Kaufland kommt in Australien an

Wirtschaft  Die Regierung hat dem Händler aus Neckarsulm erste Baugenehmigungen für ein Logistikzentrum und drei Filialen erteilt. Damit soll Kaufland der Markteintritt gelingen.

Von Manfred Stockburger

Kaufland kommt  in Australien an
Kaufland-Chefin Julia Kern beim Spatenstich mit Politikern. Foto: Kaufland

In letzter Minute hat der Premierminister doch noch abgesagt und in Mickleham mit Tim Pallas dem Wirtschaftsminister des Bundesstaats Victoria den Vortritt gelassen. Das mindert die Freude bei Kaufland nicht, denn die Botschaft, die Pallas überbrachte, macht den Weg frei für die nächste Phase der Expansion in Australien: die Baugenehmigungen für ein Logistikzentrum und drei Filialen, die allesamt im Einzugsgebiet von Melbourne liegen, der mit knapp fünf Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Australiens.

"Dass die Investitionen eines der der größten Einzelhändlers der Welt nach Victoria holen konnten, ist ein Vertrauensvotum in unsere Wirtschaft", sagt der Labor-Politiker Pallas.

Zeitschiene für den Markteintritt ist jetzt absehbar

Für Kaufland markieren die Baugenehmigungen einen "sehr wichtigen Meilenstein": Jetzt ist klar, dass die ersten Filialen der Neckarsulmer zwar nicht in den nächsten Monaten ihre Tore öffnen und wohl auch noch nicht im nächsten Jahr - auf ein Datum festlegen lassen möchte sich das Unternehmen jedenfalls noch nicht. Die Zeitschiene für die Eroberung des ersten Marktes in der südlichen Hemisphäre durch die Schwarz-Gruppe ist nun aber absehbar.

"Australien hat sehr viel Potenzial für uns", sagt Julia Kern, die Landeschefin der Neckarsulmer. "Derzeit ist es allerdings noch zu früh, um über zukünftige Standortzahlen zu sprechen." Das Schwesterunternehmen Lidl hatte sich damit in den USA kräftig die Finger verbrannt.

Knapp 300 Millionen Euro Investitionen für den Start

Ein Investitionspaket von umgerechnet 286 Millionen Euro hat Kern im ersten Schritt geschnürt, das dafür nötige Eigenkapital hat das Unternehmen nach australischen Medienberichten bereits nach Melbourne überwiesen. "Wir fühlen uns in Australien sehr willkommen und werden von allen Beteiligten sehr unterstützt", jubiliert Julia Kern. "Wir schaffen sehr gute Möglichkeiten für lokale Unternehmen, fördern den dringend benötigten Wettbewerb und steigern damit die Auswahl und das Einkaufserlebnis für die australischen Verbraucher."

Die Bauanträge für drei weitere Filialen im Raum Melbourne liegen noch bei den Behörden - das Unternehmen ist sich seiner Sache aber schon sicher genug und nennt die Standorte. Oakleigh South, Coolaroo und Mornington werden wohl also schon bald genauso wie Epping, Chirnside Park sowie Dandenong Namen sein, über die in der Neckarsulmer Zentrale genauso gesprochen wird wie über Eppingen, Möckmühl oder Ilsfeld.

1600 Arbeitsplätze sollen entstehen

Die australische Regierung hat die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe auf alle Fälle auf ihrer Seite bei den Expansionsplänen. Immerhin verspricht Julia Kern im ersten Schritt bis zu 1600 Arbeitsplätze. Mit eingerechnet ist hier schon ein zukünftiger Hauptsitz des Unternehmens, der ebenfalls im Bundesstaat Victoria entstehen soll - angekoppelt an eine der ersten Filialen, wie es heißt. "Wir investieren langfristig", betont die 29-jährige Landeschefin - sowohl in der Region um Melbourne als auch im übrigen Australien.

Kaufland kommt  in Australien an
Melbourne ist bei knapp fünf Millionen Einwohnern ein interessanter Markt für Kaufland. Foto: Gugau

An Standorten im acht Autostunden entfernten Adelaide habe das Unternehmen weiterhin Interesse, sagt eine Sprecherin. Einen zweistelligen Millionenbetrag hatte das Unternehmen dort schon vor zwei Jahren in einen Standort investiert, dort fehlt allerdings noch die Baugenehmigung. Und anders als die Schwester Lidl, die beim Start in den USA äußerst schmerzhaft erleben musste, was große Distanzen zwischen Filialen für die Logistik bedeuten, konzentriert sich Kaufland beim ersten Überseestart auf eine Metropolregion. Bisher ist Kaufland außer in Deutschland nur in Osteuropa aktiv - aktuell sind es sechs Länder. Während sich das Unternehmen auf dem Heimatmarkt eher seitwärts entwickelt, soll Australien neuen Schwung bringen.

Bauarbeiten sollen im Mai beginnen

Etwa 28 Hektar groß ist das Gelände im Merrifield Business Park in der Stadt Mickleham, das Kaufland für das Logistikzentrum erworben hat. Zum Vergleich; das Heilbronner Buga-Areal misst knapp 40 Hektar. Eine Logistikfläche von 115.000 Quadratmetern möchte Kaufland dort aus dem Boden stampfen, das entspricht etwa 15 Fußballfeldern. Und über den Daumen gepeilt dem Logistikstandort des Unternehmens in Möckmühl. Im Mai sollen in Mickleham die Bauarbeiten beginnen. Andere vergleichbare Großbaustellen der Neckarsulmer haben Projektlaufzeiten von eineinhalb bis zwei Jahren.

Für den australischen Markt entwickelt das Unternehmen ein Filialkonzept, das passgenau auf die dortigen Bedürfnisse zugeschnitten werden soll. Wie auch in Europa wird der Lebensmittelhändler seinen Kunden in Australien alles unter einem Dach anbieten: Lebensmittel und alles Weitere für den täglichen Bedarf. In der Schwarz-Gruppe ist es ein offenes Geheimnis, dass der Markt in Ilsfeld ein Prototyp für die dort geplanten Filialen ist. Auf einem der Fotos im Internet, mit denen Kaufland in Australien wirbt, ist sogar das Ilsfelder Ortsschild zu sehen. Platz für 400 Parkplätze soll es auf den Grundstücken geben, und auch sonst setzten die Neckarsulmer in Australien auf großzügige Zuschnitte. Am liebsten sehen sie Grundstücksgrößen bis zu 30.000 Quadratmeter, heißt es auf der australischen Internetseite von Kaufland.

In der Nachbarschaft des geplanten Logistikzentrums von Mickleham steht ein Quarantänezentrum der australischen Regierung, mit der exotische Krankheiten und Ungeziefer aus dem Land ferngehalten werden sollen. Das dürfte den Wettbewerber gefallen, die immer wieder vor der Ankunft des fünftgrößten Einzelhändlers der Welt auf dem fünften Kontinent warnen.

Markt wird bisher von einem Duopol kontrolliert

Bislang dominieren den australischen Lebensmittelhandel vor allem die Konzerne Coles und Woolworths, denen von der australischen Presse ein "gemütliches Duopol" zugeschrieben wird. Auch mittelständische Händler im Bundesstaat Victoria haben eine Kampagne gestartet unter dem Motto "Save our Shops" - Rettet unsere Läden. Mit der Erteilung der ersten Baugenehmigungen wird der Vormarsch der Schwarz-Gruppe am anderen Ende der Welt aber nur noch schwer aufzuhalten sein.

 

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