Kaufland stellt seinen Lieferservice komplett ein

Neckarsulm  Strategiewechsel: Künftig gibt es Lebensmittel bei der Schwarz-Gruppe nur noch stationär. In Berlin fallen 300 Stellen weg.

Von Manfred Stockburger

Dark Store
Über den sogenannten Dark Store sollte der Bestellservice abgewickelt werden. Foto: Kaufland

Amazon kommt, Kaufland geht: Während der Internet-Gigant seinen Lebensmittellieferservice in Deutschland mit viel Einsatz aufbaut, zieht sich die Großflächensparte der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe wieder in ihre Filialen zurück.

Am 23. Dezember stellt Kaufland seinen Lieferservice in Berlin nach gut einem Jahr wieder ein. Das Schwesterunternehmen Lidl hatte bereits im Februar sein „Click-and-Collect“ eingestampft und jüngst sämtliche Lebensmittel aus Lidl.de verbannt. Der Ausflug in den Online-Lebensmittelhandel ist damit zumindest vorerst gestoppt.

80 Mitarbeiter in Heilbronner Salzstraße sollen neue Aufgaben bekommen

Die härtesten Folgen hat die radikale Kehrtwende für die rund 300 Beschäftigten in Logistik- und Auslieferung in Berlin. Sie erhalten im Januar ihre Kündigungen. Kaufland-Vorstandschef Patrick Kaudewitz verspricht ihnen „sozialverträgliche Lösungen“. Für die 80 Mitarbeiter, die in der Heilbronner Salzstraße das Liefergeschäft aufgebaut haben, sollen in der Unternehmensgruppe neue Aufgaben in anderen Funktionen gefunden werden.

„Wir bedauern sehr, dass wir den Mitarbeitern in Berlin keine langfristige Perspektive bieten können und bedanken uns für ihren hervorragenden Einsatz“, sagt Kaufland-Vorstandschef Patrick Kaudewitz. Am Morgen hat das Management die Entscheidung im Unternehmen verkündet.

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Bei der Kundenresonanz und auch bei der durchschnittlichen Größe der Bestellungen hatte Kaufland in Berlin die eigenen Erwartungen übertroffen. „Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass wir auch bei der Lieferung von Lebensmitteln viele Kunden mit den Leistungen von Kaufland überzeugen konnten“, sagt Kaudewitz. Trotz aller Optimierungen in den Abläufen seien die Kosten der „letzten Meile“ also der Auslieferung der Waren zu den Kunden nicht zu erwirtschaften gewesen. 

Kaudewitz begründet das überraschende Aus für den Lieferservicemit den Kosten: „Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit sehen wir, dass sich ein Lieferservice im Lebensmittelbereich jetzt und in absehbarer Zeit nicht kostendeckend betreiben lässt.“

Edeka und Rewe haben ihre Lieferdienste zuletzt erweitert

Den für Oktober geplanten Start in Hamburg hatte das Unternehmen wie berichtet mehrfach verschoben und dann kurzfristig ganz abgeblasen. Damals wurde im Unternehmen allerdings die Hoffnung geäußert, dass das Hamburg im kommenden Frühjahr doch noch an den Start gebracht werden könnte. Zunächst wolle man die Abläufe in Berlin weiter optimieren.

Amazon Fresh ist mittlerweile in Berlin, Hamburg und in München am Start. Die Edeka-Tochter Bringmeister liefert in Berlin und München aus. Rewe erweitert den Lieferservice nach eigenen Angaben kontinuierlich, um ein flächendeckendes Netzwerk aufzubauen.

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