Feinstaubfilter der besonderen Art

Ludwigsburg  Der Ludwigsburger Autozulieferer Mann+Hummel und die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter haben am Dienstag ein emissionsneutrales Fahrzeug vorgestellt.

Von Jürgen Strammer

Feinstaubfilter der besonderen Art

So sieht der neue Feinstaubfilter aus. In verkleinerter Form soll er bald auch für Pkw zur Verfügung stehen.

Foto: Mann+Hummel

 

Die schöne neue elektrische Automobilwelt hat einen Makel - auch sie ist nicht emissionsfrei. Feinstaubbelastung gibt es auch bei E-Autos, aus Brems- und Reifenabrieb sowie dem Abrieb auf der Straße. Stuttgart und Heilbronn stehen beispielhaft für viele Städte, in denen die Grenzwerte für die Feinstaubbelastung regelmäßig überschritten werden.

Der Ludwigsburger Automobilzulieferer Mann+Hummel hat jüngst mit seinem "Feinstaubfresser"-Projekt für Furore gesorgt. Nun legt er mit dem nach eigenen Angaben "weltweit ersten emissionsneutralen Fahrzeug" nach. Es handelt sich dabei um den Street-scooter, den E-Transporter der gleichnamigen Post-Tochter. In einem Modellversuch wird dieser nun mit einer Filter-Lösung der Ludwigsburger ausgestattet. Das Modul ist an der Unterseite der Transporter montiert, also dort, wo der Feinstaub vor allem entsteht. Mit einem Ventilator werden die Schadstoffe angesaugt und gefiltert. Und nicht nur die eigenen, auch die bereits in der Luft befindlichen. Unter dem Strich soll daher - zumindest im urbanen Einsatz - ein emissionsneutrales Fahrzeug stehen.

Filter-Lösung passt zur Post-Philosophie

Achim Kampker, Chef von Streetscooter, ist von der Lösung überzeugt. Die Post wolle bei Null-Emissionen Vorreiter sein, die Filter-Lösung passt zur Philosophie. Kampker: "Ziel ist, das 2018 in Serie zu bringen." Noch kostet das Modul aber knapp 1000 Euro. "Wir halten das für gut investiertes Geld", meint Kampker. 2018 soll der Filter in allen 20.000 geplanten neuen Streetscootern zum Einsatz kommen.

Mann+Hummel-Vorstandsvorsitzender Alfred Weber baut bei seinem Unternehmen mit dieser Entwicklung die Umweltkompetenz weiter aus. Er glaubt: "Ein nachhaltiger Ansatz wird sich rechnen."

Filter sollen auch für Pkw und Busse angeboten werden

Erich Raschke, Projektleiter "Feinstaubfresser", erklärte bei der Vorstellung am Dienstag, dass die benötigten 300 Watt Energie die Reichweite des Streetscooters nicht reduzieren werden, zumal die bald auch mit Solarzellen zur Stromgewinnung ausgestattet werden. Der Filter müsse erst nach 20.000 Kilometern ausgetauscht werden und könne auch für Pkw in kleinerer Variante angeboten werden. Seine Erwartung: "Wir gehen davon aus, dass viele Firmen daran Interesse zeigen werden." Zur Zielgruppe gehören auch Busflotten und S-Bahn-Linien.

Wichtig ist auch ein Aspekt, den Ludwigsburgs OB Werner Spec nannte. Er erwartet, dass Städte bald Logistik-Unternehmen bevorzugen, die mehr für die Umwelt tun. In seinen Augen bringen Lösungen wie die von Mann+Hummel mehr als Fahrverbote.

 

Auch VW mit E-Transporter

Die Deutsche Post hat mit ihrem elektrischen Streetscooter die Autobranche verblüfft. Die Hersteller ziehen jetzt erst nach. VW-Nutzfahrzeuge hat am Dienstag die ersten Transporter zum Test an Kunden übergeben. Der e-Crafter wird bis Mitte 2018 in mehreren europäischen Ländern im Praxiseinsatz getestet. Übergeben wurde er an Paketdienstleister, Energieversorger, Handwerker und Einzelhändler. Der e-Crafter hat eine Reichweite von 160 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern.