Kaufland nimmt Unilever-Produkte aus den Regalen

Neckarsulm/Heilbronn  Das Neckarsulmer Handelsunternehmen Kaufland will die geforderten Preiserhöhungen nicht hinnehmen und beendet die Geschäftsbeziehung mit dem Knorr-Hersteller.

Von Jürgen Paul und Manfred Stockburger
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Das Neckarsulmer Handelsunternehmen Kaufland wollte die geforderten Preiserhöhungen nicht hinnehmen und hatte die Geschäftsbeziehung mit dem Knorr-Hersteller beendet. Foto: Arvhiv/HSt

Zum 31. Dezember beendet Kaufland die Jahrzehnte lange Geschäftsbeziehungen zum Konsumgüterkonzern Unilever in Deutschland. Grund für die Trennung sind Preisstreitigkeiten. Kaufland sind die von Unilever geforderten Preiserhöhungen zu happig gewesen.

Als einer der bedeutendsten Markenartikelhersteller der Welt versuche Unilever seine herausragende Marktposition zu nutzen, um Einfluss auf den Einzelhändler zu nehmen und die eigenen Erträge noch weiter zu optimieren, teilte Kaufland auf Stimme-Nachfrage mit. 

Damit verliert der Knorr-Hersteller einen wichtigen Kunden in einem ohnehin umkämpften Markt. Die "Lebensmittelzeitung" gibt den Umsatz, den Unilever mit Kaufland in Europa macht, mit mindestens 300 Millionen Euro an. Rund zwei Drittel davon entfallen demnach auf Deutschland. 

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Von der Entscheidung sind bei Kaufland in Deutschland die Marken Knorr, Mondamin, Pfanni, Bertolli, Unox, Lipton, Ben & Jerry’s, Langnese, Magnum, Coral, Viss, Domestos, Dove, Rexona, Duschdas, Signal sowie Axe betroffen. Ausgewählte Eisprodukte von  Magnum, Cremissimo und Viennetta sind weiterhin erhältlich, wie das Handelsunternehmen mitteilte. 

Harte Bandagen im Kampf um Preise

Unilever steht von seinen Aktionären gewaltig unter Druck, höhere Gewinne zu erwirtschaften. Kaufland möchte dafür offenbar nicht seine Kunden bezahlen lassen. Entsprechend hart trugen die Firmen ihren Streit um Einkaufskonditionen aus. Wie berichtet hatte Kaufland bereits im Sommer 480 Artikel von Knorr und der Schwestermarken im Unilever-Konzern aus den Regalen geräumt.

Unilever-Plakat
Kaufland hatte seine Kunden im Sommer mit großformatigen Plakaten auf den Grund für die Leerstellen hingewiesen - ebenso auf die Verfügbarkeit von Alternativen

Die Schwarz-Gruppe hat aber keineswegs ein Monopol für knackige Methoden in Sachen Einkauf. Wettbewerber Edeka lieferte sich in den ersten Monaten des Jahres eine ähnlich heftige Preisauseinandersetzung mit dem Unilever-Konkurrenten Nestlé. Dort verschwanden etwa 200 Produkte aus den Regalen.

Studie sieht großes Potenzial für Premium-Handelsmarken

Nestlé und Unilever sind groß genug, dass die Handelskonzerne über Platzierungen streiten und sie nicht gleich ganz ersetzen. Wachstum versprechen Supermärkten aber vor allem ihre Eigenmarken: Nach einer Studie der DHBW Heilbronn gibt es bei Premium-Handelsmarken "großes Potenzial" unter anderem dann, wenn schwache Herstellermarken angegriffen werden, wie Professor Anke Hutzschenreuter in der "Lebensmittelzeitung" schrieb.

Bislang spielen Eigenmarken vor allem bei Discountern eine wichtige Rolle, aber Supermärkte und SB-Warenhäuer wie Kaufland legen nach. 56,4 Milliarden Euro Umsatz machten Lebensmittelhändler 2017 laut GfK mit Eigenmarken, was einem Plus von 3,2 Prozent entspricht. Der Markenartikel-Umsatz wuchs nur um 1,1 Prozent auf 83,4 Milliarden Euro - obwohl Aldi Industrie-Marken neu ins Sortiment nahm.

 

 


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