veränderungsbedarf angemeldet − auch bei der Strategie, die zuletzt durch beispiellose Rabattschlachten geprägt war. "Mit Preis, Preis, Preis sind wir am Ende. Noch billiger geht gar nicht mehr", sagte Gehrig damals.

Billigpreis statt Einkaufserlebnis

GfK-Mann Robert Kecskes hat einen anderen Blickwinkel darauf: "Wenn wir die Verbraucher fragen, warum sie die Geschäfte aufsuchen, werden bei den Discountern immer noch als Hauptgründe der Preis und die Schnelligkeit des Einkaufs genannt." In Kategorien wie "Es macht mir Spaß, dort einzukaufen" oder "Dort fühle ich mich wohl" hinkten die Discounter aber nach wie vor deutlich hinter den Supermärkten her. Das sei eine Schwachstelle, so der Experte.

Und Kaufland? Das Segment der SB Warenhäuser hat im ersten Halbjahr weiter verloren und lag auch absolut im negativen Bereich. Damit liegen die ersten sechs Monate im langfristigen Trend: Der Marktanteil der Großflächen geht laut GfK-Index nämlich seit Jahren kontinuierlich zurück. Kaufland hat zwar durchaus Sorgen, im Vergleich zur Noch-Metro-Tochter Real steht die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe aber gut da. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen im Inland den Umsatz um 1,2 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro gesteigert.

 

Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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