Das ist Audis neuer E-Tron

San Francisco/Region  Der Automobilhersteller Audi geht mit seinem ersten voll elektrischen Fahrzeug an den Start: dem E-Tron. Die technischen Fakten und was das neue Modell alles kann.

Von Alexander Rülke

Audis erstes reines Elektro-Auto: E-Tron kommt für 80 000 Euro
Schwimmt mit dem Strom: Auch Audis erstes rein elektrisches Auto für die Serie kommt wie einige Konkurrenten im SUV-Format.  

Dass alltagstaugliche Elektromobilität funktioniert, konnten potenzielle Kunden bislang vor allem in der Klein- und Kompaktwagenklasse erleben – zum Beispiel mit Renault Zoe, Opel Ampera-e, Nissan Leaf oder auch dem Citroen C-Zero. Doch wer nach Größerem strebte, dem blieb diese Vielfalt vorenthalten. Stattdessen fiel im elektrischen Premiumbereich immer wieder nur ein Name: Tesla.

Das US-amerikanische Schreckgespenst der deutschen Automobilbauer mag zwar seit Jahren defizitär arbeiten – in Sachen Marketing und Verfügbarkeit machte der Firma von Elon Musk aber lange Zeit niemand etwas vor. Denn: Ein Model S oder Model X konnte man – mit längerer Wartezeit – eben wirklich kaufen. Und nicht nur auf Messen als Studie betrachten.

Doch nun tut sich was in diesem Segment. Erst vor kurzem hat Mercedes den EQC gezeigt, Jaguar geht mit dem I-Pace an den Start, und auch Audi legt jetzt nach – mit dem in Brüssel vom Band laufenden E-Tron, dem ersten voll elektrischen Fahrzeug der Unternehmensgeschichte.
 
In 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100

Zur Weltpremiere in San Francisco dreht der deutsche Hersteller am großen Rad und hat gut 1600 Gäste aus aller Welt in die kalifornische Traumstadt eingeladen. Doch was kann der mindestens 79.900 Euro teure Fünftürer? Im realitätsnäheren WLTP-Messzyklus schafft der 4,90 Meter lange Allradler eine Reichweite von rund 400 Kilometern.

Zwei Elektromotoren bringen den Boliden dabei in Schwung – an der Vorderachse wirken 125 kW, an der Hinterachse 140 kW, mit Boost-Modus sind es 10 beziehungsweise 25 kW zusätzlich. Ergibt maximal 300 kW/408 PS und bis zu 664 Newtonmeter Drehmoment. Dementsprechend sportlich fallen die Fahrleistungen aus – im besten Fall sprintet der E-Tron in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Der E-Tron wird somit zum flotten Langläufer. 

Mehr zum Thema: Die Weltpremiere des Audi E-Tron ist ein Höhepunkt der Unternehmensgeschichte.
 
Mit dem Home Charging Connect in 4,5 Stunden aufgeladen

Die Batterie mit 95 kWh besteht aus 432 Zellen, die in 36 Modulen am Fahrzeugboden untergebracht sind. „Das nimmt ungefähr die Fläche eines gängigen Doppelbettes ein“, sagt Batteriespezialist Andreas Nöst im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Neben einer speziellen Kühlung wurde auch ein Crash-Schutz aus Aluminium entwickelt, der im Fall der Fälle für höchstmögliche Sicherheit sorgen soll.

Audi e-tron
Mit dem Basispaket lässt sich der E-Tron zu Hause in 8,5 Stunden komplett aufladen.  

Wird der elektrische Audi zu Hause aufgeladen, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Basispaket nennt sich Home Charging Compact, damit dauert der Ladevorgang rund 8,5 Stunden. Schneller geht es mit dem Home Charging Connect, dann soll der E-Tron schon in 4,5 Stunden wieder aufgeladen sein. „Über die My Audi App lässt sich der Ladezustand auf dem Smartphone überprüfen“, erklärt Ladungs-Experte Johannes Eckstein. Darüber hinaus ließen sich per App und integriertem Navigationssystem auch Routen planen und Ladesäulen-Standorte abrufen. 

Weiterlesen: Audi zeigt in San Francisco auch eine mobile Ladesäule für Elektrofahrzeuge.
 
Außenspiegel wurden für Aerodynamik geopfert

Keine Frage, der E-Tron ist auf den ersten Blick als Audi zu erkennen. Der große Radstand von 2,93 Meter sorgt für Kniefreiheit im Innenraum, die coupéförmige Dachlinie für einen dynamischen Look. Die Außenspiegel wurden der Aerodynamik geopfert und sind jetzt nur noch als schmaler Kameraträger vorhanden, deren Bilder auf Displays in den Türen übertragen werden. „Das macht den E-Tron nicht nur windschnittiger, sondern reduziert zugleich spürbar die Windgeräusche“, betont Aerodynamik-Spezialist Dr. Stefan Dietz. Haken an der Sache: Die Außenspiegel-Innovation kostet Aufpreis.

Audi e-tron
Die Außenspiegel wurden für eine bessere Aerodynamik geopfert. An ihrer Stelle befinden sich nun Kameraträger, deren Bilder auf Displays in den Türen übertragen werden.  

Ein geschlossener Unterboden, ein Lamellen-Frontgrill mit Querstreben sowie aerodynamisch gestaltete Leichtmetallräder sollen dem Boliden zu weiterer Sparsamkeit verhelfen. Denn, so Dietz weiter, bei einem Elektro-Fahrzeug müsse man die Energie so effizient wie möglich nutzen, da alle Verbraucher aus der Batterie gespeist werden. „Darum kommt beim E-Tron auch eine besonders wirkungsvolle Rekuperation zum Einsatz.“ Durch die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen sollen bis zu 30 Prozent an Reichweite hinzugewonnen werden. Und das, so der Hersteller, sei einzigartig im Segment.

Der Standort 
 
Gebaut wird der neue e-tron im belgischen Brüssel. Nach Angaben von Managing Director Patrick Danau liegt die Kapazität dort aktuell bei 200 Fahrzeugen pro Tag. Mehr als 600 Millionen Euro wurden allein in diesen Standort investiert, um die Produktion gewährleisten zu können. Die Motoren für den e-tron baut Audi selbst, sie kommen aus dem Motorenwerk im ungarischen Györ.