Porsche steht unter Strom

Berlin/Stuttgart  Die Stuttgarter Sportwagenmarke investiert kräftig in die Elektromobilität. Jetzt feierte der Taycan, der erste vollelektrische Wagen des Herstellers, Weltpremiere.

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Porsche Taycan
Vorstandsvorsitzender Oliver Blume vor einem Elektromodell des Porsche Taycan.

Wenn Stefan Weckbach über den neuen Taycan spricht, wirkt er wie elektrisiert. Er leitet bei Porsche die intern J1 genannte Baureihe. Und das ist nicht irgendein Auto, sondern der erste vollelektrische Wagen des Herstellers. Mit wenigen Worten kommt Weckbach auf den Punkt: "Der Taycan fährt schnell und er kann schnell laden."

Vor fast genau vier Jahren hat Porsche die erste Studie namens Mission E gezeigt, jetzt feierte die Serienversion des lokal emissionsfreien Elektroautos zeitgleich auf drei Kontinenten ihre Weltpremiere.

Nicht nur auf der Straße schnell

Für die Kunden der Marke dürfte eine Aussage am wichtigsten sein: "Der Taycan ist ein echter Porsche", bekräftigt Vorstandschef Oliver Blume. Extrem schnelles Laden, große Reichweite (450 Kilometer) und Fahrleistungen wie ein Sportwagen (bis zu 761 PS, in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 und maximal 260 km/h) - damit will Porsche dem Model S von Elektro-Pionier Tesla die Rücklichter zeigen.

An Innovationen mangelt es dem ersten Stromer aus Zuffenhausen nicht. Weil er als erstes E-Auto mit einer Systemspannung von 800 statt der üblichen 400 Volt arbeitet, kann er an einem Schnelllader binnen fünf Minuten den Strom für 100 Kilometer laden. Für eine 80-Prozent-Ladung benötige der Taycan im Idealfall nur etwas mehr als 22 Minuten.

Mehr als 30.000 Fahrzeuge sind bereits bestellt

Starten wird der Taycan zunächst in zwei Versionen für mindestens 152.136 Euro. Weniger starke und damit günstigere Varianten sollen im Lauf des Jahres folgen. Das Interesse ist groß: Mehr als 30.000 Reservierungen sind bei Porsche eingegangen.

Produktionsvorstand Albrecht Reimold - einst Werkleiter von Audi in Neckarsulm - hat für den Stromer am Porsche-Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen eine eigene Fertigung bauen lassen. Dafür wurden 700 Millionen Euro investiert, 1200 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Fertigung umgestellt: Der erste Elektro-Porsche entsteht nicht in klassischer Fließbandarbeit. Autonom fahrende Transportsysteme erlauben mehr Fertigungsschritte an einem Ort. Außerdem soll die gesamte Produktion CO2-neutral ablaufen und die Ressourcen schonen.

In einer späteren Version wird der Taycan auf der neuen Konzernplattform PPE (Premium Platform Electric) stehen, die zusammen mit der Konzernschwester Audi entwickelt wurde und mittelfristig unter anderem auch beim E-Tron GT eingesetzt werden soll, der ab Herbst 2020 am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn produziert wird. Von dem sportlichen Stromer erwartet Audi Sport deutlich höhere Stückzahlen als beim seit Jahren schwächelnden R8, der wohl keinen Nachfolger bekommt.

Macan wird der erste Porsche sein, der auf der PPE-Plattform steht

Bei Porsche nimmt die Elektromobilität in den nächsten Jahren zügig Fahrt auf. Die nächste Generation des kompakten Geländewagens Macan wird das erste Fahrzeug sein, das von Beginn an auf der PPE-Plattform gebaut wird. Anfang des nächsten Jahrzehnts soll dieser Stromer in Leipzig vom Band rollen wie Oliver Blume sagt. Dafür baut die Marke ihr dortiges Werk zum Standort für Elektromobilität um. "Bis zum Jahr 2022 investieren wir mehr als sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität und bis 2025 könnte bereits jedes zweite Neufahrzeug von Porsche einen Elektroantrieb haben", sagt Blume.

Fans der Marke, die klassische Antriebe bevorzugen, sollen dennoch auf ihre Kosten kommen, verspricht Blume: "Porsche wird immer eine Sportwagenmarke sein - mit Benzinmotoren und elektrischen Antrieben."


Kommentar von Alexander Schnell: Konsequent

Kaum ein Auto wurde in diesem Jahr mit so viel Spannung erwartet wie der Taycan. Eine komplett neue Baureihe legt Porsche nicht alle Tage auf. "Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber jeder haben will", hat Unternehmensgründer Ferdinand Porsche einst gesagt. Dieses Mal ist die Sache doch etwas anders. Denn angesichts immer strengerer Abgasnormen und weltweiter Debatten rund ums Klima kann sich auch der Sportwagenhersteller der Elektromobilität nicht entziehen.

Ausgerechnet Porsche beschreitet den Weg konsequenter als viele andere Marken. Zuerst hat die VW-Tochter den Diesel komplett aus dem Angebot verbannt. Es folgten zahlreiche Plug-in-Hybridmodelle. Nun rollt mit dem Taycan das erste Elektroauto zu den Händlern. Der Nachfolger des Geländewagens Macan wird ebenfalls vollelektrisch angetrieben. Und ein 911er mit E-Antrieb? Es wird sicher irgendwann nicht mehr ohne gehen.

Die CO2-Grenzwerte verschärfen sich in Zukunft weiter. Ohne emissionsfreie E-Autos ist das nicht zu schaffen - sonst wird es teuer. Bei Nichteinhaltung der Werte drohen den Herstellern milliardenschwere Strafzahlungen. Der Mythos Porsche jedenfalls bleibt bestehen. Denn Elektromobilität und Sportlichkeit schließen sich nicht aus.

 

 

Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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