Der neue Audi A7 steht in den Startlöchern

Neckarsulm  Die Weltpremiere des ersten Modells der neuen C-Reihe wurde ins Werk Neckarsulm übertragen. 2500 Beschäftigte sind mit der Montage der Fahrzeuge betraut.

Von Manfred Stockburger

Die Weltpremiere wurde ins Werk Neckarsulm übertragen. Dazu durften sich die Audi-Mitarbeiter auch mal in das neue Auto setzen.

Auf dem Bildschirm in Thomas Bogus" Büro bei Audi in Neckarsulm stehen lange Zahlenreihen. Auf einen Blick weiß der Fertigungsleiter der Modelle A4, A5, A6 und A7 was in seinen Produktionshallen läuft. Zurzeit herrscht in Halle A13 Ausnahmezustand: Der Generationswechsel der wichtigsten Neckarsulmer Modelle A6 und A7 steht kurz bevor. Sichtbarstes Zeichen war die Weltpremiere des A7 letzte Woche in Ingolstadt.

"Das war der Startschuss für die neue C-Reihe", sagt Bogus. Nach außen hin jedenfalls. Denn die ersten Serien-A7 der zweiten Generation laufen schon seit ein paar Wochen über die Neckarsulmer Produktionsbänder: Noch sind es nur eine Hand voll am Tag, die parallel zum Vorgängermodell und dem A6 gebaut werden.

Das Prototypenstadium hat der nächste neue Neckarsulmer aber schon hinter sich. Thomas Bogus ist eher der nüchterne Typ, doch wenn er über den A7 und das Design der zweiten Auflage des Coupés spricht, dann kommt er ins Schwärmen. Die Kanten, die langgezogene Heckklappe, das schwarze Display im Cockpit. "Das ist feinste Sahne", sagt er. Nur ganz knapp unterhalb des A8 sieht er sein Auto positioniert. Mit allen Herausforderungen für die Mannschaft, diese Qualität in der Großserie hinzubekommen. "Ich weiß, was den Leuten abverlangt wird und bin unheimlich stolz auf die Leistung", sagt er. "Auf die Leistung jedes Einzelnen."

Modellwechsel müssen schnell über die Bühne gebracht werden

2500 Beschäftigte sind mit der Montage der C-Reihen-Fahrzeuge betraut. Die Kunst ist es, ihre Arbeitskraft so zu bündeln, dass alle an einem Strang ziehen. Schließlich müssen die Modellwechsel in Rekordzeit über die Bühne gebracht werden. "Die C-Reihe ist hinsichtlich der Stückzahlen für den Standort von elementarer Bedeutung", sagt Thomas Bogus. Schließlich machten A6 und A7 − jedenfalls in der Vergangenheit − über den Daumen gepeilt etwa drei Viertel der bis zu 1300 Autos aus, die am Standort Neckarsulm pro Arbeitstag produziert wurden.

Hier ist der 47-Jährige in seinem Element. In Karlsruhe hat er zunächst studiert und im Bereich Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation promoviert, danach stieg er im Industrial Engineering bei Audi ein. Mit scharfem Blick analysiert der Mann, der auch Stellvertreter des Neckarsulmer Werkleiters ist, wie so eine Montagelinie am besten organisiert werden kann.

 

 

 

Durch die anstehenden Modellwechsel sind es so viele Varianten wie noch nie, die auf einem Produktionsband gleichzeitig hergestellt werden müssen: Der erste A7 hatte, als er 2010 anlief, schließlich noch keinen Vorgänger. Einschließlich der A6-Familie sind es jetzt sechs unterschiedliche Modelle aus zwei Generationen, die jeweils aus zehntausenden verschiedenen Teilen auf einer Fertigungslinie zusammengesetzt werden. Und anders als beim A8, der zum Modellwechsel außer dem Karosseriebau auch eine großzügige neue Montagehalle bekam, ist das Platzangebot in der Montagehalle A13 unverändert. Und eng.

Der neue A7 steht in den Startlöchern
Jetzt darf er endlich ans Licht der Öffentlichkeit, der neue A7. Vor dem Neckarsulmer Audi-Forum macht das viertürige Coupé eine gute Figur. In den Handel kommt er aber erst im neuen Jahr. Fotos: Audi  

Letzte Weihnachten und im Sommer haben die Neckarsulmer kräftig in die Montage investiert, um den Kraftakt zu ermöglichen. Das Prüfzentrum wurde auf die neuen, mit mehr Assistenzsystemen ausgestatteten Modelle vorbereitet. Außerdem wurden verschiedene Vormontage-Bereiche umgestaltet, in denen zum Beispiel die Cockpits je nach Kundenwunsch zusammengestellt werden.

Obwohl die Auslastung der Fabrik zurzeit bekanntlich nicht optimal ist, haben die Werker mit den Neuanläufen alle Hände voll zu tun. Für die Weltpremiere ihres A7 nahm sich die Mannschaft dennoch Zeit: Das Unternehmen hat sie am Donnerstagabend live aus Ingolstadt in die Neckarsulmer Werkhalle übertragen. Am Freitag wurden in den anderen Schichten die Bänder nochmals angehalten, damit dieser Meilenstein gebührend gefeiert werden konnte.

Ab nächster Woche geht es dann darum, die Stückzahl in minutiöser Feinarbeit peu à peu zu erhöhen − weit über 100 A7 wurden im Werk in den vergangenen Jahren pro Tag hergestellt. Irgendwann im nächsten Frühjahr wird der alte A7 dann endgültig Geschichte sein und der Neue endlich ganz real auf die Straße kommen. In voller Schönheit und nicht nur als digitale Zahlenkette im Büro von Thomas Bogus.

 

So sportlich kann die Oberklasse auf einmal sein

Vor Jahren frenetisch gefeiert, zuletzt scharf kritisiert − das Design von Audi sorgt seit einiger Zeit für Diskussionen. Zu gleichförmig, zu wenig neue Impulse. Damit ist jetzt Schluss: Nachdem die Marke mit den vier Ringen im Juli zunächst den neuen A8 aus Neckarsulm als eleganten Vertreter der Oberklasse vorgestellt hat, wird es nun betont sportlich: Am Donnerstagabend hat Audi die zweite Generation des A7 (ab 67.800 Euro) enthüllt. Das viertürige Coupé rollt ebenfalls am Standort Neckarsulm vom Band.

Der neue A7 ist das zweite Auto aus der Feder von Designchef Marc Lichte und seinem Team. Viele Elemente der Studie Prologue (2014) sind erhalten geblieben. Vorne ein ausdrucksstarkes Gesicht mit einem sechseckigen Grill, die Silhouette des 4,97 Meter langen Schmuckstücks wirkt flacher, gestraffer und muskulöser. Dazu hinten ein knackiges Heck mit durchgehend rotem Leuchtenband und einem ab Tempo 120 ausfahrenden Spoiler − so sportlich kann die Oberklasse auf einmal sein.

Besonders innovativ ist wie bereits im A8 Audis neues Bedienkonzept. Einen Dreh-Drück-Steller gibt es nicht mehr, Knöpfe und Schalter sucht man weitestgehend vergebens. Herzstück ist ein 10,1 Zoll großer Touchscreen, der nicht ausfährt oder irgendwo aufgesetzt ist, sondern mit dem Cockpit verschmilzt. Alles wirkt wie aus einem Guss. Darunter befindet sich ein weiteres Display, über das unter anderem die Steuerung der Klimaanlage möglich ist. Dort lassen sich mit dem Finger auch Navigationsziele eingeben. Einziger Motor zur Markteinführung im Frühjahr ist ein drei Liter großer Sechszylinder-Benziner mit 340 PS (Verbrauch: 6,8 Liter, CO2-Ausstoß: 154 g/km). Weitere Aggregate wie V6-Diesel werden 2018 sukzessive folgen.