Führungswechsel bei Lidl

Neckarsulm  Nach Kaufland-Chef Kaudewitz verlässt Lidl-Vorstandschef Jesper Hojer die Unternehmensgruppe Schwarz. Ignazio Paterno übernimmt mit sofortiger Wirkung die Führung der Lidl Stiftung & Co. KG.

Von Manfred Stockburger

Lidl
Der bisherige Lidl-Vorstandschef Jesper Hojer (links) verlässt die Schwarz-Gruppe, Ignazio Paterno (rechts) übernimmt die Führung der Lidl Stiftung & Co. KG.

 

Der nächste Paukenschlag in Neckarsulm: Lidl-Vorstandschef Jesper Hojer hat das Unternehmen am Dienstag mit sofortiger Wirkung verlassen. Kommissarischer Nachfolger wird Ignazio Paternò, bisher stellvertretender Einkaufsvorstand des Unternehmens. Der 38-Jährige, der aus der zweiten Reihe aufsteigt, soll den Lidl-Vorstand zunächst als Sprecher leiten. Paternò ist Schwabe mit italienischen Wurzeln, er arbeitet seit 2004 für die Unternehmensgruppe.

„Die Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, ist mit nicht leichtgefallen. Aber für mich ist es an der Zeit, meine familiäre und berufliche Zukunft neu auszurichten“, lässt sich Jesper Hojer in der Mitteilung des Unternehmens mehrdeutig zitieren. Er sei stolz darauf, viele Jahre in verschiedenen internationalen Positionen einen Beitrag zum Erfolg der vergangenen Jahre geleistet zu haben.

Offenbar gab es Differenzen über die künftige Ausrichtung

Hojer war von Schwarz-Gruppen-Chef Klaus Gehrig vor gut zwei Jahren in die damals zweitwichtigste Position des Unternehmens gehievt worden. Der Däne führte das Unternehmen, ohne große Wellen zu schlagen – die Zahlen waren dem Vernehmen nach auch im vergangenen Geschäftsjahr gut. Differenzen gab es aber offenbar über die künftige Ausrichtung der Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört.

Drei Wochen nach dem Ausscheiden des Kaufland-Vorstandsvorsitzenden Patrick Kaudewitzund der überraschenden Neuordnung der Führungsetage gibt es nun also bei der deutlich größeren Sparte der Schwarz-Gruppe einen plötzlichen Chefwechsel. Immerhin bekommt Hojer von Gehrig ein Dankeschön für das langjährige Engagement und gute Wünsche für die Zukunft. Hojers Vorgänger hatte Gehrig noch Dreck hinterhergeworfen. Bei Kaufland hat Gehrig interimistisch den Vorstandsvorsitz übernommen, das Tagesgeschäft leitet Verwaltungsvorstand Frank Schumann.

Unternehmen hält sich bedeckt

Bei Fragen nach den Gründen für die Personalien mauert das Unternehmen. Dass die Organisation zunehmend auf den neuen Gehrig-Stellvertreter Gerd Chrzanowski zugeschnitten ist, der unter anderem die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben möchte, zeigt sich allerdings auch in der Kommunikation: Nicht wie bisher Lidl, sondern die Chrzanowski zugeordnete Gruppen-Pressestelle hat die Mitteilung zum Chefwechsel bei der Sparte verschickt.

Dass es im Machtgefüge des Unternehmens gewaltige Veränderungen gegeben hat, wird auch im Nachsatz zu der Mitteilung deutlich: Ignazio Paternò wird an Chrzanowski als Sprecher des neu geschaffenen Unternehmensbeirats berichten – in anderen Unternehmen würde dieses Gremium Konzernvorstand heißen.
Als die neue Führungsstruktur vor zwei Wochen bekanntgegeben wurde, sollten der Lidl- und der Kaufland-Chef noch direkt Klaus Gehrig unterstellt sein. Das ist jetzt wohl Geschichte.

 


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