Grünes Licht für Sanierungsplan bei Sport Voswinkel

Dortmund/Heilbronn  Die Intersport-Tochter Voswinkel schließt 19 der 72 bundesweiten Filialen. 300 Mitarbeiter sind von der Restrukturierung betroffen, mehr als der Hälfte von ihnen wurde gekündigt. Jetzt gibt es einen Sanierungsplan.

Grünes Licht für Sanierungsplan bei Sport Voswinkel

Voswinkel ist in einer schwierigen Branche unterwegs. Unrentable Standorte werden geschlossen.

Foto: Voswinkel

Die insolvente Intersport-Tochter Voswinkel ist bei ihrer Sanierung ein gutes Stück vorangekommen. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, haben die Gläubiger am Montag dem von der Voswinkel-Geschäftsführung vorgelegten Sanierungsplan zugestimmt. Kernpunkt ist die Schließung von 19 der 72 Filialen von Sport Voswinkel, von der rund 300 Mitarbeiter betroffen sind.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Der angeschlagene Sportfilialist mit Sitz in Dortmund befindet sich seit April dieses Jahres in einem Schutzschildverfahren - wodurch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ermöglicht wird. Dabei bleibt die Geschäftsführung im Amt und behält die unternehmerische Verantwortung. Ihr zur Seite stellt das zuständige Amtsgericht einen Sachwalter, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht.

Der Sanierungsplan, dem der Gläubigerausschuss und das Amtsgericht Dortmund zugestimmt haben, fällt nicht ganz so hart aus wie ursprünglich geplant, als von einem Aus für 32 Standorte ausgegangen wurde. 19 unrentable Voswinkel-Häuser werden geschlossen, der Großteil bis Ende Oktober. Zu diesen Filialen gehören nach Angaben eines Sprechers auch die beiden Stuttgarter Häuser im Gerber und im Milaneo. Die meisten anderen Filialen stehen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Derzeit läuft der Räumungsverkauf. Nicht geschlossen wird die Voswinkel-Filiale in Köln, das Haus in Cuxhaven wurde von einem örtlichen Modehändler übernommen.

Kündigungen, auslaufende Befristungen und Fluktuation

Größere Umstrukturierungen gibt es auch in der Dortmunder Zentrale und im Warenverteilzentrum in Bochum - hier werden 37 Stellen abgebaut. Der Voswinkel-Sanierung fallen insgesamt rund 300 Arbeitsplätze zum Opfer. Wie der Sprecher mitteilte, wurde etwas mehr als die Hälfte dieser Mitarbeiter gekündigt. Die restlichen Stellen werden durch auslaufende Befristungen, natürliche Fluktuation und eigene Kündigungen eingespart.

"Die Gläubiger haben den Sanierungsplan einstimmig angenommen und damit unseren eingeschlagenen Sanierungskurs eindrucksvoll bestätigt", sagte Voswinkel-Geschäftsführer Marcus Neul. Seine Kollegin Anna-Lena Schulte-Angels weist darauf hin, dass vor allem die Trennung von unprofitablen Filialen wesentlich zur erfolgreichen Sanierung beitrüge. "Dass damit auch Arbeitsplätze wegfallen, ist sehr bedauerlich, aber in dieser Situation leider unvermeidlich", sagte sie. Man unterstütze betroffene Mitarbeiter "im Rahmen unserer Möglichkeiten", betonte Schulte-Angels. In einigen Fällen sei es gelungen, Mitarbeiter in nahegelegenen Voswinkel-Filialen unterzubekommen, sagte ein Sprecher.

Mietverträge wurden neu verhandelt

Dass die Perspektive für das 1904 in Bochum gegründete Unternehmen nun wieder positiver aussieht, liegt auch daran, dass aufgrund des im Schutzschirmverfahrens möglichen Sonderkündigungsrechts einige langlaufende Mietverträge unrentabler Filialen früher gekündigt werden konnten. Zudem hat die Voswinkel-Geschäftsführung in einigen Fällen die Mietkonditionen zu ihren Gunsten neu verhandeln können, sodass die Häuser wieder eine realistische Chance erhalten, in die Gewinnzone zurückzukehren.

Nach Ende der Sanierung werden 53 Voswinkel-Filialen mit 950 Mitarbeitern weitergeführt. "Sport Voswinkel agiert in einem schwierigen Marktsegment. Durch die Sanierung hat das Unternehmen nun eine echte Chance, sich im Wettbewerb wieder erfolgreich zu behaupten und damit dauerhaft Arbeitsplätze zu sichern", sagt Sachwalter Christoph Schulte-Kaubrügger.

Die Heilbronner Intersport-Zentrale wollte sich nicht zum Sanierungsverfahren ihres Tochterunternehmens äußern.


Voswinkel

Sport Voswinkel wurde 1904 in Bochum gegründet und gehört zu den größten Sportfilialisten in Deutschland. Das Unternehmen betreibt derzeit bundesweit noch 72 Filialen und beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 erlöste Sport Voswinkel einen Umsatz von rund 139 Millionen Euro. Allerdings schreibt das Unternehmen mit Sitz in Dortmund seit einigen Jahren rote Zahlen, weshalb im April das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen wurde. Der Schwerpunkt des Voswinkel-Filialnetzes liegt in Nordrhein-Westfalen. Seit 2003 ist das Unternehmen eine Tochter von Intersport Deutschland mit Sitz in Heilbronn. 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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