Kaufland wird wohl beim Poker um Real mitbieten

Düsseldorf/Neckarsulm  Die kriselnde Supermarkt-Kette geht an einen Investor: Während die Beschäftigten bangen, weil Filialschließungen angekündigt sind, bringen sich Aufkäufer in Stellung.

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Start für den Poker um Real: Kaufland wird wohl mitbieten

Nur noch wenige Märkte behalten das Real-Logo: Viele will der neue Eigner weiterverkaufen.

Foto: dpa

Das Rennen um die 276 Real-Märkte ist gelaufen - jedenfalls, was die erste Etappe angeht: Der bisherige Eigentümer Metro und der russische Investor SCP haben sich auf die Übernahme der kriselnden Handelskette geeinigt. Nun beginnt Teil zwei der Gespräche: Sobald der Deal von allen Kartellbehörden genehmigt worden ist, will der neue Eigentümer den Großteil der Filialen zum Verkauf stellen.

Kaufland hat an 100 Filialen Interesse

Zu den Bietern wird dann sicher auch die Neckarsulmer Handelskette Kaufland gehören. Schließlich hatte Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe, bereits vor knapp einem Jahr berichtet, dass die Großflächensparte des Handelsriesen gerne auch mehr als 100 Standorte erwerben möchte - wenn die jeweiligen Rahmendaten stimmten. Damals war Kaufland aber noch als Exklusivpartner des Immobilieninvestors X+Bricks unterwegs. Als der Zuschlag dann an Redos ging, kam Kaufland nur wieder ins Spiel, indem X+Bricks die Exklusivitätsvereinbarung kündigte. Nun müssen die Neckarsulmer um die interessanten Standorte mit Wettbewerbern wie Edeka und Tegut buhlen. Von den potenziellen Käufern wollte sich aber gestern noch niemand äußern - offiziell, weil erst einmal die kartellrechtlichen Genehmigungen abgewartet werden sollen.

Verhandlungspartner Kaudewitz?

Sollten die Kaufland-Manager an den Verhandlungstisch schreiten, werden sie auf der anderen Seite des Tisches jedenfalls einen alten Bekannten treffen: Ex-Kaufland-Vorstandsvorsitzender Patrick Kaudewitz wurde zeitgleich mit der Bekanntgabe des Real-Verkaufs bei SCP zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats ernannt. Er soll "seine langjährige Erfahrung im Einzelhandel bei der Entwicklung individueller Konzepte für die Real-Standorte einbringen", hieß es. In seiner neuen Position werde er als Bindeglied zwischen SCP Group und X+Bricks sowie dem Managementteam von Real fungieren. Der 56-Jährige hatte Kaufland im vorigen März verlassen. Er hatte die Handelskette zuvor vier Jahre lang geleitet und war insgesamt 26 Jahre in der Schwarz-Gruppe tätig.

50 Filialen vor der Schließung

Neben den Filialen geht auch das Digitalgeschäft inklusive des Online-Marktplatzes real.de an SCP. Auch 80 Immobilien wechseln den Besitzer. Nur 30 bis 40 Real-Märkte sollen für etwa zwei Jahre unter ihrem Namen weiterbetrieben werden. Etwa 50 Standorte sollen aufgegeben werden, wurde schon im Vorfeld mitgeteilt. Um welche Filialen es dabei jeweils geht, ist aber noch nicht bekannt. Der nächste real-Markt in der Region befindet sich in Kirchheim/Neckar im Kreis Ludwigsburg.

Großflächige Standorte

Kennzeichen von Real sind enorm große Marktflächen. Sie kommen auf etwa 50 Prozent mehr als ein durchschnittlicher Kaufland-Standort. Entsprechend groß sind die Grundstücke der Standorte, die sich auch meistens an Ausfallstraßen und Stadtrandlagen befinden.

Real war ein Verlustbringer

Real beschäftigt derzeit noch etwa 34 000 Mitarbeiter in den Märkten, der Verwaltung und der Logistik. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von etwa 6,9 Milliarden Euro erzielt. Alleine in jenem Jahr seien aber auch 250 Millionen Euro Verluste bei Real angefallen, berichtete Vorstandsvorsitzender Olaf Koch auf der Hauptversammlung von Metro. Dass bei den Real-Filialen ein großer Investitionsstau besteht, hatte vergangenes Jahr auch Klaus Gehrig eingeräumt, den Aufwand aus Kaufland-Sicht aber für finanzierbar gehalten.

Kritik von Verdi

Für die Gewerkschaft Verdi ist der Verkauf von Real bitterer Tag für die Beschäftigten. "Das Metro-Management mit Olaf Koch an der Spitze lässt sich für die Vernichtung von wahrscheinlich mehr als 10 000 Arbeitsplätzen feiern und das Bundeswirtschaftsministerium sieht tatenlos zu, wie tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben werden", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Metro kehrt zu den Wurzeln zurück

Metro, einst größter deutscher Lebensmittelhändler, schrumpft mit dem Verkauf von Real weiter. Nachdem sich der Konzern 2015 bereits vom Warenhausbetreiber Kaufhof trennte und 2017 seine Elektronikmarktsparte Media Markt/Saturn (heute Ceconomy) abgab, ist jetzt nur noch die Großhandelssparte geblieben. Sie bildet ohnehin die Wurzel des Konzerns, der 1963 in Essen von Ernst Schmidt und Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck gegründet worden war. Zeitweilig gehörten auch die Supermarkt-Kette Extra, der Schuhhändler Reno, die Adler-Modemärkte, die Computerhändler Vobis und Maxdata sowie die Praktiker-Baumärkte zum Konzern. Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr noch bei 27,1 Milliarden Euro.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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