Rückruf für den Audi E-Tron

Ingolstadt/Neckarsulm  Audis erstes Elektroauto, der E-Tron, ist erst seit kurzem auf dem Markt. Nun muss der Hersteller die ersten 7000 ausgelieferten Fahrzeuge zurückrufen.

Von Alexander Schnell
Rückruf für den Audi E-Tron

Probleme am Elektroauto: Weltweit sind 7000 Fahrzeuge des Audi E-Tron von einer fehlerhaften Dichtung betroffen.

Foto: Audi

Audis erstes Elektroauto, der E-Tron, ist erst seit kurzem auf dem Markt. Nun muss der Hersteller in den USA bereits 1650 Modelle zurückrufen, weltweit sind insgesamt die ersten 7000 ausgelieferten Fahrzeuge der Baureihe betroffen.

Durch eine fehlerhafte Dichtung am Niedervoltkabel kann unter Umständen Feuchtigkeit in die Lithium-Ionen-Batterie im Fahrzeugboden eindringen. Dies kann zu einem Kurzschluss oder im schlimmsten Fall zum Brand führen. Entsprechende Fälle seien dem Hersteller aber nicht bekannt.

"Sollte tatsächlich Feuchtigkeit in die Batterie eindringen, leuchtet im Cockpit die Batteriewarnlampe", sagt ein Audi-Sprecher. Sollte dem so sein, empfiehlt der Hersteller, den E-Tron im Freien zu parken, ihn nicht aufzuladen und einen Pannendienst zur Hilfe zu rufen. Das Fahrzeug wird dann zu einer Werkstatt geschleppt. "Die Wahrscheinlichkeit einer Undichtigkeit ist aber äußerst gering", so der Sprecher. Modelle, die sich aktuell in der Produktion befinden, würden bereits entsprechend nachgebessert.

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Lieferengpässe bei den Batterien

Der Rückruf reiht sich ein in eine Serie von Problemen mit dem E-Tron. Im Sommer 2018 fing es damit an, dass die Weltpremiere des Wagens kurzfristig verschoben wurde. Die ersten Auslieferungen wurden immer wieder nach hinten verschoben. Grund dafür sind Verzögerungen bei der Produktion im Werk Brüssel. Dass das Produktionsprogramm für das laufende Jahr um 10.000 Einheiten gekürzt werden soll, wie die "Brussels Times" berichtet hatte, bestätigt man bei Audi allerdings nicht. Dennoch ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören, dass es nach wie vor immer wieder zu Lieferengpässen bei den Batterien kommt.

Ungeachtet der Probleme beim Audi E-Tron steigt der Absatz von Elektroautos deutlich an. Im laufenden Jahr rechnet das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach weltweit mit etwa 2,7 Millionen elektrifizierten Autos (2018: 2,1 Millionen). Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts betrug die Anzahl der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland im Jahr 2018 rund 36.000 Stück. In den ersten fünf Monaten des laufenden Monats waren es bereits 25.000 Einheiten. Das liegt Experten des CAM zufolge an der größeren Modellauswahl, sinkenden Preisen und einer verbesserten Infrastruktur der öffentlichen Ladesäulen.

In diesem und im nächsten Jahr steigt die Zahl der verfügbaren Elektroautos noch einmal deutlich an. Marken wie VW, Seat und Opel bringen im Klein- und Kompaktwagensegment Modelle auf den Markt, die preislich zwischen 20.000 und 40.000 Euro liegen sollen.

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Am Mittwoch tagt der Audi-Vorstand in Neckarsulm – das Thema E-Tron wird dabei sicher auch diskutiert.

Strategie

Stärker als bisher will Audi die Elektrifizierung vorantreiben. "Bereits nächstes Jahr bieten wir 16 Hybrid- und Elektromodelle an", sagt Vorstandschef Bram Schot. 2025 solle das Portfolio mehr als 30 elektrifizierte Modelle zählen, darunter 20 rein elektrische. Geplant ist unter anderem der Q4 E-Tron, ein SUV-Coupé. Am Standort Heilbronn startet 2020 der besonders sportliche E-Tron GT, in Neckarsulm wird ab 2023 der E6 gebaut. Ab 2025 will der Autobauer dann jedes Jahr eine Million Elektroautos verkaufen. 

 

 


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