Heilbronner Futtermittelhersteller profitiert von Digitalisierungs-Förderprogramm

Heilbronn  Kraftfutterwerk Beweka hat dank der Digitalisierungsprämie des Landes einen großen Schritt nach vorne getan. Auch die Kunden profitieren von den Neuerungen.

Heilbronner Futtermittelhersteller profitiert von Förderprogramm

Beweka-Geschäftsführer Artur Bisenius freut sich, dass er mit der Digitalisierungsprämie des Landes einige zukunftsweisende Projekte umsetzen konnte. Auch die Kunden profitieren von den neuen Möglichkeiten.

Fotos: L-Bank

Mit der im Sommer 2018 eingeführten Digitalisierungsprämie will das Land Baden-Württemberg kleinen und mittleren Unternehmen dabei helfen, dieses Zukunftsthema im Betrieb umzusetzen. Auch der Heilbronner Futtermittelhersteller Beweka profitiert von dem 24 Millionen Euro schweren Förderprogramm, das Bund und Land gemeinsam mit der L-Bank umsetzen.

Geschäft ist streng reglementiert

Bei Beweka gab die Digitalisierungsprämie, die sich aus einem Förderdarlehen und einem Tilgungszuschuss zusammensetzt, den Ausschlag für einen regelrechten Digitalisierungsschub. Denn das Futtermittelgeschäft unterliegt strengen Regularien etwa hinsichtlich der Dokumentationspflicht. "Die Erzeugungskette für Lebensmittel beginnt bereits bei den Futtermitteln", erläutert Geschäftsführer Artur Bisenius, der das Heilbronner Unternehmen seit 2018 führt. In drei Schichten produzieren die aktuell 35 Mitarbeiter Futtermittel für den Landhandel, der als Bindeglied zwischen den Landwirten und den Futtermittelproduzenten fungiert.

Komplexe Produktionssteuerung

Heilbronner Futtermittelhersteller profitiert von Förderprogramm

Im Beweka-Werk Heilbronn wird Kraftfutter produziert.

Die Landwirte können ihr Futter nach individuellen Rezepten beim Landhandel anfordern, der diese dann bei Herstellern wie Beweka in Auftrag gibt. Entsprechend komplex ist die Produktionssteuerung, die Bisenius mit Schachspielen vergleicht. "Vier Züge vorausdenken und die Bestellungen möglichst effizient abarbeiten", erläutert der Geschäftsführer.

Noch heute hängen im Schaltraum von Beweka Tafeln an den Wänden, mit denen die Bestellung früher manuell geplant wurde - was entsprechend zeitintensiv war. Nun arbeiten die Mitarbeiter mit Computern und großen Bildschirmen, auf denen die Abläufe visualisiert und überwacht werden können. Ursprünglich wollte Beweka lediglich das Warenwirtschaftssystem enger mit der Produktion verzahnen, um die Effizienz der Abläufe zu steigern. Doch Geschäftsführer Bisenius erkannte rasch das Potenzial digitaler Anwendungen. "Bestellungen sollen von unseren Kunden digital durchgeführt werden können", sagt er. Zudem sind die Daten der Heilbronner auch für den Landhandel und die Landwirte von Interesse. "Jedes Unternehmen in der Lebensmittelkette muss die Rückverfolgbarkeit sicherstellen", sagt Bisenius. "Wir können bei Bedarf innerhalb von höchstens vier Stunden herausfinden, woher die Rohstoffe für ein bestimmtes Futtermittel stammen und welche Kunden dieses erhalten haben."

Genaue Daten in kurzer Zeit

Gleiches gilt für die sogenannte Stoffstrombilanz, die einen Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe dazu verpflichtet, aus Futtermitteln bezogene Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphor zu dokumentieren. Die Landwirte erfragen diese Daten beim Landhandel. "Da wir die Futtermittel herstellen, können wir auch den Landhandel mit den relevanten Informationen versorgen", sagt Bisenius.

Insgesamt profitiert das Heilbronner Unternehmen auch in Form einer schnelleren Kommunikation mit den Kunden von der fortschreitenden Digitalisierung. Anhand der jetzt vorliegenden Daten könne der Ansprechpartner bei Beweka den Kunden in kürzester Zeit die gewünschte Auskunft erteilen, berichtet der Geschäftsführer. "Die Digitalisierungsprämie ist für uns, den Landhandel und die landwirtschaftlichen Betriebe eine gute Sache", lobt Bisenius das Förderprogramm. Das Förderdarlehen für Beweka betrug 37 000 Euro, das Gesamtprojekt beziffert der Geschäftsführer auf 42 000 Euro.


Wirtschaftsministerin ist zufrieden

Die Digitalisierungsprämie wurde im Zuge der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg im Juli 2018 eingeführt. Im Doppelhaushalt 2018/19 stehen insgesamt 24 Millionen Euro zur Verfügung. Davon wurden bis jetzt rund 17,5 Millionen Euro abgerufen. Die von Bund und Land getragene Prämie richtet sich an Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern und ist eine Kombination aus Förderdarlehen und Tilgungszuschuss. Die Förderdarlehen der L-Bank können zwischen 10?000 und 100?000 Euro liegen, der Tilgungszuschuss liegt zwischen 5000 und 10?000 Euro. Gefördert werden vor allem die Einführung neuer digitaler Systeme für Produkte, Dienstleistungen und Prozesse.

Seit dem Programmstart im Juli 2019 wurden nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehr als 3000 Unternehmen gefördert. Die durchschnittliche Darlehenshöhe beträgt 31?500 Euro. "Die große Nachfrage zeigt, dass wir den Bedarf der Unternehmen im Land getroffen haben", zeigt sich Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mit der Bilanz nach gut einem Jahr zufrieden. "Mit den Anträgen der letzten zwölf Monate stoßen die Unternehmen Investitionen von über 90 Millionen Euro an", so die Ministerin. Dadurch würden mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Sie will sich in den Haushaltsverhandlungen dafür einsetzen, dass die Prämie weiterhin gezahlt wird. 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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