Heilbronner Eishersteller setzt auf Kategorie klimaneutral

Heilbronn  Im Lebensmittelhandel ist klimaneutral noch keine Kategorie. Das will Lutz Haufe ändern. Warum der Firmengründer des Heilbronner Eisherstellers Fresh Five für seine Produkte einen CO2-Ausgleich schafft.

Von Manfred Stockburger

Klimaneutral ist das neue Bio
Antonia Haufe arbeitet zurzeit in Togo für das Projekt, das auch aus Kompensationsgeldern der Firma ihres Vaters finanziert wird.

Der Platz in den Regalen des Einzelhandels ist sehr eng. Als Jungunternehmen dort neue Produkte platziert zu bekommen, ist fast unmöglich. Und wenn ja, wie lenkt man die Aufmerksamkeit des Kunden auf sich? Das Heilbronner Startup Fresh Five ist auf diesem Weg schon erstaunlich weit gekommen.

Idee stammt aus Kalifornien

Zwischen vier und fünf Millionen Euro Umsatz will Gründer Lutz Haufe dieses Jahr machen mit seinem Joghurteis, das der frühere Kaufland-Manager nach einer USA-Reise mit seiner Tochter Antonia vor knapp zehn Jahren auf den Markt brachte. Diverse Umwege hat er gemacht, bis seine Produkte schließlich in den Tiefkühltruhen von Kaufland, Edeka, Rewe und von vielen Bio-Supermärkten gelandet sind. Die ursprüngliche Idee, eigene Eisdielen zu betreiben ist längst Geschichte.

Dass Lutz Haufe von Beginn an auf Milch der Schrozberger-Demeter-Molkerei als Rohstoff setzte, war ein entscheidender Faktor: Der Markt für Bio-Eis ist weniger überfüllt als der konventionelle. Mit wenigen Ausnahmen entwickelt und vertreibt das Unternehmen Bio-Artikel. Produziert wird zumeist in einer Eisfabrik im Münsterland.

Jeder Eisbecher verursacht das Dreifache seines Gewichts an CO2-Ausstoß

Klimaneutral ist das neue Bio
Brandrodung ist in Togo an der Tagesordnung. Nachhaltig ist diese Form der Landwirtschaft aber nicht. Fotos: Fresh Five

Jetzt folgt der nächste Schritt: klimaneutral. Bei einem Eis-Hersteller ist das nicht ohne: Der 500-Milliliter-Becher Himbeereis verursacht im Lauf seines Tiefkühl-Lebens durchschnittlich 1,16 Kilogramm CO2. Die Milchproduktion und die Herstellung von Speiseeis sind CO2-intensive Prozesse. "Im Handel ist das Thema noch relativ jung", sagt Lutz Haufe. Das Interesse halte sich in Grenzen: Obwohl klimaneutrale Produkte auch den Handelsketten helfen würden, ihre eigenen Klimaziele zu erreichen, gibt es nach seiner Aussage in den Supermärkten noch keine Klima-Labels für Produkte.

Produktentwicklerin Karen Oeßelmann - in der Heilbronner Zentrale sind es aktuell elf Beschäftigte, dazu kommen sieben Außendienstmitarbeiter - hat den Gründer auf das CO2-Thema gebracht. "Der Klimawandel geht uns alle an", sagt Haufe. Er sieht die Chance, seine Fresh Five Premiumfood GmbH erneut zum Trendsetter zu machen, nachdem er mit Bio und veganen Produkten gute Erfahrungen gesammelt hat.

Vermeiden lässt sich der Strom- und damit CO2-Verbrauch in Produktion und Kühlung kaum. Kompensation lautet das Zauberwort. Seit einem Jahr arbeiten die Heilbronner mit Nature-Office zusammen. Unter anderem fließt auf diese Weise Geld an ein Projekt im westafrikanischen Land Togo. Nicht nur Bäume pflanzt der Projektpartner dort, es geht parallel um die Verbesserung der sozialen Strukturen. "Nur einen neuen Traktor hinzuschicken bringt nichts", erklärt Karen Oeßelmann. Es geht darum, den Menschen eine zukunftsorientierte Grundlage zu schaffen.

Mühsame Aufforstung in Westafrika

Klimaneutral ist das neue Bio
Teil des Projekts ist auch der Aufbau einer Schafzucht.

An dieser Stelle kommt wieder Tochter Antonia Haufe ins Spiel. Sie ist zurzeit nämlich vor Ort in Togo und arbeitet mit am Projekt. Mehr als 1,2 Millionen Bäume sind auf den etwa 650 Hektar Fläche bisher gepflanzt worden - natürlich nicht nur mit den Kissyo-Geldern, Nature-Office arbeitet mit zahlreichen anderen Unternehmen zusammen. Ihre Aufgabe ist es zurzeit, die Wälder zu vermessen und mit einem satellitengestützten Gerät zu markieren, wo welche Bäume wachsen, wie groß sie sind und ob sie von Schädlingen befallen sind. Natürlich gibt es dort keine Buchen, Fichten oder Eichen, sondern Teak, Sheabutter oder Mahagoni. "Das Ziel ist, eine genaue Übersicht der Vegetation zu bekommen und am Ende eine hundertprozentige Beschattung zu erreichen", erklärt Antonia Haufe.

"Es ist cool zu sehen, wie das den Menschen vor Ort hilft", schwärmt die 20-Jährige. Neben Bäumen baut das Projekt auch Solaranlagen, Brunnen - und auch eine Schafherde gehört dazu. "Aber es gibt auch viele Hürden, sagt die Tochter, die per Videokonferenz zum Pressegespräch dazugeschaltet wird. Schließlich ist Togo eines der ärmsten Länder der Erde. "Im ganzen Land fehlt es an sanitären Anlagen, medizinischer Versorgung, Schulen, sozialer Absicherung, Mobilität, elektrischer Energie, Kommunikationsmitteln und vor allem an Arbeitsplätzen."

Klimaschutz geht nur gemeinsam

Brandrodung, erzählt Haufe, sei an der Tagesordnung.Häufig weht ein leicht verbrannter Geruch durch die Luft. "Damit richten sie allerdings mehr Schaden an, als dass sie vermutlich beabsichtigen." Die Aufforstung und der Schutz der vorhandenen Waldflächen sei deshalb enorm wichtig. Umso wichtiger ist es, die Menschen mit einzubeziehen: "Gemeinsam ist es Klimaschutz", lautet der Leitsatz von Nature-Office. Das Land, das aufgeforstet wird, ist auf 30 Jahre gepachtet. Bis dahin sollen die Dorfbewohner gelernt haben, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften.

Weil der Klimawandel keine Grenzen kennt, brennt die junge Mannschaft im Heilbronner Fresh-Five-Büro für das Thema, Aber nur im übertragenen Sinn.

 

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