Schraubenhersteller Arnold setzt auf Elektromobilität

Forchtenberg  Der Ernsbacher Schraubenhersteller spürt die Auto-Turbulenzen beim Umsatz. Die Investitionen laufen bei der Würth-Tochterfirma aber weiter.

Von Manfred Stockburger
Roboterzelle
Dieser Roboter wird im Leichtbau eingesetzt. Foto: privat

Eigentlich wollte der Schraubenhersteller Arnold im vergangenen Jahr 250 Millionen Euro umsetzen - das war der Plan. Dass es am Ende nur 240 Millionen wurden, hat vor allem mit den vier Buchstaben WLTP zu tun: Der neue Abgasprüfzyklus hat die Automobilbranche 2018 kräftig durcheinandergewirbelt, vor allem in der zweiten Jahreshälfte.

Deutlich weniger Wachstum als geplant

Schrauben haben zwar direkt wenig mit dem Abgassystem von Autos zu tun, wenn aber die Autoproduktion zurückgeht und die Verbindungselemente vor allem für Fahrzeuge verwendet werden, dann wirkt sich das aus. Statt der geplanten gut acht Prozent Umsatzwachstum gab es nur 3,9 Prozent. Und in den ersten Monaten des laufenden Jahres hat sich der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres bewegt, im Plan stand ein Plus von etwa zehn Prozent. Auch in China, wo Arnold in Shenyang eine große Produktion betreibt, stockt die Autokonjunktur.

Flexibilität fängt Schwankungen auf

Auch wenn klar ist, dass der Umsatz auch im laufenden Jahr unter dem Ziel von 269 Millionen Euro bleiben wird und dass damit die in der Unternehmensvision für 2020 vorgesehene 300-Millionen-Euro-Marke nicht erreichbar ist, sind die Geschäftsführer der Würth-Tochterfirma, Gert-Thomas Höhn und Dirk Döllner, ruhig. Das liegt einerseits am Stundenmanagement, das das Unternehmen nach der Krise 2009 eingeführt hat: Über flexible Zeitkonten kann das Unternehmen Schwankungen wie die aktuellen abfedern.

Etwa 10.000 Überstunden hat die Belegschaft im ersten Halbjahr abgefeiert - weitere 110.000 stehen noch in den Zeitkonten. Beim Personal gibt es also "definitiv keinen Handlungsbedarf", sagen die Geschäftsführer. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen noch rund 150 Stellen geschaffen, im Stammwerk in Forchtenberg-Ernsbach beschäftigt das Unternehmen aktuell fast 600 Mitarbeiter, in Dörzbach sind es mittlerweile knapp 500. Anfang 2018 war die 1000. Mitarbeiterin in Hohenlohe eingestellt worden. "Wir stellen auch weiterhin ein", sagt Höhn. In China sind es aktuell rund 240, in den USA 28 Beschäftigte.

Investitionsprogramm läuft weiter

Bei den Investitionen sind die Hohenloher ein wenig vorsichtiger geworden, wenn es um die Erweiterung der Kapazitäten geht. Dennoch werde man neue Projekte mit einem Gesamtvolumen von gut 18 Millionen Euro anstoßen, insgesamt sind momentan Projekte mit einem Volumen von knapp 50 Millionen Euro am Laufen: Etwa die neue Härterei in Dörzbach, die mit gut zehn Millionen Euro veranschlagt ist und jetzt in Betrieb gegangen ist. Ernsbach hat eine Logistikhalle bekommen, die vom Kochertalradweg aus gut sichtbar ist. Vor fremden Augen geschützt ist dagegen eine neue Hydraulik-Presse, die Arnold einen Technik-Vorsprung bringen soll.

Die Zuversicht, die sich darin ausdrückt, stammt einerseits aus dem weiterhin ordentlichen Ergebnis. Und außerdem aus der Erkenntnis, dass in Elektrofahrzeugen eher mehr Schrauben verbaut werden als in Verbrenner-Fahrzeugen: Alleine in der Batterie-Box stecken bis zu 200 Verbindungselemente. Diese sollen die Rückgänge bei Schrauben für Motoren und Getriebe ausgleichen. Für Arnold bedeutet das aber auch: "Wir bekommen es mit anderen Kunden zu tun", sagt Marketingchef Michael Pult. So taucht mittlerweile Samsung in der Kundenliste der Hohenloher auf. "Wir haben die richtigen Antworten für den Wandel der Mobilität", sagt Höhn, der aktuell eine CO2-Bilanz für das Unternehmen erstellen lässt. "Wir wollen sehen, wo wir noch Potenzial haben." Sein Ansatz: "Wir müssen achtsam sein im Umgang mit Energie."

Hohenlohe, Deutschland und der Rest der Welt

Hohenlohe ist die Heimat der Würth-Tochter Arnold. Die Produktionsstätten in China und den USA bekommen aber mehr Bedeutung. Geschäftsführer Gert-Thomas Höhn gibt die deutschen Kunden aber nicht verloren: "Wenn die deutschen Hersteller ihre Hausaufgaben machen, dann werden sie sich mit Sicherheit, Langlebigkeit und Komfort auch künftig differenzieren können." Deswegen denkt das Unternehmen vorsichtig über einen weiteren Standort in Hohenlohe nach.

 

 


Kommentar hinzufügen