Rheinmetall leidet unter schwachem Automarkt

Neckarsulm  Das wachsende Umsatzminus drückt auf das Ergebnis bei Kolbenschmidt und Pierburg. Die Rüstungssparte sorgt für wirtschaftliche Stabilität.

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Rheinmetall leidet unter schwachem Automarkt
Motorservice, die Ersatzteilsparte von Rheinmetall Automotive, hat ihr Ergebnis trotz Umsatzminus fast halten können. Foto: Rheinmetall

Die Lage ist schwierig, der Ausblick trüb. Aber immerhin zeigt der Neckarsulmer Automobilzulieferer Rheinmetall Automotive "aufgrund der schnellen Kostenanpassung eine robuste Profitabilität", wie Armin Papperger es formuliert, der Vorstandschef des Düsseldorfer Mutterkonzerns. Im dritten Quartal ist der Umsatz um 6,9 Prozent gesunken, das operative Ergebnis gar um 28 Prozent.

Keine Besserung in Sicht

Weil die Geschäfte im ersten Halbjahr noch besser liefen, sehen die Neunmonatszahlen mit einem Minus von 4,6 Prozent auf 2,099 Milliarden Euro Umsatz und einem um 25 Prozent auf 144 Millionen Euro gesunkenen Ergebnis nicht ganz so düster aus. Bis zum Jahresende erwartet der Vorstand aber keine Verbesserung und sieht "zusätzliche Belastungen" auf sich zukommen. Aufträge würden kurzfristig storniert oder angepasst, heißt es in der Präsentation zu den Quartalszahlen, was beim Ausblick zu "schlechten Sichtverhältnissen" führe.

Papperger bleibt dennoch zuversichtlich: "Mit unseren Lösungen zur Schadstoff- und Verbrauchsreduzierung bei Automobilen und im Bereich der alternativen Antriebe decken wir wichtige Themenbereiche ab, die auch künftig gefragt sein werden", sagt er.

Der Blick in die Sparten macht deutlich, dass dieses Mal Pierburg besonders leidet, während der Kolbenschmidt-Bereich nicht ganz so hart getroffen wurde: Der Neckarsulmer Hardparts-Teilkonzern musste nur einen Rückgang des Umsatzes um 3,1 Prozent auf 731 Millionen Euro verbuchen, was vor allem aus einem schwächeren Truck-Geschäft resultiert habe. Mechatronics, also der von Neuss aus geführte Pierburg-Bereich, vermeldet ein Minus um 5,4 Prozent auf 1,166 Milliarden Euro.

Bei KS Huayu liegt der Umsazu nach neun Monaten um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert

Die in Neuenstadt ansässige Division Aftermarket lag mit einem Umsatzminus von 4,2 Prozent auf 269 Millionen Euro in der Mitte. Bei Motorservice blieb das Ergebnis aber mit 25 Millionen Euro fast konstant. Bei KS Huayu Alutech in Neckarsulm - am Standort ist dieses Jointventure der größte Arbeitgeber - ging der Umsatz um 22 Prozent auf 188 Millionen Euro zurück, was mit geringeren Abrufen begründet wird. Dort werden unter anderem Teile für den Audi A6 und den Audi E-Tron produziert.

Für China, wo der Automarkt ebenfalls stark rückläufig ist, vermeldet das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn im dritten Quartal zweistellige Zuwachsraten. Der Virus, der die amerikanischen Werke Ende September zeitweise lahmgelegt hatte, wird im laufenden Quartal das Ergebnis um sechs bis acht Millionen Euro belasten.

Gewinne aus der Rüstungssparte sorgen für Stabilität

Für wirtschaftliche Stabilität sorgen die Geschäfte der Rüstungssparte von Rheinmetall, deren Umsatz per Ende September um 11,8 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro stieg - und zugleich deutlich profitabler wurde. "Wir profitieren vom Nachholbedarf in der militärischen Beschaffung vieler Länder und von steigenden Budgets, insbesondere auch in Deutschland", erklärt Armin Papperger.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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