Der Bierstorfer-Mutterkonzern möchte an Ikea vorbeiziehen

Heilbronn  XXXLutz-Deutschlandchef Alois Kobler will in fünf Jahren Ikea als Marktführer überholt haben. Einen Beitrag dazu leistet auch Bierstorfer in Heilbronn. Die Eröffnung von Möbel Rieger in direkter Nähe sorgte bei Bierstorfer für einen besonderen Effekt.

Bierstorfer-Mutzterkonzern hat Hunger auf Schwedenhappen

Der Möbelhändler XXXLutz ist massiv gewachsen. Als er vor zehn Jahren erstmals seine Azubis zu einem Einstiegsevent bei Mudau im Odenwald einlud, kamen 700 junge Leute - diesmal waren es 1000. Und Deutschland-Chef Alois Kobler sieht für die Kette, zu der auch die Unternehmen Mömax, Möbelix und Poco gehören, eine sehr gute Perspektive.

Herr Kobler, wie laufen die Geschäfte gerade bei XXXLutz?

Alois Kobler: Sehr gut. Wir schwimmen auf der Welle oben, wir liegen flächenbereinigt im guten einstelligen Bereich im Plus. Und es geht uns auch in den anderen Schienen gut.


Welche Umsatzentwicklung in Deutschland erwarten Sie bis zum Ende des Geschäftsjahres?

Kobler: Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Wir werden das gute Ergebnis bis zum Jahresende durchziehen.


Ihr Inhaber Andreas Seifert hat ja verkündet, Ikea in Deutschland überholen zu wollen. Hat er den Mund nicht etwas vollgenommen?

Kobler: Nein. Erstens ist der Abstand gar nicht mehr so groß, wenn man alles zusammenrechnet. Und zweitens wachsen wir schneller als Ikea. Wir werden das in absehbarer Zeit schaffen. Der Markt verändert sich, da wird sicher noch das eine oder andere passieren. Alleine mit unseren neuen Kooperationen, welche die Identität eines Unternehmens wahren, bieten wir Möglichkeiten, die sonst keiner hat. Wir haben die Anzahl unserer Möbelhäuser in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und es wird keine zehn Jahre dauern, bis wir wieder verdoppelt haben.
 

Zur Person Alois Kobler

Alois Kobler (56) absolvierte eine Tischlerlehre. 1990 startete er bei XXXLutz als Küchenverkäufer in Mattighofen in Oberösterreich. Seine Führungslaufbahn brachte ihn bis zum Hausleiter in Eugendorf bei Salzburg und Braunschweig. 2005 wurde Kobler Gebietsverkaufsleiter bei der in jenem Jahr übernommenen Handelskette Mann Mobilia. Seit 2009 ist er verantwortlicher Geschäftsführer XXXLutz Deutschland. Sein Dienstsitz ist Würzburg.

Von Poco abgesehen, hat es in Deutschland in diesem Jahr keine Übernahmen mehr durch XXXLutz gegeben. Ist der Markt leer?

Kobler: Nein. Größere Übernahmen dauern einfach länger, und Poco ist eine große Nummer. Es werden aber immer Gespräche geführt. Wir sind ein gesundes Unternehmen und wollen ein gesundes Unternehmen bleiben. Mit der Übernahme beginnt die Arbeit ja erst. Das muss alles implementiert werden. Die Unternehmen standen ja auch zur Übernahme, weil ein gewisser Sanierungsbedarf vorhanden war. In den letzten eineinhalb Jahren kamen ohne Poco sieben Standorte hinzu. Wenn man die umbaut, ist das, als ob man ein Einrichtungshaus komplett neu ausstattet. Wir bauen außerdem ein neue Logistikcenter und Großversandlager. Wir investieren dieses Jahr sicher mehr als 200 Millionen Euro.


Wo werden Sie 2019 noch eröffnen - und wo geht es nächstes Jahr weiter?

Kobler: Neue Standorte, die wir bauen und bauen wollen, sind beispielsweise Heidelberg, Bayreuth, Hagen, Gera, Halle... Heidelberg wird von diesen voraussichtlich als erstes fertig. Wir wachsen weiter, und zwar in dem Tempo, wie es die Vergangenheit abgebildet hat.


In Heilbronn haben Sie ja durch Rieger Konkurrenz schräg gegenüber bekommen. Wie hat sich das auf Besucher- und Umsatzzahlen bei Bierstorfer ausgewirkt?

Kobler: Es klingt auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar, aber es ging hier sensationell nach oben. Für uns ist das wie erwartet. Der Standort des Mitbewerbs ist schön, ein top Möbelhaus. Der zusätzliche Standort ist gut für alle - auch für ihn war es die richtige Entscheidung, sich da hinzusetzen, weil sich die Frequenzen austauschen. Es haben beide Standorte deutlich bessere Frequenzen, als wenn jeder allein stehen würde. Der Kunde hat da jetzt eine Möbel-Kompetenzlage - es lohnt sich für ihn, von weiter her nach Heilbronn zufahren, da gibt es jetzt insgesamt über alle Anbieter fast 100.000 Quadratmeter Möbel-Verkaufsfläche. Wir kennen das auch aus Freiburg, da stehen drei Möbelhäuser nebeneinander und es funktioniert.
 

Die deutsche Möbelindustrie beklagt sinkende Umsätze, bei Küchenmöbeln stagnierten sie. Woran liegt es?

Kobler: Da tue ich mich sehr schwer. Küchen waren in den letzten beiden Jahren der am stärksten wachsende Bereich in unserem Sortiment. Wir sind aber auch der erste gewesen, der einen Onlineshop im stationären Möbelhandel etablierte. Mehr als die Hälfte unserer Küchenumsätze generieren wir über Onlineanfragen, die dann im Möbelhaus ankommen, planen und die Küche kaufen. Die Leute kommen heute perfekt vorinformiert. Unser Online-Anteil ist jetzt knapp zweistellig, im Vorjahr war er gut einstellig.
 

Wie sieht der deutsche Möbelhandel in fünf Jahren aus?

Kobler: XXXLutz wird eine noch deutlichere Position darstellen als heute. Es wird sicher eine gewisse Bereinigung des Marktes geben.


Haben Sie Ikea dann schon überholt?

Kobler: Meine persönliche Meinung: ja.

 

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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