Leser erfahren bei Mann & Schröder, wie Duschgel in die Flasche kommt

Hüffenhardt  Zehn Leser der Stimme werfen bei einem Besuch beim Kosmetikhersteller in Hüffenhardt einen Blick in die Fertigung von Pflegeprodukten. Viele Verfahren sind dabei Betriebsgeheimnis.

Lesersommer bei Mann & Schröder: Wie das Duschgel in die Flasche kommt

Philip Bauer (links) erläuterte den Teilnehmern am Lesersommer bei Mann & Schröder alle Details von der Rohwarenanlieferung bis zum Versand.

Es tut sich was bei Mann & Schröder. Während die Produktion des Herstellers von Pflegeprodukten im Werk in Hüffenhardt auf Hochtouren läuft, wird nebenan gebaut. Und die Teilnehmer an der Leseraktion können gleich einen Blick auf die Baustelle werfen, als sie in der großen Abfüllhalle stehen, wo täglich zigtausende Flaschen voller Duschgel, Bodylotion oder Mundspülung vom Band laufen.

Wenn alle Anlagen rund um die Uhr produzieren, könnten bis zu zwei Millionen Abfüllungen an einem Tag zusammenkommen, rechnet ihnen Philip Bauer, Assistent des Produktionsleiters, vor. Durch den Neubau wird die Kapazität in Hüffenhardt nahezu verdoppelt - auf 3,8 Millionen Füllungen.

Einen Rundgang durch die komplette Fertigung, von der Anlieferung der Rohware bis zum Versand, hat das Team von Mann & Schröder an diesem Nachmittag zusammengestellt. Los geht es im Lager, wo in Containern und Fässern, in Kisten und Säcken die Grundstoffe lagern. Eine Halle weiter befindet sich das Lager für Flaschen, Deckel und Etiketten.

In zwei Hallen wird abgefüllt

Das Herz des Werks ist die Mischanlage: Die Inhaltsstoffe, vor allem Wasser und Öle, werden bei bestimmten Temperaturen unter bestimmten Druckverhältnissen mit den weiteren Komponenten wie zum Beispiel Tensiden - also Seifen - oder Parfumstoffen oder färbenden Substanzen verrührt und kommen so in die Tanks, manchmal zigtausend Liter auf einmal.

Manche Produkte können dann weitergepumpt werden, andere wie Cremes kommen in kleinen Containern an die Abfülllinie. So werden in zwei Hallen Tuben, Tiegel und Flaschen befüllt, anschließend manche von Hand, andere von Robotern in Kartons verpackt und ins Versandlager gebracht.

Eigene Verfahren und Rezepturen

Viele Prozesse sind aber Betriebsgeheimnis, erklärt Bauer den Besuchern. Die Grundlagen seien zwar überall gleich: "Es ist alles sehr wissenschaftlich. Eine Emulsion ist eine Emulsion und ein Tensid ist ein Tensid." Es komme aber darauf an, wie man daraus das Produkt herstellt. Hier habe jeder Hersteller seine eigenen Verfahren und Rezepturen. Große Konzerne wie Beiersdorfer, aber auch Familienunternehmen wie Mann & Schröder.

Lesersommer bei Mann & Schröder: Wie das Duschgel in die Flasche kommt

Das Unternehmen stellt in Hüffenhardt unter anderem Mundwasser her.

Fotos: Heiko Fritze

Gegenüber dem im Dax notierten Nivea-Hersteller sieht Bauer vor allem einen zentralen Vorteil: "Unsere Stärke ist unsere Flexibilität, also ganz schnell verschiedene Bestellungen bedienen zu können. Wir können auf einer Produktionslinie innerhalb einer halben Stunde etwas anderes herstellen."

Grenzen bei der Automatisierung

Dabei sieht der Ingenieur bei der Automatisierung im Unternehmen inzwischen gewisse Grenzen erreicht. Bei kleineren Auftragsmengen rechne sich ein Roboter kaum. "Und man braucht dann Knowhow an anderer Stelle, nämlich Programmierer und Softwarefachleute." Seine Erwartung: Mann & Schröder werde auch in Zukunft noch einzelne Anlagen anschaffen, die nicht komplett automatisiert sind.

Die Leser erfahren aber auch, dass das Familienunternehmen mehr als 720 Beschäftigte hat, eigene Marken, aber auch Marken verschiedener Handelsketten abfüllt, viel für die Nachhaltigkeit tut. Mann & Schröder sei inzwischen klimaneutral, wird berichtet. 99 Prozent der Produkte kämen ohne Mikroplastik aus, bei vielen gebe es auch keine synthetischen Polymere mehr. Dadurch veränderten sich zwar die Eigenschaften der Produkte ein wenig, aber das müsse und wolle der Kunde im Interesse der Umwelt in Kauf nehmen.

Für die Teilnehmer beim Lesersommer verging der knapp vierstündig Aufenthalt im Kraichgau wie im Flug. Rolf Endreß aus Öhringen war in den vergangenen Jahren eher bei Veranstaltungen in Hohenloher Unternehmen dabei. Diesmal habe ihn aber diese komplett andere Branche interessiert, erzählt der frühere Mitarbeiter einer Druckerei.


Geschichte des Unternehmens in Kurzform

Der größte Arbeitgeber in Siegelsbach wurde 1951 von Eugen Mann und Hans Schröder gegründet. Heute wird das Unternehmen in der dritten Generation von Christine Steger geführt. Anfangs wurden Bohnerwachs und Toilettenreiniger produziert, später auch Haarspray. Mit dem Wegfall der Preisbindung für Markenartikel 1974 konzentrierte sich Mann & Schröder auf die Herstellung von Körperpflege-Produkten unter eigenem Namen und für Handelsunternehmen.

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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