Neue Vorwürfe gegen Audi

Ingolstadt/ Neckarsulm  Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal soll Audi hunderttausende Dokumente vernichtet haben. Zur Veröffentlichung äußern wollte sich Audi auf Anfrage nicht.

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Laut eines internen Untersuchungsberichts sollen Audi-Ingenieure hunderttausende Dokumente im Zusammenhang mit dem Dieselskandal vernichtet haben. Das berichtete das digitale Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ am Sonntag. Audi wollte sich auf Anfrage nicht zu der Veröffentlichung äußern. „Alle Vorgänge sind Gegenstand laufender Ermittlungen der Staatsanwaltschaften München II und Braunschweig. Daher äußern wir uns dazu nicht“, sagte Audis Pressechef Dirk Arnold der Heilbronner Stimme.

Massenhaft Dokumente geschreddert

Laut des eigentlich streng geheimen Berichts der Kanzlei Jones Day, die vom VW-Konzern mit der Aufklärung des Dieselskandals beauftragt wurde, sollen Audi-Mitarbeiter zwischen dem 18. und 30. September 2015 „Hunderttausende Dateien von ihren Computern, externen Geräten und Netzlaufwerken“ gelöscht haben. Zudem sei eine nicht mehr bestimmbare Menge von Papier-Akten geschreddert und entsorgt worden, heißt es in dem Bericht. Demnach hätten 14 Angestellte von Audi in Gesprächen mit Jones Day zugegeben, Daten und Akten vernichtet zu haben. Ein Ingenieur sagte angeblich aus, dass der „Zweck der Datenvernichtung“ darin lag, den „Vorstand zu schützen.“ Dem Vernehmen nach soll Software benutzt worden sei, die eine Rekonstruktion der Daten erschwerte oder gar verhindert. so soll es in der Tat nicht gelungen sein, eine Vielzahl relevanter Dokumente wiederherzustellen.

Neue Vorwürfe gegen Audi
Vor rund einem halben Jahr hat die Münchner Staatsanwaltschaft Rupert Stadler wegen des Dieselskandals angeklagt. Sie wirft ihm „Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung“ vor.

Immer wieder tauchten aber neue Betrügereien auf

Kurz nachdem im September 2015 bei Volkswagen die millionenfache Manipulation an Dieselfahrzeugen publik wurde, stellte der damalige Audi-Chef Rupert Stadler Stadler klar: „Bei Audi ist alles in Ordnung.“ Immer wieder tauchten aber neue Betrügereien auf. Am Morgen des 18. Juni 2018 wurde Stadler in Untersuchungshaft genommen, im Oktober 2018 kam der heute 56-Jährige wieder auf freien Fuß.

Rupert Stadler: Anklage und Prozess

Vor rund einem halben Jahr hat die Münchner Staatsanwaltschaft Rupert Stadler wegen des Dieselskandals angeklagt. Sie wirft ihm „Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung“ vor. Ein Prozess ist aber aber noch lange nicht in Sicht: Wenn das Landgericht die Anklage zulassen sollte, sei mit einer Eröffnung der Hauptverhandlung nach derzeitigem Stand wohl nicht vor Herbst zu rechnen, sagte der Sprecher des Oberlandesgerichts München, Florian Gliwitzky, auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende Juli 2019 die Anklageschrift vorgelegt. Die Verteidiger Stadlers und der drei Mitbeschuldigten haben nun noch bis Ende Februar Zeit für Stellungnahmen.

 


Langer Schatten

Ein Kommentar von Alexander Schnell 

 

2020 sollte für Audi ein Jahr des Aufbruchs werden. Im April erhält der Autobauer mit Markus Duesmann einen neuen Vorstandschef und drei weitere neue Vorstände, die die VW-Tochter endlich wieder auf Kurs bringen sollen. Die Elektrifizierung der Modellpalette schreitet voran, die Zukunftsvereinbarung zwischen Unternehmen und Belegschaft soll nötige Sparpotenziale heben. Doch der Dieselskandal wirft immer noch einen langen dunklen Schatten über das Unternehmen. Nun tauchen zur Unzeit einmal mehr neue Vorwürfe auf. Mitarbeiter, die Akten schreddern und Festplatten gelöscht haben sollen – so etwas kennt man in der Regel sonst nur aus Filmen.

Viereinhalb Jahre, nachdem der Skandal öffentlich wurde, hält man als Beobachter aber kaum noch etwas für nicht vorstellbar. Audi und im speziellen Rupert Stadler hätten sich einiges ersparen können. Wenn das Unternehmen seinerzeit gleich reinen Tisch gemacht und wie angekündigt alles schonungslos aufgeklärt hätte. Stattdessen wurden weiter Autos produziert und verkauft, von denen Audi wusste, dass sie die Abgasvorschriften nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße. Immer wieder kamen über die Jahre neue Enthüllungen ans Licht. Nur, wenn Audi die Vergangenheit endlich bewältigt, kann die Zukunft gestaltet werden.


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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