Lidl glänzt, Kaufland kämpft

Neckarsulm  Lidl und Kaufland haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 beim Wachstum einen Zahn zugelegt und den Umsatz auf 96,9 Milliarden Euro gesteigert. Auch die Zahl der Beschäftigten der Neckarsulmer Unternehmensgruppe ist gestiegen.

Von Manfred Stockburger

 

Lidl erhöhte das Geschäftsvolumen um 8,8 Prozent auf 74,6 Milliarden Euro, Kaufland um 3,0 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Zusammen entspricht das einem Umsatzplus von 7,4 Prozent, das ohne nennenswerte Zukäufe zustande gekommen ist. Bereinigt um Wechselkursverluste wäre das Wachstum "noch ein bisschen besser gewesen", sagte Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe, der Heilbronner Stimme. Fürs laufende Geschäftsjahr stehen 103 Milliarden Euro in der Planung − netto und ohne weitere Umsätze außerhalb der Filialen und Online-Shops

Um etwa 10.000 auf nunmehr 400.000 ist die Zahl der Beschäftigten der Neckarsulmer Unternehmensgruppe gestiegen. Im Inland sind es etwa 140.000 Mitarbeiter, die je zur Hälfte bei Lidl und Kaufland beschäftigt sind.

Lidl: Expansionstempo in den USA deutlich reduziert

Während das Unternehmen im vergangenen Jahr im Onlinehandel auf die Bremse getreten ist und den Kaufland-Lieferservice wieder eingestellt hat, ist die Zahl der Filialen weltweit um 276 auf 11.730 Verkaufsstellen gestiegen. 50 davon hat das Unternehmen in den USA eröffnet − eigentlich wollten die Neckarsulmer dort ein Jahr nach dem 100 Lidl-Läden haben, nach Anlaufschwierigkeiten war das Expansionstempo aber deutlich reduziert worden. "Wir müssen alle Filialen noch einmal bearbeiten", sagte Klaus Gehrig. Im Inland sind die Filialzahlen beider Vertriebslinien mit 3200 bei Lidl und 660 bei Kaufland konstant geblieben.

Lidl hat auch im Inland mit 5,2 Prozent Plus eine gute Entwicklung hingelegt − obwohl der Hauptwettbewerber Aldi durch die Aufnahme von Markenartikeln ins Sortiment den Druck erhöht hat. "Unsere Sorge war, dass wir dadurch Umsatz verlieren", so Gehrig. Das sei nicht der Fall gewesen. Mit verstärkten Werbekampagnen und einer Ausweitung des eigenen Sortiments möchte Lidl auch im neuen Jahr auf der Überholspur bleiben.

Kaufland schreibt im Inland rote Zahlen

Kaufland ist − zumindest im Inland − weiter gewaltig unter Druck. Mit einem Wachstum von 0,9 Prozent waren die deutschen Filialen zwar minimal besser unterwegs als um Vergleichsjahr 2016/17, unter dem Strich schrieb das Unternehmen im Inland aber rote Zahlen. "Weil wir überproportional viel in die Reorganisation der Filialen gesteckt haben. Wir haben den Auftritt in vielen Filialen aufgefrischt." Etwa 350 Filialen seien umgebaut worden. 300 Millionen Euro an Kosten, die sofort ergebniswirksam waren, seien dabei angefallen.

"Operativ arbeiten wir weiter auf dem normalen Niveau", betonte Kaufland-Vorstandschef Patrick Kaudewitz. In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres sei der Umsatz sogar besser als geplant gewesen. Einschließlich der profitablen Auslandsgesellschaften habe die Kaufland-Gruppe insgesamt ebenfalls positives Ergebnis ausgewiesen. "Nicht spektakulär, aber zufriedenstellend und solide", sei das Auslandsgeschäft gelaufen.

Im laufenden Jahr sind erneut hohe Investitionen ins Filialnetz geplant − die Zahl der Filialen soll um 30 wachsen, so Kaudewitz. Letztes Jahr war − vor allem bedingt durch Schließungen − unterm Strich nur eine Filiale hinzugekommen. Entsprechend ist die Erwartungshaltung in Sachen Wachstum im neuen Jahr stärker als zuletzt.

Einsparungen durch verstärkte Zusammenarbeit

Zum Gewinn macht die Schwarz-Gruppe keine Angaben, Klaus Gehrig betonte allerdings, dass im vergangenen Jahr zusätzlich zu den Investitionen in Höhe von rund sieben Milliarden Euro Sofortkosten in Höhe einer weiteren Milliarde verdaut worden seien. "Wenn man das in Betracht zieht, dann haben wir vergangenes Geschäftsjahr ein Top-Ergebnis erwirtschaftet."

Dazu beigetragen haben auch Einsparungen, die durch die verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe erzielt wurden− etwa durch den gemeinsamen Einkauf von Software und Autos, die im Bereich des Zentrale-Dienste-Vorstandschefs Gerd Chrzanowski liegen: "Im Investitionsgütereinkauf verhindern wir dadurch Kosten.

Gehrig bezifferte den Effekt auf einen dreistelligen Millionenbetrag. "Viele dieser Effekte wirken in die Zukunft", ergänzte Andreas Strähle, der als Vorstandschef der Schwarz Dienstleistung KG quasi Finanzchef der Gruppe ist. Diese Einsparungen hätten es ermöglicht, Kosten auszugleichen, die etwa durch Tarifsteigerungen entstanden seien.