Finanzinvestor will Modellbau-Hersteller Revell übernehmen

Bünde/München  Der renommierte Spielzeughersteller mit Sitz in Bünde in Westfalen soll nach der Pleite des Mutterkonzerns an Quantum Capital Partners gehen. Allerdings muss noch eine letzte Hürde genommen werden - in den USA.

Von Heiko Fritze
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Finanzinvestor will Modellbau-Hersteller Revell übernehmen

Foto: Revell

Der Spielwarenhersteller Revell steht unmittelbar vor dem Verkauf. Das bestätigen Sprecher des Unternehmens und des potenziellen Käufers. Demnach will der Finanzinvestor Quantum Capital Partners mit Sitz in München den renommierten Hersteller von Modellbausätzen und ferngesteuerten Fahrzeugen übernehmen.

Dies wurde auch so schon beim Bundeskartellamt angemeldet. Allerdings muss noch das zuständige Gericht in den USA zustimmen, da der Verkauf Teil des Insolvenzverfahrens über den Mutterkonzern Hobbico ist, erklärte eine Revell-Sprecherin. Die Entscheidung werde für diesen Freitag (Ortszeit) erwartet.

Insolvenz

Revell gehört seit 2012 zum Hobbico-Konzern mit Sitz in Champaign in Illinois. Dieser hatte wiederum im Januar Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragt. In der Woche nach Ostern fiel dann die Entscheidung, dass die Gruppe zerschlagen wird: Die US-Firmen, die ferngesteuerte Spielwaren herstellen, gehen für 18,8 Millionen Dollar an Horizon Hobby. Die Modell-Raketen-Sparte Estes mit Sitz in Colorado wurde für sieben Millionen Dollar an die Familie Langford verkauft, die sich selbst in Medienberichten als Raketen-Enthusiasten beschreibt.

Das Bieterverfahren für die übrigen Hobbico-Teile, darunter Revell Deutschland, Revell USA und United Model, war laut den Berichten vergangene Woche vorübergehend ausgesetzt.

Enkelgesellschaft

Unmittelbare Auswirkungen hatte die Insolvenz des Mutterkonzerns in den USA auf die deutsche Gesellschaft ohnehin nicht. "Wir sind keine Tochter-, sondern eine Enkelgesellschaft. Wir werden von dem Verfahren in den USA gar nicht berührt", hatte Sprecherin Susanne Witte Ende Januar auf der Nürnberger Spielwarenmesse berichtet. Es könne aber sein, dass das Unternehmen einen neuen Eigner bekomme.

Nun ist die grundsätzliche Übereinkunft für die deutsche Sparte getroffen. "Es gibt einen Investor, der uns gerne übernehmen würde", formulierte es eine Sprecherin von Revell. Konkret wurde von Quantum der Kauf der Hobbico Deutschland Holding angemeldet, die alle Anteile an der deutschen Revell-Gesellschaft hält.

Reaktionen

Weitere Angaben waren bei Quantum gestern noch nicht zu erhalten. Es werde aber auch künftig bei der Revell GmbH bleiben, wird berichtet. Die Belegschaft am Firmensitz in Bünde in Westfalen sehe die Übernahme durchaus positiv. Revell beschäftigt dort 120 Mitarbeiter in Vertrieb, Entwicklung und Versand. Produziert wird hingegen von unabhängigen Partnern in Fernost und Polen.

Der voraussichtliche neue Eigner Quantum Capital Partners wurde erst 2008 gegründet. Seit 2014 hat die Gesellschaft nach eigenen Angaben 18 Transaktionen abgeschlossen und verfügt dazu über einen Investitionsfonds von 135 Millionen Euro. Aktuell werden 13 Beteiligungen in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz gelistet.

Geschichte

Mit Revell kommt ein renommiertes und etabliertes Unternehmen ins Portfolio: Der Spielwarenhersteller geht auf einen 1942 in den USA gegründeten Betrieb zurück, die deutsche Gesellschaft besteht seit 1956. Seit 2006 ist sie gesellschaftsrechtlich von der US-Mutter getrennt. In den siebziger Jahren war Revell Weltmarktführer bei Plastik-Modellbausätzen.

2017 erzielte Revell Deutschland einen Umsatz von 45 Millionen Euro. Nur noch die Hälfte kommt dabei aus dem Modellbau, die andere Hälfte über ferngesteuerte Artikel von Autos bis hin zu Drohnen.


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