Schlussspurt beschert Audi leichtes Absatzplus

Ingolstadt  Audi steigert den Absatz um 1,8 Prozent, verliert aber dennoch an Boden. Mercedes überholt Audi dagegen im wichtigen Markt China. Wir fassen die Jahresbilanz zusammen.

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Im zweiten Halbjahr 2019 konnte Audi die durchwachsene erste Jahreshälfte ausgleichen. Foto: dpa

Der starke Dezemberabsatz hat Audi in der Jahresbilanz ein Plus von 1,8 Prozent auf 1,846 Millionen an Kunden ausgelieferte Autos beschert. 2018 und auch noch im abgelaufenen Jahr waren die Zahlen durch die Umstellung der Abgastests in Europa auf den WLTP-Standard geprägt, was den Vertrieb kräftig durcheinandergewirbelt hat. Den Absatzrekord von 1,878 Millionen Autos aus dem Jahr 2017 hat das Unternehmen allerdings noch nicht wieder erreicht, auch 2016 verkaufte die VW-Premiumtochter mehr Fahrzeuge als zuletzt.

Wortmann unterstreicht das Potenzial der Marke

"2019 haben wir klar gezeigt, welches Potenzial in unserer Marke und unserem jungen Modellportfolio steckt", sagte Hildegard Wortmann, die seit einem halben Jahr im Audi-Vorstand den Vertrieb verantwortet. "Nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr haben wir in der zweiten Jahreshälfte erfolgreich aufgeholt." Im neuen Jahr würden die Anforderungen hoch bleiben, dennoch "haben wir die Weichen für weiteres Wachstum gestellt", sagte Hildegard Wortmann.

Mercedes zieht im wichtigen Markt China an Audi vorbei

China ist weiterhin der mit Abstand größte Markt für Audi. 690.083 Autos gingen vergangenes Jahr an Kunden aus dem Reich der Mitte - gut 37 Prozent aller verkauften Fahrzeuge. Dennoch musste das Unternehmen die Premium-Marktführerschaft im weltgrößten Automarkt nach Stuttgart abgeben: Mercedes hat dort 693.443 Autos (+6,2 Prozent) abgesetzt. BMW stellt seine Absatzzahlen erst am Freitag vor, lag nach elf Monaten in China aber ebenfalls vor Audi.

Obwohl der A6 für China in Changchun hergestellt wird und nicht in Neckarsulm, spielt der asiatische Leitmarkt auch für den Standort Neckarsulm eine wichtige Rolle: 12.451 A8 aus dem hiesigen Werk wurden vergangenes Jahr in China verkauft, was einem Plus von gut 20 Prozent entspricht. 2018 war der A8 dort allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte verfügbar gewesen.

Das Segment mit der stärksten Entwicklung waren die großen Stadtgeländewagen, deren Auslieferungen Audi den Angaben zufolge um 346,2 Prozent steigerte. Dabei hätten sich der Q8 und der der im Frühjahr eingeführte erste rein elektrische Audi E-Tron bemerkbar gemacht, heißt es. Alleine in Europa seinen 19.550 E-Tron ausgeliefert worden.

Marktanteil in Deutschland bei 7,4 Prozent auch hinter BMW

In Deutschland verzeichnete Audi ein Plus von 4,3 Prozent auf 271.613 Fahrzeuge und konnte damit den Marktanteil von 7,4 Prozent stabil halten. Vor zwei Jahren hatte Audi mit einem Wert von 8,2 Prozent noch deutlich vor BMW gelegen, inzwischen ist Audi hinter Mercedes und BMW nur noch auf dem dritten Premiumplatz in Deutschland.

Auch Daimler hat nach einem schwachen Start im vergangenen Jahr nicht nur in China mehr Autos verkauft. Das Unternehmen setzte 2019 rund 2,34 Millionen Pkw ab, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. "Für die Automobilindustrie war 2019 ein Jahr mit großen Herausforderungen", sagte Daimler-Chef Ola Källenius. "Auch die beiden kommenden Jahre werden mehr denn je von der Transformation unserer Branche geprägt sein." Dennoch wolle das Unternehmen auch im laufenden Jahr den Absatz weiter steigern.

BMW verbreitet Zuversicht fürs neue Jahr

Laut BMW-Vertriebschef Pieter Nota hat der Münchener Konzern mit den Marken BMW, Mini und Rolls-Royce im vergangenen Jahr einen Rekordabsatz von 2,52 Millionen Fahrzeugen verbucht, was einem Plus von 1,2 Prozent entspricht. "Wir blicken mit Zuversicht auf das neue Jahr und streben 2020 erneut einen Absatzzuwachs an", kündigte Nota schon vor der Veröffentlichung der detaillierten Zahlen an.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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