Die Entstehung einer Insolvenz: Was bei Fima schieflief

Schwäbisch Hall  Die Unternehmerfamilie Schaeff investiert in viele Unternehmen, manchmal aber nicht mit Erfolg: Beim Anlagenbauer Fima läuft nun das vorläufige Insolvenzverfahren. Dabei hatten die Schaeffs die Firma wieder auf die Beine gestellt.

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In den Anlagenbauer Fima hat die Familie Schaeff viel Geld gesteckt. Durch den Einbruch des Ölpreises geriet das Unternehmen aber ins Trudeln. Foto: Fima

Alexander Schaeff und seine Familie können es nicht lassen. Immer wieder investieren sie in Firmen, die in Schwierigkeiten geraten sind. "Wir schauen uns Betriebe an, die würden andere nicht mal mit dem Hintern angucken", sagt der schlanke 56-Jährige. Und oft investieren die Schaeffs dann. Meist mit Erfolg, manchmal aber auch mit Rückschlägen.

Wie jüngst bei Fima in Obersontheim: Der Hersteller von Verdichtern für die Öl- und Gasindustrie befindet sich nun unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. 80 der 150 Stellen sollen abgebaut werden, was Proteste bei der Gewerkschaft IG Metall auslöste, bis zu einem Demonstrationszug vor den Sitz der Schaeff-Holding.

Dass dabei auch eine am Galgen aufgeknüpfte Puppe mitgeführt wurde, findet Alexander Schaeff nicht nur unpassend, sondern auch verletzend und an den Fakten vorbei. "Wir haben bis auf ein einziges Jahr nie Geld aus der Firma entnommen", beteuert er.

Erst seit 2015 in Schwierigkeiten

Damals war Fima wieder gesund, nachdem die Schaeffs das Unternehmen 2002 aus einer Insolvenz übernommen hatten. Die Schwierigkeiten begannen erst 2015. Und noch bis in die letzten Tage vor dem aktuellen Insolvenzverfahren habe er, sagt Schaeff, aus privaten Mitteln noch hohe Beträge zur Sanierung bereitgestellt.

Damals, vor vier Jahren, war gerade der Ölpreis abgesackt: Nach dreijährigem Hoch hatte er im August 2014 die Marke von 100 Dollar nachhaltig unterschritten und bis heute nicht mehr erreicht. Die Folge: Raffinerien investierten nicht mehr so viel. Ein neuer Geschäftsführer bei Fima setzte auf Aufträge, die sich am Ende als Verlustbringer erwiesen. "Wir haben uns nach sieben Monaten von ihm getrennt", berichtet Alexander Schaeff. Die verlustreichen Aufträge waren aber noch da, wurden abgearbeitet und brachten ab 2016 rote Zahlen ein. Daher, sagt Schaeff, war eine Sanierung in Eigenverwaltung geplant, um die hohen Kosten zu senken.

Es lag an den Avallinien

Dass dieser Plan scheiterte, habe an fehlenden Avallinien gelegen, erläutert der Unternehmer, also an Garantien für die Anzahlungen des Kunden für jenen Auftrag. Ganz auf eigenes Risiko habe Fima diese Großausgaben nicht finanzieren können. Also folgte Ende Juli der Wechsel ins Regelinsolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Mannheimer Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch bestellt. Unter seiner Führung fiel die Entscheidung, 80 Stellen abzubauen.

Alexander Schaeff lässt sich unterdessen nicht unterkriegen. Die Schaeffs gelten als eine der ältesten Unternehmerfamilien Deutschlands, ununterbrochen seit 1596. In der Region waren sie lange Jahre als Inhaber des gleichnamigen Baumaschinenherstellers bekannt. Alexanders Vater Karl Schaeff war bis zum Verkauf des Unternehmens Ende 2001 an den US-Konzern Terex Regionalpräsident von Südwestmetall. Nach dem Verkauf begannen Vater und Sohn mit ihrem Konzept, in Firmen zu investieren. Zum Beispiel in die Heinkel AG aus Bietigheim-Bissingen, die schließlich ganz an den Co-Investor ging, in den Niedrigenergiehaus-Hersteller Evohaus und den Tatortspuren-Sicherer German E-Forensics.

Insolvenzverwalter hat das Wort

Für den Mannheimer Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch ist der Fall Fima "ein sehr komplexes Verfahren". Grund seien die internationalen Kunden aus Russland, China oder Nigeria und die langen Projektdauern. Gut laufe derzeit das - kleinere - Geschäft mit Ventilatoren, während die Kunden sich bei Großprojekten zurückhielten. Die Vorfinanzierung sei nach wie vor ein Problem. "Hier sind die Kunden gefragt, sich zu engagieren", sagt er.

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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