Fernsehsendung über Heilbronner Giftmüll bleibt einseitig

Heilbronn  Eine Dokumentation über die Untertagedeponie der Südwestdeutschen Salzwerke schildert mögliche Gefahren. Das Unternehmen wollte sich aber im SWR-Beitrag nicht äußern. Dabei lässt sich über fachliche Aussagen durchaus streiten.

Von Heiko Fritze
Fernsehsendung über Giftmüll bleibt einseitig

Seit 1987 lagern die Südwestdeutschen Salzwerke Reststoffe in leere Kammern ihrer Bergwerke ein.

Foto: Archiv/Salzwerke

Bilder und Text beschwören die Bedrohung förmlich herauf: Hier der Neckar, nur wenige Meter entfernt der Schacht ins Bergwerk Kochendorf - und permanent wird dort, wie es im Beitrag immer wieder heißt, gefährlicher Giftmüll eingelagert.

45 Minuten lang beschäftigte sich die SWR-Sendung "Odysso" am Donnerstagabend mit der Einlagerung von Reststoffen in den Bergwerken Heilbronn und Kochendorf. Indes: Dargestellt wurde nur die Sichtweise der Kritiker.

SWS-Vorstand: Berichterstattung ist tendenziös

Die traten in Person des BUND-Regionalgeschäftsführers Gottfried May-Stürmer, vorgestellt als Wasserexperte, auf den Plan. Am Schachtsee in Kochendorf wurde plakativ demonstriert, dass ja schon einmal ein Bergwerk in der Region voll Wasser gelaufen ist. Gut, 1895 wurde mit weniger Sicherheitsabstand abgebaut als heute, die Gruben stehen nicht in Verbindung, die Auflagen sind heute strenger und eingelagert wird ohnehin erst seit 1987, unter enger behördlicher Aufsicht.

Allerdings: Dies wurde in dem Beitrag nicht berichtet. Denn der Betreiber, die Südwestdeutschen Salzwerke, wollten sich in der Sendung nicht äußern. "Wir werden auf eine solche tendenziöse, effekthaschende und somit unseriöse Berichterstattung nicht reagieren", teilte eine Sprecherin des Vorstands tags drauf mit.

 


Das ist die TV-Sendung von Donnerstagabend, die in der SWR-Mediathek abrufbar ist.


 

Vergleich mit Bergwerk Asse hinkt

Dabei gäbe es fachlich an der Sendung durchaus einiges auszusetzen: Dass die Heilbronner Lagerstätte mit dem Bergwerk Asse in Niedersachsen verglichen wird, ist geologisch gesehen falsch, weil zwei völlig verschiedene Gegebenheiten - flache Schichten gegen Salzdom - vorliegen. Dass eine Bohrung in den USA, die versehentlich ein Salzbergwerk anbohrte und flutete, als Gefahr heraufbeschworen wird, hat mit deutschen Genehmigungen vor Beginn jeglicher Bohrarbeiten nichts zu tun. Die Einlagerung in Heilbronn und Kochendorf wurde nicht korrekt dargestellt - jede Kammer, in die Reststoffe wie Gießereisande, Bauschutt, Filterstäube und mehr gefüllt werden, wird am Ende mit taubem Gestein aus der Aufbereitungsanlage verfüllt und bleibt nicht etwa oben leer.

Eindruck einer tickenden Zeitbombe

Insofern müssen sich die Salzwerke schon fragen lassen, warum sie die Möglichkeit zu einer Darstellung ihrer Sichtweise nicht nutzten. So erweckt die Sendung den Eindruck, unter Heilbronn existiere eine tickende Zeitbombe, jederzeit könne das Bergwerk zusammenbrechen und der Neckar werde dann voller Giftmüll sein. Schade auch, dass kein Geologe der zuständigen Landesbehörde in Freiburg zu Wort kam, etwa zu der Vergleichbarkeit zwischen Heilbronn und norddeutschen Salzstöcken. Stattdessen sacken in Computeranimationen Fördertürme in Erdlöchern ein - und der Zuschauer muss meinen, dass das bald auch in Heilbronn droht.

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