Das sind Audis Pläne bei den Elektroautos

Neckarsulm/Heilbronn  Während in Neckarsulm weiterhin unklar ist, ob und welche Elektrofahrzeuge dort gebaut werden, haben in der Heilbronner Audi-Manufaktur bereits die Umbauarbeiten begonnen.

Von Manfred Stockburger

Abwarten und Tee trinken

Mit dem E-Tron GT startet Audi nächstes Jahr in der Heilbronner Manufaktur ins Elektrozeitalter.

Audi

Im Heilbronner Audi-Werk soll ab nächstem Jahr der E-Tron GT vom Band rollen. Während sein Namensvetter E-Tron in Brüssel auf einer angepassten Verbrenner-Plattform gebaut wird, ist der GT der erste reinrassige Elektro-Audi.

Als seriennahes Konzept hat das Unternehmen das Auto schon gezeigt, während Audi für den E-Tron seit Monaten mächtig die Werbetrommel rührt − zehn Autos stehen am Heilbronner Buga-Gelände. Aber sonst hüllt sich das Unternehmen noch in Schweigen. Der Grund dafür ist relativ simpel: Der E-Tron GT ist ein technischer Zwilling des Porsche Taycan, der schon diesen Sommer auf den Markt kommt. Dem Zuffenhausener soll der Heilbronner die Schau nicht stehlen.

Audi setzt große Hoffnungen auf das E-Auto

Hinter den Kulissen tut sich aber schon eine Menge: Damit die Karosserie des Neuen in der Manufaktur gebaut werden kann, wurde die Blechmontage des R8 und seines Zwillings, des Lamborghini Huracán, nach Heilbronn-Böckingen verlagert. Angesichts der homöopathischen Produktionszahlen des Sportwagens R8 in den Böllinger Höfen gibt es dort genügend Platz für das E-Auto, auf das Audi große Hoffnungen setzt.

Dass der elektrische GT perfekt zum konventionellen R8 passt, liegt an der Fertigungstechnik: Das ausgewachsene Oberklasse-E-Auto wird sich wie der zweisitzige Sportler auf selbstfahrenden Montageständern selbstständig durch die Manufaktur bewegen. Mit welchen Stückzahlen Audi für den E-Tron GT rechnet, ist geheime Kommandosache. Es wird aber kein hochvolumiges Modell sein: Diese sollten nämlich auf Basis der angekündigten Premium-Plattform Elektro (PPE) im Werk Neckarsulm gebaut werden − bis der Autohersteller im Frühjahr seine Zusagen plötzlich zurückzog.

Strenge CO2-Auflagen

Angesichts der strengen CO2-Auflagen für die Hersteller, die ab 2021 gelten, steht eines fest: Um horrenden Strafen zu entgehen, muss Audi bis Mitte des kommenden Jahrzehnts ein Drittel seiner Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf die Straße bringen. Dieses Ziel hat Vorstandschef Bram Schot im Frühjahr nochmals bekräftigt.

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Neckarsulm möchte Schot seine Strategie präzisieren, Aussagen zu den Produktionsstandorten wird er mutmaßlich aber nicht machen. Möglicherweise sollen die Elektroautos künftig in Ingolstadt gebaut werden, während Neckarsulm Verbrennerstandort bleibt. Noch sind die Würfel aber nicht gefallen. Erst zur Jahresmitte soll die neue Fertigungsstrategie festgezurrt sein.

Während die Produktionsplaner bis dahin also abwarten und Tee trinken müssen, sind die Personaler wenigstens einen kleinen Schritt weiter: Für angehende Kfz-Mechatroniker gibt es künftig in der Ausbildung einen Schwerpunkt Hochvolt- und Systemtechnik. Das dort erlernte Knowhow ist allerdings auch beim Bau der Plug-in-Hybrid-Varianten der Neckarsulmer Baureihen A8, A7 und A6 hilfreich, mit deren Hilfe Audi den Übergang ins Elektrozeitalter gestalten möchte: Diese Autos können mit Benzin fahren − und ihre Batterien an der Steckdose nachladen.

 

 

 

 


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