Kai Renchen setzt neue Akzente

Pfedelbach  Wie der Verkauf von Parfumdreams und der Filialen an Douglas zustande kam und wie er mit dem Onlineshop den Markt aufgemischt hat: Wir haben mit Kai Renchen, dem Juniorchef der Parfümerie Akzente, gesprochen.

Von Manfred Stockburger
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Kai Renchen (links) und Marcel Burr haben den Verkauf gemanagt. Foto: Stockburger

Windischenbach? Im Vokabular der großen Wirtschaft kommt der Pfedelbacher Ortsteil üblicherweise nicht vor. Mit dem Onlineshop Parfumdreams hat Kai Renchen das geändert: Beim Bundeskartellamt und dem Europäischen Gerichtshof ist der Mittelständler aus Hohenlohe spätestens seit seinem Rechtsstreit mit dem Parfumgiganten Coty bekannt.

Renchen hat mit Parfumdreams den Markt aufgemischt

Aber auch der Wettbewerb ist auf den umtriebigen Juniorchef der Parfümerie Akzente aufmerksam geworden, der den Markt mit Parfumdreams kräftig aufgemischt hat. So kam es, dass inzwischen auch zahlreiche Rechtsanwälte und Unternehmensberater wissen, dass es Windischenbach gibt.

Seit das Kartellamt den Verkauf des Familienbetriebs freigegeben hat, ist klar, dass künftig auch Douglas-Chefin Tina Müller die Firmenzentrale kennenlernen wird. "Ich bin stolz, dass ich mit ihr bald zusammenarbeiten darf", sagt der 34-Jährige, der sehr angetan davon ist, was die Managerin aus Douglas gemacht hat. "Chapeau", sagt er. Der Anstoß zu dem Verkauf des Unternehmens sei aber weder von ihm gekommen, noch von Tina Müller.

Erst das Bieterverfahren führte zu Douglas

Schon seit zweieinhalb Jahren stand Renchen zwar in losem Kontakt mit dem Beratungshaus GCA Altium - "Man muss den Markt immer beobachten" -, ernst wurde es aber, nachdem Ende 2017 ein erster Interessent in Pfedelbach anklopfte. Die Hohenloher haben aber nicht einfach gleich unterschrieben, sondern ein Bieterverfahren aufgelegt. Der Verkaufspreis sei aber nicht die einzige relevante Größe gewesen, betont Renchen. "Wir haben eine wahnsinnig große Verantwortung - auch für die Mitarbeiter. Ich bin sicher, dass wir der auch nach dem Verkauf gerecht werden."

Im Ergebnis ist Kai Renchen "mega-happy". Aber der Weg bis zum mehrheitlichen Verkauf der Firma war lang und extrem anstrengend. "Das muss ja neben dem Betrieb her laufen: nachts und am Wochenende." Schließlich durfte niemand etwas von den Verhandlungen mitbekommen, bis die Nachricht im April für erste Schlagzeilen sorgte.

Freund als wichtiger Berater

Sein wichtigster Berater war Marcel Burr von der Heilbronner Kanzlei Legasus. "Einfach so", sagt Burr, "geht ein Unternehmensverkauf nicht." Hinter jedem Detail stecke ein Stolperstein. Um die Bewertung geht es, "unfassbar komplizierte" Verträge müssen durchgearbeitet werden. Weil sich die beiden über den Serviceclub Round Table kennen, war das nötige Vertrauensverhältnis schnell da. "Das war für mich eine sehr wichtige Komponente", betont Renchen. Auch Burr hat mitgefiebert: "In einem solchen Prozess entsteht eine Dynamik, die einen mitreißt."

Renchen verließ sich die ganze Zeit über auf das "Störgefühl" seines Freundes. "Jedes Mal, wenn er spürte, dass etwas nicht stimmte, war wirklich etwas", sagt der Geschäftsführer

Im Abschluss für das Jahr 2016 stand unter dem Strich ein dicker Verlust. Waren rote Zahlen der Grund für den Verkauf? Das weist Renchen weit von sich. "2017 war das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte." Der Nettoumsatz des Betriebs mit 450 Beschäftigten erreichte 75 Millionen Euro. "Und wir hatten auch das mit Abstand beste Betriebsergebnis, das Akzente je hatte." Das habe die Wettbewerber dazu gebracht, den Geldbeutel ziemlich weit zu öffnen - der Kaufpreis ist weiter Verschlusssache.

Mit der nächsten Wette steigt der Einsatz

Gute Zahlen, Ruhm und viel Dynamik - warum er hat er die Firma dann verkauft? "Als Unternehmer geht man immer Zukunftswetten ein", sagt Kai Renchen. "Wenn man da richtig liegt, geht man als Gewinner vom Platz." Bisher ist die Rechnung aufgegangen. "Wir haben den Onlinemarkt als Pionier entwickelt", sagt er. "Aber jetzt kommt die nächste Wette." Das Rad wird immer größer und damit auch der Wetteinsatz - gerade im Internet.

Die Filial-Mitarbeiter sollen sich aber auch keine Sorgen machen. "Wir profitieren maßgeblich von den stationären Geschäften", sagt Renchen - auch wenn noch längst nicht alle Details geregelt sind. Erst jetzt darf er mit Tina Müller im Detail über die Zukunft reden. "Aber die Performance der Filialen ist abnormal gut für die Branche." In der Welt des Dufts liegt Windischenbach eben ziemlich zentral.

 

 


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