Der Nikolaus bringt Audi keine Schokolade

Neckarsulm  Wenn der Nikolaus dieses Jahr Audi besucht, steht wenig Gutes über das Unternehmen in seinem goldenen Buch. Ein Kommentar von Manfred Stockburger.

Von Manfred Stockburger

Der Nikolaus bringt Audi keine Schokolade

Eigentlich sollte es bei Audi in diesem Jahr wieder aufwärts gehen. Wenn der Nikolaus am Donnerstag aber in sein goldenes Buch schaut, dann wird er nicht viel Freude haben mit dem Audi-Jahr 2018. Dass mit Rupert Stadler erstmals ein amtierender Vorstandsvorsitzender eines deutschen Autokonzerns verhaftet wurde, war nur der Gipfel − auch wenn es weiterhin keine Anklage gegen ihn gibt. Noch nicht.

Der Dieselskandal bescherte Audi eine Geldbuße in Höhe von 800 Millionen Euro. Besonders krass aber ist, dass die Behörden im Frühjahr fast drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Abgasbetrugs noch aktuelle Motoren aus dem Verkehr zogen, weil die Steuerung unerlaubte Abschalteinrichtungen enthielt. Da schüttelt es Nikolaus auch im wärmsten Mantel.

Fast schon wie eine Lappalie kommt daher, dass der Autobauer im Januar den Großauftrag der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe an BMW verloren hat. Nüsse oder Mandarinen hat sich Audi damit dennoch nicht verdient, schließlich handelt es sich um eine fünfstellige Anzahl von Fahrzeugen.

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Selbst wenn man glaubt, dass das Diesel-Thema mittlerweile abgearbeitet ist: Die Einführung des neuen WLTP-Abgasstandards wurde für Audi zum nächsten Desaster. Noch heute fehlen für zahlreiche Modelle und Motoren die Zulassung. Wettbewerber haben zwar auch gestöhnt und geächzt, aber sie stehen im Vergleich viel besser da − weil sie ihre Hausaufgaben rechtzeitig gemacht haben.

Auch dieses Thema kam mit Ansage: Schon vor dem Nikolaustag 2017 gab es warnende Stimmen, dass die Motoren ausgehen könnten. Gehört wurden sie nicht.

Dass das Prinzip Hoffnung ein schlechter Ratgeber ist, demonstrierte das Unternehmen vergangene Woche dem Nikolaus nochmals eindrücklich, als die nur drei Wochen vorher für Februar angekündigte Aufstockung der Produktion in Neckarsulm wieder abgesagt werden musste: Die Freigabe noch fehlender Motoren für den neuen A6 zögert sich weiter hinaus. Das trifft die Mitarbeiter, die nichts für die Misere können. Schokolade gibt es dafür beim besten Willen nicht.

Ein schneller Lernerfolg bei den Zulassungen wäre hilfreich, denn im nächsten Sommer tritt die nächste neue Norm in Kraft, nach der die Abgasgrenzen auch im Echtbetrieb auf der Straße eingehalten werden müssen. Das heißt, dass der Zertifizierungszirkus für alle Motoren wieder von vorne losgeht. Audi aber hängt noch in der letzten Runde fest.

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Der Nikolaus wundert sich nicht mehr wirklich. Seine Pferdekutsche mag funktionieren, was die Fahrt in die automobile Zukunft angeht, läuft es bei Audi aber auch nicht rund: Erst wurde im Sommer die Präsentation des rein elektrischen Audi E-Tron verschoben, mit der Folge, dass Mercedes die Ingolstädter auch in dieser Disziplin überholt hat. Die im Herbst bekannt gewordene weitere Verzögerung bei der Auslieferung des Prestige-Schlittens ist da kaum noch verwunderlich. Und der jetzt vorgestellte E-Tron GT kommt gar erst 2021 zu den Kunden.

Handfeste Probleme gibt es also genügend. Umso unverständlicher ist es, dass es Audi nicht schafft, die Stadler-Nachfolge zu regeln. Erst zögerte der Aufsichtsrat die Trennung vom Ex monatelang hinaus. Seit Anfang Oktober, als dies dann geregelt war, sind wieder zwei Monate vergangen, in denen Bram Schot als Interimschef agieren und seine eigentliche Arbeit als Vertriebsvorstand vernachlässigen musste. Das kann Nikolaus beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen. Ob es wohl noch eine Chance gibt, wenigstens dieses Thema zu regeln, bevor das Christkind kommt und wieder geht?