Schwarz, Würth und EnBW bauen an europäischer Cloud

Heilbronn  Die Konzerne Schwarz, Würth und EnBW arbeiten an einer europäischen Alternative zu Google, Amazon, Microsoft und Alibaba. Das bedeutet auch Konkurrenz für ein weiteres deutsches Projekt.

Email
Europäische Cloud
Die Konzerne Schwarz, Würth und EnBW bauen eine europäische Cloud-Alternative auf. Foto: dpa

Drei milliardenschwere Konzerne nehmen den Aufbau eines europäischen Cloud-Angebots jetzt selbst in die Hand: Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, der Künzelsauer Würth-Konzern und der Energieversorger EnBW wollen gemeinsam auf den Markt gehen, um für sich und auch für externe Kunden eine Lösung anzubieten, die gegen die marktbeherrschenden Anbieter Amazon, Google, Microsoft und Alibaba antritt. Als Resultat soll daraus ein fünfter großer Cloud-Anbieter entstehen. Erste Anwendungsbeispiele werden Mitte Januar etwa 30 Industrieunternehmen aus Heilbronn-Franken vorgestellt. Das wurde jetzt am Rande der IHK-Vollversammlung mitgeteilt.

Im Gegensatz zu dem Projekt Gaia X, das Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vor wenigen Wochen als europäische Cloud-Lösung unter Mitwirkung von Konzernen wie SAP und Schunk vorgestellt hat, steht für das Heilbronner Projekt zwar noch kein Name fest. Dafür gehen Beobachter davon aus, dass das Angebot schon im nächsten Jahr starten wird. Die drei Konzerne wollen dann auf allen drei Cloud-Geschäftsebenen − Rechenzentren, Software und Plattform-Angebote − tätig werden.

Gründe für das Projekt 

Das Projekt ist aus dem IHK-Beirat "Wirtschaft digital" entstanden, berichtet der zuständige IHK-Geschäftsführer Peter Schweiker. Die drei Konzerne hätten ihre Mitwirkung selbst angeboten. Für die Schwarz-Gruppe seien zwei der großen Anbieter − Amazon oder Alibaba − gleichzeitig Handels-Konkurrenz. Für ein Warten auf Gaia X reiche jedoch die Zeit nicht. Anstoß sei auch, dass viele deutsche Unternehmen und Behörden aus Datenschutzgründen gar keine Cloud-Anbieter aus den USA oder China mehr nutzen dürfen. Stattdessen müssen ihre Daten in Europa gespeichert werden. Außerdem sorge dies für eine Bearbeitung in Echtzeit und höhere Energieeffizienz.

"Wir planen, neben der internen Nutzung die Cloud Services auch externen Unternehmen anzubieten", sagt Schwarz-Unternehmenssprecher Henning Stegmayer. "Wir erproben zurzeit erste skalierbare Enterprise Cloud Lösungen und planen, voraussichtlich Ende 2020 damit starten zu können." Von einer eigenen Cloud-Technologie verspreche sich der Konzern eigene, unabhängige, zuverlässige, wettbewerbsfähige und skalierbare Infrastrukturen für die Sparten und Gesellschaften der Gruppe. "Wir befürworten den Gedanken einer europäischen Cloud-Plattform und befinden uns mit Unternehmen wie Würth und der EnBW im Austausch, um Synergien zu evaluieren." Würth ist schon jetzt als Anbieter von Rechenzentrums-Dienstleistungen auf dem Markt, erläutert Jürgen Häckel, Geschäftsführer Würth IT. "Als Würth IT können wir unsere Expertise aus eigenen Projekten für eine gemeinsame Cloudlösung anbieten", ergänzt er.

Fokus 

Bei der EnBW sagt Frank Brech als Projekt-Verantwortlicher: "Wir sehen die europäische Cloud Plattform als einen Schritt in die richtige Richtung. Wesentlich ist dabei, den Fokus auf die Cybersicherheit solcher Infrastrukturen zu legen." Die EnBW wolle die Rechenzentren gemäß den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zum Schutz kritischer Infrastrukturen absichern.

Neben den drei Kernpartnern sind unter anderem auch Forscher von Fraunhofer IAO aus Stuttgart sowie der Neckarsulmer IT-Dienstleister Bechtle in die Arbeiten eingebunden. Offen ist auch noch die Organisationsform, sagt Schweiker − dies könne von einer Genossenschaft über eine neue Firma bis zu drei separaten Angeboten reichen.

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

Kommentar hinzufügen