Intersport auf Augenhöhe mit Adidas und Nike

Heilbronn  Eigenmarken werden bei Intersport immer wichtiger. Der Sportfachandelsverbund sieht große Vorteile für Händler und Kunden. Bei der Qualität wollen die Heilbronner es mit den Großen aufnehmen.

Firefly ist eine der Eigenmarken bei Intersport. Foto: Bjoern Haenssler

Der Sportfachhandelsverbund Intersport zählt zu den großen Textilherstellern und -händlern in Deutschland. Denn die Genossenschaft deckt mit ihren sieben Eigenmarken, die sie selbst Exklusivmarken nennt, nahezu die komplette Palette an Sportbekleidung und -zubehör ab.

Über Produktionsmengen und Umsatzzahlen schweigt sich Intersport aus Wettbewerbsgründen aus. Doch Thomas Scheck, Director Product-Management Exclusive Brands, gibt im Gespräch interessante Einblicke in diesen Bereich.

Interessante Preise werden versprochen

McKinley, Pro Touch, Energetics, Firefly, Tecnopro, Genesis, Nakamura - wer regelmäßig in Intersport-Fachgeschäften einkauft, dürfte diese Marken kennen. Es handelt sich um die Eigenmarken, die es nur bei Intersport gibt. Die Idee dahinter: Den Kunden soll qualitativ hochwertige Ware zu einem interessanten Preis angeboten werden. Und zugleich sollen die Händler bessere Margen erzielen als mit der Industrieware von Adidas, Nike, Jack Wolfskin und Co..

Selbstbewusstsein "Der Händler soll den Mehrwert unserer Exklusivmarken erkennen und sie sich leisten können", sagt Thomas Scheck. Und selbstbewusst schiebt der Intersport-Manager hinterher: "Technisch sind wir auf Augenhöhe mit der Industrie." Den Preisvorteil gegenüber den großen Marken beziffert er auf durchschnittlich rund 30 Prozent - für viele Verbraucher ein wichtiges Kaufargument. Zumal die Unterscheidung zwischen Industriemarke und Eigenmarke gar nicht jedem bewusst sei, wie Scheck betont. Hält der Verbraucher McKinley oder Pro Touch für eine Marke wie Puma oder The North Face, ist die Strategie von Intersport aufgegangen. "Wir wollen agieren wie eine Marke auch", sagt Scheck.

Eigene Designer und Kreative

Damit das funktioniert, betreibt Intersport viel Aufwand. Die Rechte für die sechs Exklusivmarken liegen bei Intersport International in Bern. Doch welche 3000 Modelle jedes Jahr in die Läden kommen, wird gemeinsam mit den Händlern vor Ort entschieden. In Beratungsteams äußern diese ihre Wünsche, die dann in Bern gebündelt und kanalisiert werden. Dort sitzen eigene Designer und Kreative, die Jahr für Jahr aufs Neue versuchen, den Geschmack der sportbegeisterten Kundschaft zu treffen.

Produziert werden die Textilien zu 80 Prozent in Asien, vor allem in China, Vietnam und Kambodscha. Und zwar nach hohen Qualitätsstandards. Scheck verweist auf das BSCI-Siegel, das die Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort und die regelmäßige Überprüfung der Lieferketten nach definierten Standards zum Ziel hat. "Wir kontrollieren das selbst vor Ort", versichert Scheck, der den Textilfabriken in Asien immer wieder Besuche abstattet. Die Themen Arbeitsbedingungen, soziale Standards und Nachhaltigkeit nähmen stetig an Bedeutung zu, sagt der Manager. "Der Endverbraucher will wissen, wo das Produkt herkommt." Entsprechend intensiv schule Intersport seine Händler zu diesem wichtigen Thema.

Immer verfügbar 20 Prozent der Textilien lässt die Genossenschaft in Südeuropa produzieren. "Das ist zwar etwas teurer, dafür sind wir aber schneller lieferfähig", erläutert Scheck. Denn der Kunde sei nicht mehr bereit, lange auf seine Jacke oder Hose zu warten. "NOS - Never out of Stock", also Artikel immer auf Lager, lautet die Maxime. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, erweitert die Genossenschaft gerade ihre Logistikkapazitäten in den Böllinger Höfen in Heilbronn gewaltig. Pro Jahr wurden von hier zuletzt rund 8,5 Millionen Artikel der Exklusivmarken an die 900 Händler in Deutschland verschickt - diese Zahl soll in Zukunft deutlich steigen.

Anteil an Eigenmarken soll weiter wachsen

Aktuell beträgt der Anteil der Exklusivmarken in den Intersport-Geschäften 13 bis 15 Prozent, bei bekannteren Marken wie Pro Touch oder McKinley sind es teils schon 30 Prozent. "Wir wollen den Anteil unserer Exklusivmarken in den Geschäften auf 25 Prozent steigern", sagt Schick. An der Qualität und an der Orientierung an den Industriemarken werde aber nicht gerüttelt. Die Eigenmarken sollen beim Kunden als hochwertige Marken positioniert werden. "Wir sind kein Standardanbieter", sagt der Produktmanager.

Farbe und Funktion

Da die Intersport-Händler ihre Waren immer mit einem Vorlauf von rund einem Jahr bestellen, müssen die Designer einen guten Riecher für Trends beweisen. "Wir orientieren uns sehr stark an der Damenmode, aber auch an Autofarben", sagt Produktmanager Thomas Scheck. Diese Farben laufen auch in der Sportbekleidung gut. Im Sommer waren es Gelb, Pink, Rosa und Mint, im Herbst sind es Beeren- und Gewürztöne. Auch Männer seien experimentierfreudig und wollten Farbe zeigen. Immer wichtiger werde die Funktion der Sportbekleidung. Luftdurchlässig, atmungsaktiv und leicht soll sie sein. 

 

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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