Produktion von E-Autos in Neckarsulm ist nicht mehr sicher

Neckarsulm  Personalvorstand Wendelin Göbel und sein Produktionskollege Peter Kössler sprechen über den Veränderungsdruck bei Audi. Die Arbeit soll gerecht zwischen den Standorten verteilt werden. Was steckt hinter diesem Strategiewechsel?

Von Manfred Stockburger

Produktionsvorstand Peter Kössler.

Erstmals hat Audi bestätigt, dass die im vergangenen Jahr verkündete Entscheidung, die Premium-Plattform Elektro (PPE) in einem Schritt an beide deutschen Standorte zu bringen, wieder auf dem Prüfstand steht - einschließlich der beiden Batteriemontagen. "Es gibt mehrere Belegungsalternativen, die momentan diskutiert werden", sagte Produktionsvorstand Peter Kössler im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Welche Variante umgesetzt wird, müsse noch mit den Arbeitnehmervertretern und dem VW-Konzern abgestimmt werden.

E-Auto-Fertigung am Standort Neckarsulm ist weiter offen

Konkret bedeutet das, dass neben dem bisher versprochenen Aufbau der E-Plattform an beiden Standorten diskutiert wird, dass nur Ingolstadt oder nur Neckarsulm den Zuschlag für die strategisch wichtige nächste Generation der E-Autos erhält. "Wir suchen langfristig gesehen in einem gestuften Investitionsprozess das Optimum für die Werke", so Kössler: "Der Umstieg auf die E-Mobilität kostet sehr viel Kraft."

Personalvorstand Wendelin Göbel verteidigt den Schritt, die Zusagen aus dem Vorjahr nochmals auf den Prüfstand zu stellen. "Es gab Gründe, warum wir diese Entscheidungen getroffen haben. Wir stehen auch zu den Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern."

Man müsse aber immer sehen, in welchem Kontext sie getroffen worden seien. "Es muss aber erlaubt sein, dass wir über neue Realitäten diskutieren, wenn wir drei oder vier Monate weiter sind. Wir dürfen nicht an Vereinbarungen hängen, wenn man sich dadurch die Zukunft verbaut." Es geht darum, "die Arbeit gerecht und gleichmäßig zu verteilen".

Es soll keinen Druck aus Wolfsburg geben

Personalvorstand Wendelin Göbel.

Produktionschef Kössler betont, dass es keine Weisung aus Wolfsburg gegeben habe, sondern dass "neue Erkenntnisse" Grund für den Strategiewechsel gewesen seien. "Die Zukunft ist nicht mehr so vorhersehbar wie in der Vergangenheit. Das ist die Herausforderung der neuen Zeit." Man werde alles aber im Konsens mit den Belegschaftsvertretern umsetzen. "Audi ist ohne seine Menschen letztlich nichts."

Auch abseits der E-Fahrzeuge wollten sich die beiden Vorstände nicht über die künftige Werkbelegung äußern, Kössler deutet aber an, dass sich zunächst nichts verändert wird. "Wir werden bis Mitte des Jahres brauchen, um die Werksbelegung zukunftsorientiert zu finalisieren." Unisono betonen die beiden Audi-Manager, dass es darum gehe, die Beschäftigung in den Werken zu sichern. "Wir setzen alles daran, dass wir Audi und die Standorte in eine sichere Zukunft führen."

Audi will Vertrauen zurückgewinnen

Göbel ist es wichtig, dass die Beschäftigten wieder Vertrauen in die Beschäftigungssicherung bekommen, die Ende 2025 ausläuft. "Wir wissen, dass es einen Vertrauensverlust gegeben hat in den letzten Jahren. Es ist ganz entscheidend, dass wir das Vertrauen wieder zurückgewinnen."

Dass im Januar Leiharbeiter eingestellt wurden, die das Unternehmen inzwischen wieder verlassen mussten, weil die zusätzliche Schicht doch nicht gebraucht wird, "das ist eine unschöne Situation. So etwas möchte ich nie mehr wieder erleben", sagt der Personalvorstand. Denn: "Die Menschen sind das Wichtigste, was wir bei Audi haben."

Künftig werden sie aber deutlich flexibler arbeiten müssen, betont Kössler - "in einem höheren Maß, als sie es bisher gewohnt waren". Dass in Ingolstadt eine Dauernachtschicht abgebaut wird, sei "ein wesentlicher Beitrag zur Beschäftigungssicherung".

Verhandlungen über neue Betriebsvereinbarung laufen

Anders als bei großen Betriebsvereinbarungen der Vergangenen Jahrzehnte, werde die nächste Auflage von "Zukunft.Audi" kein Werk mehr sein, "in dem man etwas vereinbart, das dann für die nächsten zehn Jahre steht", sagt Göbel. Zugleich betont der Personalchef, dass Audi "kein Sanierungsfall" ist. "Aber wir müssen alles tun, dass wir kein Sanierungsfall werden und wir müssen die Zukunft jetzt finanzieren."

Kössler ist zuversichtlich, dass man mit der Zukunftsvereinbarung zu Jahresmitte "sehr weit" sein werde. Eine Verlagerung von Fahrzeugen an ausländische Standorte schließt er aber jetzt schon aus.

 


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