Die Zuckersparte leidet weiter

Mannheim/Region  Südzucker macht nur noch mit seinen zusätzlichen Geschäftsfeldern Gewinn. Denn der Weltmarktpreis für Zucker ist weiterhin zu niedrig. Und es wird keine rasche Besserung erwartet.

Die Zuckersparte leidet weiter

Mit Zucker fährt Südzucker momentan Verluste ein.

Foto: Heiko Fritze

Nur Dank seiner Neben-Geschäftsfelder ist Europas größter Zuckerhersteller Südzucker im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres nicht in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich standen nach sechs Monaten ein Umsatz von 3,3 Milliarden Euro und ein Gewinn von nur noch 20 Millionen Euro. Vor einem Jahr wurden bei knapp 3,5 Milliarden Euro noch 64 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Rote Zahlen in Zuckersparte

Besonders hart traf es wieder die Zuckersparte, in der ein operativer Verlust von 93 Millionen Euro anfiel. Bis zum Ende des Geschäftsjahres Ende Februar erwartet der Vorstand, dass sich das Minus in diesem Segment auf 200 bis 300 Millionen Euro ausweitet. Für den gesamten Konzern soll sich das operative Ergebnis auf null bis 100 Millionen Euro belaufen - ob unter dem Strich ein Gewinn verbleibt, ist offen.

"Spezialitäten" erstmals der umsatzstärkste Bereich

Deutlich werden die Probleme im Bereich Zucker auch an einem Wachwechsel: Erstmals in der Unternehmensgeschichte wurde mit der Produktion und Vermarktung von Zucker nicht mehr der meiste Umsatz erzielt. Die Kernsparte kam auf 1,12 Milliarden Euro nach knapp 1,4 Milliarden vor einem Jahr. Das Segment Spezialitäten, das unter anderem die Herstellung von Stärke, Tiefkühlpizza und die Ethanol-Produktion bei der österreichischen Tochter Agrana umfasst, erzielte knapp 1,19 Milliarden Euro. "Das zeigt die Erlösschwäche, die wir momentan im Zuckersegment haben", sagt Südzucker-Sprecher Dominik Risser. "Nur die Diversifikation des Konzerns hält uns momentan über Wasser." Denn auch die beiden übrigen Sparten des Unternehmens, Bioethanol und Frucht, erzielten Gewinne. Die Biokraftstoff-Herstellung profitierte dabei von deutlich gestiegenen Weltmarktpreisen.

Sparmaßnahmen

Anders sieht es derzeit beim Zucker aus: Der Preis auf dem Weltmarkt pendelt seit Anfang vergangenen Jahres um die 300 Euro pro Tonne, in der EU liegt er nur geringfügig höher. "Auf solch einem Niveau kann man in Europa keinen Zucker mehr produzieren", sagt Risser. "Damit kann momentan kein Produzent Geld verdienen." Südzucker hat daher schon im Frühjahr die Stilllegung von fünf Zuckerfabriken beschlossen, von denen aber vier noch die laufende Kampagne mitmachen. Ein spürbarer Effekt auf die Kosten werde sich daher erst im nächsten Jahr einstellen. Auch andere europäische Hersteller haben Sparmaßnahmen bis hin zu Fabrikschließungen beschlossen.

Keine rasche Kehrtwende

Eine Besserung des Weltmarktpreises erwartet die Südzucker-Konzernleitung auch nicht mehr während dieses Geschäftsjahres. Obwohl die erzeugte Menge in Europa in dieser Saison ähnlich niedrig wie im Vorjahr sein dürfte und der Kontinent daher Zucker importieren muss, gebe es noch große Lagerbestände in Indien, die von der dortigen Regierung mit hohen Subventionen auf den Weltmarkt gebracht werden. "Wir gehen von einer Erholung in den nächsten zwölf bis 18 Monaten aus", erläutert Risser. "Wir sehen aber keine schnelle Kehrtwende."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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