Händler-Pleiten drücken Stimmung

Heilbronn/Fürth  Für Michael und Florian Sieber ist die wichtigste Zeit des Jahres angebrochen: Im Vorweihnachtsgeschäft erzielen die Inhaber von Deutschlands größtem Spielzeughersteller den Löwenanteil ihrer Umsätze mit Artikeln von Märklin-Bahnen bis zu Bobby-Cars. In diesem Jahr war das Geschäft besonders - nicht nur wegen des wachsenden Onlinehandels.

Von Heiko Fritze

Händler-Pleiten drücken Stimmung

 

Was hat das laufende Geschäftsjahr geprägt?

Florian Sieber: Wir sind in ganz Europa vor größere Herausforderungen gestellt. Einige unserer Kunden sind in große Probleme geraten. Anfang des Jahres war ja viel über Toys R Us zu lesen. In Benelux hat die Blokker-Gruppe mit einigen hundert Geschäften viele Filialen geschlossen, in Frankreich ist die Ludendo-Gruppe in großen Schwierigkeiten und in Skandinavien hat vergangene Woche Top Toy eine Art Chapter 11 angemeldet. Michael Sieber: Was mein Sohn da aufzählt, kann man Eins zu Eins fortführen: Bei Kaufhof und Karstadt ergibt nicht eins und eins zwei. Toys R Us wird zwar in Deutschland, Österreich und der Schweiz fortgeführt, aber unter einem ganz anderen Konzept. Die Konzentration schreitet fort. Es ist kein leichtes Jahr.

 

Wie stark war dabei der Einbruch durch die Insolvenz von Toys R Us?

Michael Sieber: Unser USA-Geschäft mit Toys R Us hat es natürlich komplett zerrissen, das waren 15 Millionen Euro im Vorjahr. Bis auf die USA und Großbritannien laufen aber die Geschäfte weiter. Unsere Außenstände halten sich in Grenzen. Es tut weh, aber es geht nicht an die Substanz. Dieses Jahr kommen wir wohl auf 35 Millionen Euro Umsatz mit Toys R Us.

 

Was erwarten Sie denn vor diesem Hintergrund noch vom Weihnachtsgeschäft?

Michael Sieber: Wir wären froh, wenn wir unser letztjähriges Ergebnis halten könnten aufgrund dieser ganzen Veränderungen im Markt und schwierigen Ausgangsposition im gesamten Jahr.

 

C&A hat dieses Jahr Produkte von Ihrer Gruppe wie das Bobbycar in einzelnen Filialen angeboten. Wie geht es da weiter?

Michael Sieber: Wir hatten in diesem Jahr drei Testfilialen bekommen, wo Spielbereiche und unser Sortiment aufgebaut wurden. C&A war laut deren Aussage recht zufrieden. Es ist noch in der Testphase bis Ende des Jahres. Für uns ist das natürlich wichtig, nachdem viele Flächen aus der Innenstadt verschwinden und Spielware eben doch kein reines Online-Geschäft darstellen kann und nie wird, dass wieder ein Offline-Händler Ware präsentiert und Neuheiten einführt.

 

Wie läuft das Geschäft bei Märklin?

Florian Sieber: Wir haben bei Märklin aktuell eine sehr hohe Nachfrage. Wir sind regelrecht überrascht worden, insbesondere im Lizenzbereich mit Jim Knopf. Wir hatten das Anfang des Jahres vorgestellt und es war schon Mitte des Jahres ausverkauft. Wir haben die ursprünglich geplante Produktionsmenge verdoppeln müssen, damit wir im Weihnachtsgeschäft wieder Packungen liefern können. Auch die klassischen Profisegmente haben dieses Jahr eine deutliche Auftragssteigerung erzielt. Allerdings kämpfen wir in diesem Bereich damit, die Ware zu produzieren. Wir haben sowohl in Göppingen als auch in Ungarn Probleme, Personal aufzubauen. In Györ haben wir Vollbeschäftigung, in Baden-Württemberg sieht es nicht viel anders aus. Da ziehen uns die großen Autohersteller und -zulieferer unsere Fachleute ab. Michael Sieber: Man kann es jungen Leuten nicht verdenken, wenn sie zu einem Konzern wechseln, der etwas besser bezahlt. Da tun wir uns manchmal schwer, obwohl wir insgesamt ein tolles Arbeitsklima pflegen und sehr familiär mit den Leuten umgehen. Florian Sieber: Gerade in elektronischen Bereichen ist die Nachfrage nach guten Entwicklern extrem hoch. In Ungarn haben wir allerdings ein generelles Problem, neue Mitarbeiter zu finden, auch in der Montage und der Farbgebung. Wir arbeiten auf Hochtouren, um die Aufträge hinzubekommen. Bei Märklin produzieren wir bis zum letzten Tag vor Weihnachten.

 

Das heißt, Sie haben Lieferengpässe?

Michael Sieber: Wir kriegen einige der vorverkauften Artikel nicht produziert bis Weihnachten, das ist das Problem. In den letzten Jahren wurde bei Märklin sehr viel angestoßen, wir haben ein gutes Auftragsplus - und jetzt haben wir damit zu kämpfen, dass wir wegen Personalengpässen an unsere Grenzen stoßen und uns dadurch vielleicht Umsätze verloren gehen. Florian Sieber: Wir werden noch bis 23.12. alles geben. Je nachdem, was alles noch aus der Produktion kommt, kann das den Umsatz noch maßgeblich beeinflussen.