Lidl beendet Warenwirtschaftsprojekt

Neckarsulm  Mitten in der Debatte über die künftige Digitalstrategie hat Lidl ein zentrales Projekt beerdigt, das die internen Abläufe des Unternehmens grundlegend verändern sollte.

Von Manfred Stockburger und Heiko Fritze

Elwis ist tot Aufwand nicht vertretbar: Lidl beendet Warenwirtschaftsprojekt auf SAP-Basis zugunsten einer eigenen Software

Neue Strategie: Lidl hat ein zentrales IT-Großprojekt beendet.

Foto: dpa

 

Als größte IT-Transformation der Firmengeschichte wurde das Projekt elektronische Lidl Warenwirtschaftsinformationssystem (Elwis) gepriesen, jetzt ist Elwis tot.

Leuchtturmprojekt gestoppt

In vier Ländern haben die Neckarsulmer dieses neue System auf SAP-Basis bereits eingeführt, das die bisherige selbst programmierte Software Wawi in allen Landesgesellschaften ablösen sollte. Weniger Komplexität und mehr Geschwindigkeit hatte sich der Händler von dem Leuchtturmprojekt erhofft, das noch in der Ära des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Holland angestoßen worden war.

Hollands Nach-Nachfolger Jesper Hojer und Verwaltungsvorstand Martin Golücke haben jetzt den Stecker gezogen. Mit Elwis seien "die ursprünglich definierten strategischen Ziele nicht mit vertretbaren Aufwand" erreichbar, steht in einer internen Mitteilung. In der offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt es, dass der Entschluss "keine Entscheidung gegen SAP, sondern für ein eigenes System" gewesen sei. "Lidl wird auch weiterhin mit SAP in anderen Bereichen eng zusammenarbeiten."

Andere SAP-Software nicht betroffen

Ähnliches wird auch aus der SAP-Zentrale in Walldorf übermittelt: "Lidl und SAP arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich zusammen und wollen dies auch in Zukunft weiter tun", heißt es von dort. 2016 hatte SAP das Lidl-Projekt mit einem Qualitätspreis ausgezeichnet. "Auch wenn wir das aktuelle Projekt nicht weiterverfolgen, so beeinträchtigt dies in keiner Weise unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Kooperation in anderen Bereichen." Lidl nutze seit langem SAP-Software und arbeite an weiteren Projekten mit dem Software-Konzern.

Nahezu in Echtzeit sollten mit dem neuen System Millionen von Datensätzen verarbeitet werden. Ressort- und länderübergreifende Prozesse sollten mit Elwis vereinfacht werden. Das Ziel: auch zukünftige Aufgaben wie die automatische Warendisposition sollten mit der Software möglich werden.

Alte Software wird doch weiterentwickelt

Das alles ist jetzt Geschichte. "In der Kosten-Nutzen-Abwägung spricht alles für die Weiterentwicklung der Wawi", schreiben Jesper Hojer und Martin Golücke an die Mitarbeiter. Sie sollen alle an Bord bleiben und jetzt mithelfen, das alte, modulare System zukunftsfähig zu machen - indem sie die Erfahrungen aus dem SAP-Projekt einbringen. Schrittweise soll das geschehen, wird betont, und unter Einbeziehung der Lidl-Landesgesellschaften.