Lidl stellt Öko-Sortiment auf Bioland-Standard um

Neckarsulm  Der Ökoverband Bioland wird Lidl mit Eigenmarkenprodukten beliefern. Die ersten Erzeugnisse sollen bereits Anfang November beim Discounter angeboten werden.

Von Manfred Stockburger

Lidl bietet künftig deutschlandweit Produkte von Bioland-Bauern an. Foto: Lidl

Das Bio-Sortiment von Lidl Deutschland wird in den kommenden Monaten so vollständig wie möglich auf Bioland umgestellt. Bislang garantiert der Händler bei seinen Eigenmarkenprodukten aus Öko-Landwirtschaft lediglich den EU-Biostandard, dessen Kriterien deutlich weniger streng sind als beim Bioland-Siegel. 

Nach Äpfeln und Gartenkräutern, von denen noch dieses Jahr erste Ware mit dem neuen Siegel in den Filialen landen wird, beginnt im Januar die Umstellung des Molkereisortiments: Butter, Milch und Käse wird dann nahezu vollständig auf das Bioland-Sortiment umgestellt, wie Jan Bock, der Einkaufchef von Lidl Deutschland, der Heilbronner Stimme sagt. „Alles, was wir umstellen können, werden wir umstellen.“ Als Ausnahme nennt er etwa Bananen, die es nicht in Bioland-Qualität gibt: Das Siegel wird zurzeit nur an Produzenten in Deutschland und Südtirol vergeben.

Lange Verhandlungen

Zu Jahresbeginn 2019 wird etwa ein Viertel des bestehenden Bio-Sortiments auf die neue Basis umgestellt sein. Aktuell sind etwa 200 Produkte gelistet, im März sollen weitere hinzukommen, sagt Bock, der einräumt, dass die Systemwettbewerber in puncto Bio derzeit bei der Sortimentsgröße einen Vorsprung haben. Neben Milchprodukten gehören auch Äpfel, Bananen und Kartoffeln zu den Bio-Produkten mit der höchsten Nachfrage.

Nicht nur bei der Menge, sondern auch bei der Qualität möchte Lidl nun neue Standards setzen. Bock spricht von „Mehrwert-Bio“. Eineinhalb Jahre lang haben die Neckarsulmer mit dem Bioland-Verband verhandelt, bis die Basis für die Zusammenarbeit gelegt war. "Lidl hat uns im Laufe der letzten Monate glaubwürdig verdeutlicht, wie ernst es dem Unternehmen mit seiner nachhaltigen Sortimentsentwicklung ist“, sagt Bioland-Präsident Jan Plagge. „Für uns ist entscheidend, dass wir den strengen Bioland-Standard und unsere Prinzipien ohne Kompromisse umsetzen können und dass unsere sozialen und ethischen Werte berücksichtigt werden." Plagge betont, dass die Lieferbeziehungen nach klaren Fair-Play Regeln gestaltet seien, „die kleinen und mittleren Betriebsstrukturen eine Zukunft in der Biolandwirtschaft und Lebensmittelherstellung bieten“. 

Platz im Regal schaffen

Bioland zieht damit in Regale der rund 3200 Lidl-Filialen in Deutschland ein, was den Mitgliedern des Ökoverbands einen großen neuen Absatzkanal eröffnet. „Für Landwirte ist die Kooperation eine Chance, ihre Betriebe zukunftsfähig weiterzuentwickeln und fair vergütet zu bekommen“, sagt Bock. „Gemeinsam mit Bioland können wir über eine gesteigerte Nachfrage weitere Betriebe zur Umstellung auf den ökologischen Landbau motivieren", denn mit den bestehenden Bioland-Betrieben alleine werde die Nachfrage nicht gedeckt werden können.

„Der Verband muss neue Mitglieder gewinnen.“ Die Neckarsulmer wollen mit den Bauern auch Anbaupläne vereinbaren - und damit dafür sorgen, dass für die produzierten Rohstoffe auch Platz im Regal ist. "Wir wollen hochwertige Bio-Produkte aus der Nische holen und Millionen von Verbrauchern den Zugang ermöglichen“, sagt Bock. Zugleich würden damit Ökobetriebe im Inland gestärkt.

Für Bioland-Produkte gelten sieben Prinzipien: die nachhaltige Kreislaufwirtschaft ohne künstliche Dünger und Pestizide, die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und biologischen Vielfalt, eine artgerechte Tierhaltung, die Erzeugung von wertvollen Lebensmitteln, die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und Sicherung einer lebenswerten Zukunft für den Menschen und einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.  „Nur mit einer gesteigerten Nachfrage können weitere Bauern auf ökologischen Landbau umstellen", sagt Jan Plagge.