Lidl-Chef Oppitz: "Am Tarif zu sparen, lohnt sich nicht"

Neckarsulm  Deutschland-Chef Matthias Oppitz erklärt im Stimme-Interview, warum Lidl seinen firmeninternen Mindestlohn auf 12,50 Euro erhöht hat.

Von Manfred Stockburger

Matthias Oppitz. Foto: Privat

Im April beginnt im Einzelhandel die nächste Tarifrunde. Lidl hat schon jetzt die Einstiegsgehälter erhöht. Deutschland-Chef Matthias Oppitz erklärt die Logik hinter dem Schritt.


 
Sie haben Ihren internen Mindestlohn auf 12,50 Euro erhöht. Warum preschen Sie vor?

Matthias Oppitz: Für uns sind die Mitarbeiter das wichtigste Gut im Unternehmen. Mit der Erhöhung unseres Mindesteinstiegslohns wollen wir auch im Wettbewerbsumfeld ein Zeichen setzen, dass wir attraktive Arbeitsbedingungen bieten.

 

Sie sprechen vom Mindesteinstiegslohn. Warum?

Oppitz: Wir wollen darauf hinweisen, dass wir nicht auf Mindestlohnniveau bezahlen, sondern dass die 12,50 Euro den Stundenlohn darstellen, den alle Mitarbeiter von Anfang an mindestens bekommen. Der größte Teil unserer Mitarbeiter erhält aufgrund der Tarifverträge und der Sonderzulagen aber deutlich mehr. Das wollen wir klar darstellen. Auf Vollzeit umgerechnet heißt das, dass niemand weniger als 2000 Euro brutto verdient.

 

In der Politik wird zurzeit viel über Niedriglöhne diskutiert. Sie sind keine Partei, sondern ein Unternehmen. Warum greifen Sie das auf?

Oppitz: Unser erster Mindestlohn, den wir 2010 eingeführt haben, lag bei zehn Euro. Das ist mehr, als der staatliche Mindestlohn zehn Jahre später sein wird. Es ist uns ein Anliegen, dass unsere Mitarbeiter ein auskömmliches Gehalt erhalten, mit dem sie die Zukunft planen können. Deswegen bieten wir auch keine sachgrundlosen befristeten Arbeitsverhältnisse an. Wir wollen ein Signal geben, dass wir da voranschreiten, damit wir als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden. Wir wollen aber auch ein Signal in die eigene Belegschaft senden.

 

Untergraben Sie nicht mit Ihrer Erhöhung nicht die Verhandlungen?

Oppitz: Nein. Wir möchten nur vorher ein Zeichen setzen. Wie die Tarifverhandlungen dann laufen, werden wir sehen. Und wir werden das dann auch mittragen.
 

Welche Rolle spielt die Tarifbindung für Sie?

Oppitz: Es ist für uns ein unumstößlicher Grundsatz, dass die Tarifbindung absolut sinnvoll ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass Tarifflucht allen schadet.
 

Glauben Sie, dass der Kunde Ihre Haltung würdigt?

Oppitz: Langfristig sicherlich. Wir brauchen gute Mitarbeiter, das ist unser Erfolgsrezept im Tagesgeschäft. Motivierte Mitarbeiter machen einen guten Job, das wird von Kundenseite dann auch entsprechend wahrgenommen. Am Tarif zu sparen, das lohnt sich nicht.
 

Als tarifgebundenes Unternehmen ist Lidl in der Minderheit im Handel. Fürchten Sie nicht, dass das zu einem wirtschaftlichen Nachteil wird?

Oppitz: Momentan nicht. Mittel- und langfristig sind Politik und Gewerkschaften aber gefordert, eine Einheitlichkeit herbeizuführen. Nur circa 40 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten in tarifgebundenen Unternehmen. Wir stehen als Arbeitgeber aber auch mit anderen Branchen im Wettbewerb.

 

Mit anderen Worten: Sie fordern, dass der Einzelhandelstarif für allgemeinverbindlich erklärt wird?

Oppitz: Ja. Ganz klar.

 

In der Region steht die Lidl-Zentrale – da dürfte Ihr Einstiegsmindestlohn keine Rolle spielen…

Oppitz: Genau: Das ist nur dort so, wo der Tarifvertrag für eine Tätigkeit weniger als 12,50 Euro pro Stunde vorsieht. Für die Mitarbeiter am Standort ist dies nicht der Fall. Überall, wo der Tarif niedriger ist, legen wir drauf. Das ist von Tarifgebiet zu Tarifgebiet unterschiedlich.


 
Sie haben dadurch eine deutschlandweit einheitliche Bezahlung?

Oppitz:  Der Mindest-Einstiegsstundenlohn ist gleich. Darüber hinaus bezahlen wir nach Tarif, wobei wir in jedem Gebiet in jeder Stufe eine Zulage bezahlen. Damit stellen wir sicher, dass wir immer über Tarif liegen.
 

Die Einstufung der Mitarbeiter führt im Einzelhandel oft zu Streit.

Oppitz: Wir tarifieren, wie es vorgegeben ist. Die Mindesteinstufung halten wir immer ein.

 

Fehlt Ihnen bei solchen Themen nicht ein Betriebsrat als Verhandlungspartner bei der Umsetzung?

Oppitz: Dort, wo wir Betriebsräte haben, arbeiten wir seit vielen Jahren gut zusammen und werden dies auch weiterhin tun. Uns ist wichtig, dass wir im Wettbewerbsumfeld gute und zukunftsfähige Anstellungsbedingungen bieten. Wir sind da immer hellwach, was sich in der Branche und auch in der Politik entwickelt. Das untermauern wir mit der jetzigen Erhöhung.
 
 


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