Porsche top, VW stagniert, Audi verliert

Neckarsulm/Wolfsburg  Drei Marken, drei unterschiedliche Schicksale – aber der Absatz in China hat im vergangenen Jahr bei Audi, VW und Porsche jeweils über das Wohl oder Wehe entschieden: Audi wäre ohne das zweistellige Plus im mit Abstand größten Einzelmarkt noch viel weiter ins Minus gerutscht.

Von Manfred Stockburger und dpa

Porsche top, VW stagniert, Audi verliert

Auch dieser A8 ist wohl ein Chinese, wie sie bei Audi in Neckarsulm sagen: Die Langversion der Luxuslimousine verkauft sich vor allem im Reich der Mitte. Mehr als die Hälfte der ausgelieferten A8 gingen 2018 dorthin.

Foto: Audi

 

Bei VW lässt das Minus von 2,1 Prozent im Reich der Mitte den gesamten Absatz stagnieren. Und Porsche wird durch ein Plus von zwölf Prozent im konzerninternen Vergleich zum Wachstumsprimus.

Welche Bedeutung die Entwicklung auf dem chinesischen Markt für den Neckarsulmer Audi-Standort hat, wird durch ein Detail offenbar, das tief in der Absatzstatistik vergraben ist: Mehr als jeder zweite der 20.045 Audi A8, die im vergangenen Jahr ausgeliefert wurden, ging an Kunden in China − dabei war der A8 dort erst ab Mai verfügbar. Unter dem Strich schloss das Anfang 2018 erneuerte Top-Modell sein erstes Jahr mit einem enttäuschenden Minus von sechs Prozent ab. In den USA hat sich die Markteinführung noch weiter verzögert.

Neue Herausforderungen bei Audi 

Besser lief es beim ebenfalls in Neckarsulm produzierten A7, der mit 19.974 Einheiten und damit einem Plus von 7,2 Prozent gut dastand − obwohl der Neue erst im Frühjahr auf den Markt kam. Vom A5-Cabrio gab es mit 14.725 Einheiten sogar 8,8 Prozent mehr Auslieferungen als im Vergleichsjahr 2017. Beim Neckarsulmer A6 wirkte sich der Modellwechsel negativ aus: Der Absatz sank um neun Prozent auf 103.502.

"2018 ist, wie erwartet, sehr anspruchsvoll verlaufen mit der größten Modell- und Technologie-Offensive der Audi-Geschichte − parallel zur Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus", sagte Vorstandschef Bram Schot. "Die positive Resonanz auf unsere neuesten Modelle beweist die Stärke unserer Marke, gleichzeitig bereiten wir uns auf die neuen Herausforderungen in diesem Jahr vor."

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Porsche mit 38 Prozent plus

Porsche hat in China 2018 erstmals mehr Fahrzeuge verkauft als in ganz Europa. Mit einem Plus von 38 Prozent auf weltweit 38.443 Stück trumpften die Stuttgarter vor allem mit dem Panamera auf, aber auch der 911er legte trotz des Generationswechsels zweistellig zu − auf 35.573 Fahrzeuge. Das Plus ist auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass Porsche in Europa durch die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus große Herausforderungen zu bewältigen hatte, wie Vertriebsvorstand Detlev von Platen sagte.

Die Marke Volkswagen meldet trotz aller Kalamitäten des vergangenen Jahres mit 6,24 Millionen Fahrzeugen einen neuen Auslieferungsrekord − das Plus war mit 0,2 Prozent allerdings mager. Südamerika (+13,1 Prozent), die USA (+4,2 Prozent) und Europa (+3,6 Prozent) glichen das Minus in China aus und halfen mit, die teilweise heftigen Auswirkungen durch die WLTP-Umstellung in Westeuropa zu kompensieren. "Unsere Strategie hat sich ausgezahlt", sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. "Der Auslieferungsrekord ist hart erarbeitet." Der operative Chef der Marke VW, Ralf Brandstätter, erwartet für 2019 erneut "enorme Herausforderungen": "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Neben Volumenwachstum werden wir unseren Fokus künftig noch stärker als bisher auf Ertragsstärke legen." Immer beliebter wurden indes die Elektroautos von Volkswagen. In Summe lieferte die Marke 2018 rund 50.000 reine E-Autos und Plug-In-Hybride aus, 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

Angesichts des kostspieligen Wandels der Antriebstechnologie zeichnet sich eine engere Zusammenarbeit von VW mit dem Wettbewerber Ford ab. Nach dpa-Informationen könnte der Pickup Amarok eines der ersten gemeinsamen Projekte werden. Der VW-Aufsichtsrat muss allerdings noch zustimmen, was heute geschehen soll. Auch bei Stadtlieferwagen könnte es Kooperationen geben.