Regionales Handwerk fordert schnelles Internet

Heilbronn  Kammer unterstützt die Gründung einer Gigabit-Allianz in der Region. Die Vollversammlung beschließt außerdem Beitragssenkungen für die Mitgliedsbetriebe. Mit ihrem Buga-Auftritt sind die Handwerker sehr zufrieden.

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Regionales Handwerk fordert schnelles Internet

Die Zimmerer-Innung Heilbronn-Öhringen sorgte auf der Buga mit einer selbsttragenden Da-Vinci-Brücke für Aufsehen.

Foto: HWK

Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken unterstützt die Gründung einer Gigabit-Allianz in der Region zum Ausbau des schnellen Internet. Das beschloss die Kammer in ihrer Vollversammlung am Montagnachmittag. Gemeinsam mit allen wesentlichen Akteuren soll die Versorgung der Region mit Breitband- und Mobilfunk vorangetrieben werden. "Wir unterstützen dieses gemeinsame Vorgehen durch unser Mitwirken im Steuerungskreis sowie mit Expertisen auf der operativen Ebene", heißt es in einer Absichtserklärung der Kammer. Die IHK Heilbronn-Franken hatte die Gigabit-Allianz im Juli dieses Jahres vorgeschlagen. Unter Federführung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WHF soll ein Konzept erstellt werden, um die digitale Infrastruktur in der Region auszubauen.

Bei ihrer Herbsttagung behandelte die Handwerkskammer noch weitere Themenfelder.

Die Ausbildungszahlen sinken wieder

Fachkräftemangel: Die Geschäfte der Handwerker in der Region laufen immer noch gut, doch der Mangel an Mitarbeitern bremst die Betriebe aus. "Viele Betriebe berichten, sie würden zusätzliche Fachkräfte einstellen, doch der Markt gibt diese einfach nicht her", sagte Kammerpräsident Ulrich Bopp. "Daher ist es wichtiger als je zuvor, dass wir unsere Fachkräfte selbst ausbilden." Doch auch bei der Ausbildung tut sich das Handwerk schwer. Ende Oktober zählte die Kammer 1743 neue Ausbildungsverträge, das ist nach mehreren positiven Jahren ein Minus von 10,4 Prozent. Bopp wies darauf hin, dass junge Flüchtlinge zumindest helfen können, den Personalnotstand zu lindern. So kommen 7,8 Prozent der neuen Lehrlinge aus den wichtigsten Asylzugangsländern. Und bei denen, die schon länger hier sind, bestehen 78,4 Prozent ihre Gesellenprüfung.

Buga: Mit ihrem Auftritt auf der Bundesgartenschau in Heilbronn zeigte sich die Handwerkskammer sehr zufrieden. "Wir haben sehr gute Werbung für das Handwerk gemacht", sagte Referent Jérôme Umminger. Die knapp 100 Veranstaltungen im Handwerks-Pavillon seien gut besucht gewesen, ebenso die weiteren Aktionen wie das Bunte Klassenzimmer, die Makers Tage und Veranstaltungen der Innungen.

Freude über Meisterprämie und Rückkehr zur Meisterpflicht

Meisterprämie: Kammerpräsident Bopp begrüßte die lange geforderte Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerken. Und die kürzlich von der Landesregierung beschlossene Meisterprämie in Höhe von 1500 Euro sei "ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichgewicht von akademischer und beruflicher Bildung", lobte Bopp.

Finanzen: Gute Nachrichten für die rund 12 400 Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer. Nach 13 Jahren Beitragsstabilität wird der Grundbeitrag um rund sieben Prozent auf 130 Euro pro Jahr gesenkt. Dabei wird das kommende Jahr finanziell nicht einfach. Wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Achim Hofmann ausführte, plant die Kammer für 2020 mit einem Jahresfehlbetrag von 808 000 Euro nach 229 000 Euro in diesem Jahr. Durch den vorgetragenen Bilanzgewinn in Höhe von rund 768 000 Euro aus dem Jahr 2018 und der Auflösung diverser Investitionsrücklagen wird der erwartete Fehlbetrag ausgeglichen. Hofmann wies darauf hin, dass die Handwerkskammer seit Jahren schuldenfrei ist.

Bildungs- und Technologiezentrum wird erweitert

Investitionen: Die Kammer plant eine Erweiterung ihres Bildungs- und Technologiezentrums (BTZ) in den Böllinger Höfen. So soll eine neue Werkstatt errichtet werden, in dem der Meisterkurs der Zimmerer untergebracht werden soll. Aktuell werden die Zimmerer in nicht mehr zeitgemäßen Räumen in der Gartenstraße unterrichtet. Außerdem sind im BTZ zusätzliche Parkplätze und weitere Büroräume geplant. Die Kosten für diese Maßnahmen bezifferte Hofmann auf 524 000 Euro. Davon müsste die Kammer 174 000 Euro tragen, der Rest käme aus Fördermitteln.

Bundesweite Imagekampagne geht weiter

Die seit 2010 laufende bundesweite Imagekampagne des deutschen Handwerks ("Das Handwerk - Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan") geht von 2020 bis 2024 in ihre dritte Runde. Wie Michaela Maier, Abteilungsleiterin Zentralstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kammer, mitteilte, will die Kampagne nun die Wertschätzung für das Handwerk in den Mittelpunkt stellen. Unter dem Motto "Wir wissen, was wir tun" soll eine emotionale Aufladung der Handwerksberufe erfolgen. Ziel ist es, die Betriebe stärker einzubinden und das Interesse bei der Jugend am Handwerk zu wecken. Die Kammer wird auch in der Region auf Plakaten und Bussen werben.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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