Chefwechsel bei Heilbronner Traditionsfirma Wolffkran

Heilbronn  Eigentümer Peter Schiefer übergibt das operative Management des Heilbronner Traditionsunternehmens an Vertriebsmann Duncan Salt und will sich künftig mehr um Strategisches kommern.

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Chefwechsel bei Wolffkran

Peter Schiefer, der Wolffkran 2005 von MAN übernahm, hat dem Heilbronner Traditionsbetrieb neue Horizonte eröffnet. Inzwischen ist die Firma weltweit aktiv, den Sitz der Holding hat Schiefer in die Schweiz verlagert.

Foto: Wolffkran

Die Zukunft seines Unternehmens möchte er genau im Blick behalten - aber nicht mehr in der ersten Reihe stehen. Genau dort war Peter Schiefer seit 2005, als er die Heilbronner Traditionsfirma Wolffkran übernahm - und vor dem Untergang bewahrte.

MAN-Konzern wollte die Heilbronner Tochter loswerden

Der MAN-Konzern hatte das Unternehmen, das eng mit der Heilbronner Industriegeschichte verwoben ist, nämlich aus dem Fokus verloren. 30 Millionen Euro Umsatz machte Wolffkran damals noch, nach mehreren Entlassungswellen beschäftigte das 1854 gegründete Unternehmen noch 150 Leute. Die Zukunft des Betriebs, der sein Geld mit Maschinen verdient, die schwerste Lasten heben können, hing am seidenen Faden.

MAN wollte das Geschäft loswerden und fand mit dem Hedgefonds-Manager Peter Schiefer einen Käufer, der allerdings versprechen musste, die Firma nicht zu filetieren und auszuschlachten. Daran hat er sich auch gehalten. "Es macht einfach Spaß, hier Unternehmen zu sein", gab er einige Monate später zu Protokoll.

Digitalisierung des Geschäfts fordert Aufmerksamkeit

Die Freude an Wolffkran ist Peter Schiefer weiterhin nicht vergangen. Knapp 900 Mitarbeiter sind es mittlerweile, der Umsatz liegt bei knapp 200 Millionen Euro. "Wir sind aber an den Punkt gekommen, an dem wir den nächsten Schritt nur machen können, wenn ich mich vom dem täglichen operativen Geschäft befreie", sagt der 52-Jährige. Er will sich verstärkt um neue Technologien kümmern und um die Produktionsprozesse. Und um die IT - schon mit 33 war er als Siemens-Manager mit der Verantwortung von 1,2 Milliarden Euro Umsatz regelmäßig im Silicon Valley unterwegs.

Auch wenn Krane mit dem Internet auf den ersten Blick nur wenig zu tun haben, möchte Schiefer sich jetzt genau darum kümmern, wie die Ideen der Online-Giganten das Baumaschinengeschäft voranbringen können. Zum Beispiel im Bereich der Mietflotte: Der Hersteller hat rund 700 Krane im eigenen Besitz und verleiht sie an Großbaustellen in aller Welt. "Wir wollen das besser durchstrukturieren und massiv Gas geben." Wegen der hohen Nachfrage sei dies zuletzt zu kurz gekommen.

Automatisierung gegen Preisdruck

Der Standort Heilbronn, an dem heute etwa 220 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll profitieren: "Wir investieren da massiv - etwa in Roboter, um im Preisdruck bestehen zu können", sagt Schiefer. Das neue Werk in Russland soll als verlängerte Werkbank Teile nach Heilbronn und ins Schwesterwerk bei Berlin liefern.

"Das alles kann ich nicht leisten, wenn ich zugleich Chef bin, Verwaltungsrat und Eigentümer", fasst Schiefer seine Motivation zusammen. Um die alltäglichen Führungsaufgaben kümmert sich deswegen jetzt Duncan Salt, der bisher den Vertrieb verantwortete. "Er bringt ein umfangreiches Netzwerk und einen großen Erfahrungsschatz mit und er teilt unsere DNA", sagt Schiefer über Salt.

 

Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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