EnBW-Chef Mastiaux drückt bei Windkraft aufs Tempo

Heilbronn  Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns fordert eine Begrenzung der Dauer für die Genehmigung von Windrädern. Denn der Ausbau stockt immer noch - und dies ist nicht das einzige Problem, das der EnBW unter den Nägeln brennt.

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EnBW-Chef Mastiaux drückt bei Windkraft aufs Tempo
Frank Mastiaux, Konzernchef der EnBW, ...

Ausgerechnet am bislang windigsten Tag des Jahres kann sich Frank Mastiaux kaum über Windkraft freuen. Als Chefredakteur Uwe Ralf Heer beim Redaktionsbesuch des EnBW-Vorstandsvorsitzenden das Thema zur Sprache bringt, ist diesem die Verärgerung deutlich anzuhören. Denn der Ausbau der Windenergie geht weiterhin nur schleppend voran. Mastiaux drängt zur Eile.

500 Megawatt Projekte in der Warteschleife

Schließlich habe alleine die EnBW derzeit Projekte mit etwa 500 Megawatt Leistung in Genehmigungsverfahren - das entspricht einer Investitionssumme von bis zu einer Milliarde Euro. "Zurzeit liegen die durchschnittlichen Wartezeiten über 60 Monate", sagt er. "Das muss schneller werden. Man muss einen Mechanismus finden, diesen Prozess in einer bestimmten Zeit abzuwickeln", fordert der Konzernchef. 30 Monate sollte die Höchstdauer sein, fordert er.

Dazu sollen zwar auch weiterhin die Anwohner geplanter Windräder angehört und beteiligt werden, aber auch die Anzahl der Berufungsinstanzen müsse gesenkt werden. Die Höchstdauer des Verfahrens müsse festgeschrieben werden, so Mastiaux. Dazu müssten Kommunen, Länder und Bund die entsprechenden Regelungen treffen. "Das System ist hier aber sehr komplex", räumt er ein.

Großes Defizit in Deutschland

Insgesamt müssten jährlich zwischen 3000 und 4000 Megawatt Windräder in Deutschland ans Netz gehen, um die Ziele der Energiewende zu erreichen, machte Mastiaux klar. Vergangenes Jahr seien aber bloß 1000 Megawatt Anlagen hinzugekommen, so dass es theoretisch dieses Jahr schon etwa 5500 Megawatt sein müssten. "Dieses Jahr werden wir aber auch keine 4000 hinbekommen", ahnt er. Darauf müsse die Politik reagieren. "Wenn ich ein Ziel ausgebe, muss es auch erreichbar sein."

Süddeutsche Kraftwerke im Nachteil

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... diskutiert beim Redaktionsbesuch über Windkraft und den Kohlekompromiss.

Dabei ist Windkraft nur eines der Themen, die den Karlsruher Konzern momentan beschäftigen. Auch die Ergebnisse des Kohlekompromisses behagen Mastiaux nicht. Er sieht die süddeutschen Kraftwerksbetreiber dort klar im Nachteil: Während Braunkohle-Kraftwerke noch lange laufen könnten und gegen Entschädigung vom Netz gehen sollen, sollen die Steinkohleanlagen im Süden zwar rasch vom Netz.

Aber bei den Ausschreibungen für eine Entschädigung seien sie so gut wie chancenlos. Dabei benötige die EnBW dieses Geld, um die Standorte umzustellen, etwa auf Gas- oder Biomasse-Energie. "Der bisherige Bonus ist nicht ausreichend", erklärt der Vorstandsvorsitzende. Vereinbart seien 180 Euro je Kilowatt, nötig seien 450 Euro. In Heilbronn müssten zum Beispiel für einen Umbau zum Gaskraftwerk erst einmal die nötigen Leitungen verlegt werden. "Wir sind als EnBW benachteiligt", fasst er es zusammen.

1000 neue Ladesäulen

Immerhin - bei Elektromobilität ist der Konzern ganz vorne. 750 normale und 300 Schnellladesäulen sind derzeit in Betrieb, in diesem Jahr sollen weitere 1000 Schnelllader hinzukommen. "Wir halten das für ein Zukunftsthema", sagt Mastiaux. "Da ist für uns unerheblich, wann eine Million Elektroautos in Deutschland auf den Straßen sind." Die eigenen Mitarbeiter gehen jedenfalls mit gutem Beispiel voran: Der EnBW-Fuhrpark umfasst derzeit 300 Elektro- und 20 Hybridfahrzeuge. Über ein Leasing-Programm haben sich 320 Mitarbeiter ein Elektroauto angeschafft. Und auch der Konzernchef fährt privat eins - einen BMW i3.


Zur Person

Frank Mastiaux (55) leitet seit Oktober 2012 den Karlsruher Energiekonzern EnBW. Unter seiner Regie konzentrierte sich der einstige Betreiber von Atomkraftwerken auf Erneuerbare Energien. Der promovierte Chemiker startete beim Ölkonzern BP und war ab 2007 bei Eon bereits für Erneuerbare Energien zuständig. Frank Mastiaux ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt in der Nähe von Karlsruhe. In seiner Freizeit greift er gerne auch mal zur E-Gitarre.

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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