Kurzarbeit steigt rasant: Was bei Fördermaßnahmen zu beachten ist

Region  Die Corona-Krise wird zur schweren Belastung für die deutsche Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen gehen in Kurzarbeit, um Entlassungen oder gar die Pleite zu vermeiden. Hier gibt es wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

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Kurzarbeit  steigt rasant

In der aktuellen Krise ist Kurzarbeit ein beliebtes Instrument.

Foto: G. Sanders/stock.adobe.com

Die Corona-Krise wird zur schweren Belastung für die deutsche Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen gehen in Kurzarbeit, um Entlassungen oder gar die Pleite zu vermeiden. Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte, sind die Kurzarbeitsanzeigen zuletzt rasant angestiegen. So gingen in der ablaufenden Woche rund 76.700 Anzeigen auf Kurzarbeit bei den Agenturen ein, davon rund 11.000 in Baden-Württemberg. Im Vorjahr waren es noch durchschnittlich 600 Anzeigen pro Woche.

Vor allem in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sei die Nachfrage nach dem Instrument hoch. Anzeigen kommen aus allen Branchen, besonders aber aus Transport und Logistik, Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebau und Tourismus.

Arbeitsagentur Heilbronn registriert extreme Zunahme der Anfragen

"Seit zwei Wochen haben wir eine extreme Zunahme bei den Anfragen der Betriebe zum Kurzarbeitergeld", teilt die Arbeitsagentur Heilbronn mit. Die personellen Beratungskapazitäten wurden daher massiv hochgefahren. "Bei den Anzeigen zur Kurzarbeit verzeichnen wir auch schon eine hohe Dynamik. Ab April rechnen wir mit einem weiteren deutlichen Anstieg bei den Anzeigen zur Kurzarbeit", hieß es.

Nachfolgend wichtige Fragen und Antworten zum Kurzarbeitergeld (KUG).

 

Wann besteht Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

KUG gibt es, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Entgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Bisher musste mindestens ein Drittel der Beschäftigten von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sein. Dieser Ausfall muss vorübergehend und unvermeidbar sein und muss der Arbeitsagentur angezeigt werden.

 

Was bedeutet unvermeidbar?

Urlaub aus dem vergangenen Jahr muss eingebracht werden, um Kurzarbeit zu vermeiden. Auch müssen vor der Antragstellung Überstunden und Arbeitskonten aufgelöst werden. Negative Arbeitszeitkonten sollen nicht aufgebaut werden. Außerdem muss der Arbeitgeber wirtschaftlich zumutbare Gegenmaßnahmen gegen die Krise getroffen haben.

 

Wie lange kann KUG bezogen werden?

Grundsätzlich zwölf Monate.

 

Wie hoch ist das KUG?

Arbeitnehmer ohne Kind erhalten 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohnes, mit Kindern sind es 67 Prozent. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt nur noch in dem prozentualen Umfang, in dem der Beschäftigte noch arbeitet, den Rest übernimmt die Arbeitsagentur.

 

Wer bezahlt die Sozialversicherungsbeiträge?

Der Arbeitgeber kann bei der Arbeitsagentur die volle Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge beantragen.

 

Wie kann ich mit der Arbeitsagentur Heilbronn in Kontakt treten?

Wie die Arbeitsagentur Heilbronn mitteilt, sind die zentralen Rufnummern der Arbeitsagenturen aufgrund des derzeit hohen Anrufaufkommens nur schlecht erreichbar. Deshalb hat die Behörde für Arbeitnehmer neben der zentralen Telefonnummer 0800 455500 zusätzliche lokale Rufnummern geschaltet:

  • Agentur für Arbeit Heilbronn: 07131 969 111

  • Jobcenter Stadt Heilbronn: 07131 395270

  • Jobcenter Landkreis Heilbronn: 07131 3951444

Arbeitgeber wenden sich an folgende Rufnummer: 0800 4 5555 20. Kunden der Arbeitsagentur sollen auch das Online-Angebot der Behörde nutzen. Viele Anliegen könnten problemlos mit den sogenannten eServices unter der Internetadresse www.arbeitsagentur.de erledigt werden.

 

Was tut das Land Baden-Württemberg, um Firmen zu helfen?

Die Landesregierung hat am Donnerstag ein umfangreiches Hilfsprogramm aufgelegt, das mit den Maßnahmen des Bundes verzahnt werden soll. Die Pläne des Wirtschaftsministeriums sehen unter anderem einen Härtefallfonds für Selbstständige und kleine bis mittlere Unternehmen vor. Der Fonds mit einem Volumen von 3,5 Milliarden Euro soll die Betroffenen mit direkten Zuschüssen dabei unterstützen, finanzielle Engpässe zu überbrücken.

Zudem soll bei der L-Bank ein Beteiligungsfonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro aufgelegt werden, um die kleineren Mittelständler mit einer Erhöhung des Eigenkapitals zu stabilisieren. Mit 500 Millionen Euro soll das Bürgschaftsprogramm des Instituts ausgeweitet werden, zwei Millionen Euro sollen in ein Krisenberatungsprogramm für Selbstständige und kleine Unternehmen fließen. Auch Steuererleichterungen wurden beschlossen.

 

 

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Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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