Mobile Stromzapfsäule mit Tankwart

Neckarsulm  Audi testet in Stuttgart und Hoffenheim Geschäftsmodelle für die Elektro-Zukunft. Die Denkwerkstatt, in der ParkE entwickelt wurde, bekommt eine Auszeichnung.

Von Manfred Stockburger

ParkE, Ladestation für E-Autos
Das ist keine Kehrmaschine, sondern ParkE, die mobile Ladestation für E-Autos, die Audi jetzt beim Bundesligisten Hoffenheim getestet hat. Foto: Audi

Elektromobilität bedeutet, dass Fahrer neu denken müssen - und auch die Hersteller. Ein Ergebnis ist die mobile Ladesäule ParkE, die vergangenes Jahr von der Audi-Denkwerkstatt in Berlin entwickelt wurde: eine Stromstation, die an der normalen Steckdose aufgeladen werden kann, wie eine große Kehrmaschine bewegt wird und dort, wo ein E-Auto geparkt ist, als Schnelllader funktioniert.

Zum Produkt ein Geschäftsmodell entwickeln

Mit dem fertigen Produkt ist das Denken aber nicht abgeschlossen, es muss auch zum Einsatz kommen. Einige Logistiker des Audi-Standorts Neckarsulm haben nun ein Geschäftsmodell für ParkE entwickelt, das zurzeit im Parkhaus eines Stuttgarter Einkaufszentrums getestet wird. Die Logik dahinter: Das Team liefert mobile Ladesäulen dorthin, wo Kunden sie brauchen aber keine feste Infrastruktur aufbauen können. Außerdem übernehmen die Mitarbeiter vor Ort den Ladevorgang der E-Autos. "Während die Kunden gemütlich durch die Läden schlendern, laden wir ihre Autos auf", erklärt Projektleiter René Valnion.

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Solche Einsätze mit Testkunden aus unterschiedlichen Branchen geben dem Team wichtige Erkenntnisse - und letztlich eine Entscheidungsgrundlage, wie es bei Audi mit ParkE weitergeht. "Unser Modell ist für unterschiedliche Einsatzgebiete denkbar", sagt René Valnion. "Ob im Rahmen von Sportveranstaltungen, in Parkhäusern, privaten Wohnanlagen oder Hotels - wir sehen viele Anwendungsfelder, um mit dem Service neue Einnahmequellen zu generieren." Erste Praxistests haben die Logistiker auch schon beim Fußball-Bundesligisten Hoffenheim absolviert.

Die ersten Rückmeldungen fallen positiv aus, heißt es. "Uns ist wichtig, nah am Kunden zu sein, direktes und authentisches Feedback zu bekommen und dadurch unseren Service schnell verbessern zu können", sagt Valnion.

Audi-Denkwerkstatt ist eine der besten Innovationsfabriken deutscher Konzerne

Die Berliner Denkwerkstatt, in der Audi junge Querdenker aus allen Geschäftsbereichen gemeinsam neue Ideen wie ParkE entwickeln lässt, ist derweil von der Strategieberatung Infront und dem Wirtschaftsmagazin Capital als eine der besten Innovationseinheiten von Konzernen in Deutschland ausgezeichnet worden. Kapitän Matthias Brendel und Steuerfrau Anna Trunk waren "unglaublich überrascht und gleichzeitig sehr stolz" über die Auszeichnung - und vor allem auf das Team: "Damit meine ich auch alle Teilnehmer, die in den letzten dreieinhalb Jahren bei uns waren und ohne die wir niemals so tolle Projekte hätten entwickeln und umsetzen können", sagt Brendel.

Seit zwei Wochen ist die nächste Denkwerkstatt-Generation in der Factory Berlin zugange. Dieses Mal geht es darum, welche Rolle Mikromobilität für Audi spielen könnte. Wie man aus Mobilitätsdaten Geschäftsmodelle entwickeln kann. Und wie sich der Alltag von E-Auto-Fahrern verbessern lässt. "Die Energie ist schon zu spüren", sagt Brendel. "Ich sehr zuversichtlich, dass bis Dezember wieder tolle Projekte umgesetzt werden."

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