Streetfood-Festivals bewegen sich zwischen Kommerz und Lebenslust

Neunkirchen/Heilbronn  Der Streetfood-Trend ist längst im Supermarktregal gelandet. Veranstaltern von Streetfood-Festivals gefällt das nicht unbedingt. Am Wochenende machen Trucks und Zelte wieder im Heilbronner Wertwiesenpark Station.

Von Manfred Stockburger
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Streetfood zwischen Kommerz und Lebenslust

Festivals wollen das lockere Lebensgefühl aus dem Urlaub nach Deutschland bringen. Mit Authentizität lässt sich durchaus Geld verdienen. Supermarktketten und Discounter sind auf den Trend mittlerweile aber auch aufgesprungen.

Foto: Archiv/Heibel

Es ist kein Millionengeschäft, aber seit 2015, als der Streetfood-Trend auch im Land ankam, hat sich das Thema etabliert. "Wir beobachten Foodtrends sehr genau", sagt etwa Lidl-Einkaufschef Jan Bock. "Foodtrucks und Garküchen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen." Und damit auch im Discounter.

Wenig Appetit auf Streetfood aus dem Supermarkt

Nathalie Harbig, die zu den Pionieren des Genres zählt und deren Agentur Tat & Drang dieses Jahr 15 Streetfood-Festivals veranstaltet, schüttelt es beim Gedanken Discounter-Streetfood: "Das ist doch Convenience, das kann ich doch nicht als Streetfood vermarkten", schimpft sie.

Convenience Food oder Convenience-Lebensmittel ist ein aus dem Englischen entlehnter Begriff für „bequemes Essen“. Sie ergänzt: "Unsere Stände kochen frisch vor Ort." So, wie es auf den Essensmärkten in Asien, die das große Vorbild für den Trend sind, auch der Fall ist.

Geld verdient man nur in den Sommermonaten

Obwohl im Tat & Drang-Kalender nächstes Jahr zwei Festivals mehr stehen werden als 2019, glaubt Harbig, dass der Trend seinen Zenit überschritten hat. "Viele Kollegen mussten aufhören, weil sie nicht davon leben konnten", sagt sie. "Es ist ein hartes Geschäft. Man hat nur die Sommermonate, um Geld zu verdienen. Damit müssen die Leute auch über den Winter kommen."

Harbig selbst organisiert auch Firmenevents, um ihre kleine Agentur in Neunkirchen im Saarland auszulasten. Von den Festivals leben aber deutlich mehr Menschen als ihre vier fest angestellten Mitarbeiter: Bei großen Festivals seien bis zu 300 Leute beschäftigt - und nicht nur an den drei Festivaltagen selbst.

Nicht nur Burger: Die Besucher sind anspruchsvoller geworden

Trotz des Drucks setzt Harbig nicht auf Food-Trucks, deren Betreiber viel weniger Aufwand haben als Streetfood-Anbieter im Zelt. "Da können die Besucher zuschauen, wie ihr Essen zubereitet wird", sagt sie. Vor einigen Jahren hätte man den Gästen noch alles als Streetfood andrehen können, was jetzt nicht mehr gehe: "Die Besucher haben verstanden, was der Unterschied ist."

Damit - und mit einem auf die internationale Lebensfreude zugeschnittenen Rahmenprogramm - hofft sie, dass ihre Festivals weiterhin nachgefragt bleiben. "Mein Ziel war es aber nie, die größte Agentur zu werden", sagt die 38-Jährige.

Nicht nur Streetfood als solches hat mittlerweile den Weg in die Supermärkte gefunden. Bei Edeka, Kaufland und Co. gibt es mittlerweile auch frittierten Insekten, die Nathalie Harbig 2015 erstmals nach Heilbronn gebracht hatte. "Das war eigentlich als Marketinggag gedacht im ersten Jahr", lacht sie über das leichte Gruseln in der Magengrube, das gegarte Mehlwürmer und Heuschrecken bis heute auslösen. "Aber dann gab es einen unvorstellbaren Run. Wir waren nach zwei Stunden ausverkauft." Inzwischen hat Dennis Besseler, ihr Standbetreiber von damals, sogar ein Insekten-Kochbuch herausgebracht.


Festival an diesem Wochenende in Heilbronn

Vor zwei Wochen machte Nathalie Harbigs Festival Station in Öhringen, dieses Wochenende ist der Wertwiesenpark in Heilbronn an der Reihe. Am Freitag geht es um 17 Uhr los, am Samstag und am Sonntag jeweils um 12 Uhr. Harbig verlangt 3 Euro Eintritt für das gesamte Wochenende.

 

 


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