Bosch plant im Moment keinen Stellenabbau in Abstatt

Region  Der Autozulieferer baut in Feuerbach und Schwieberdingen 1600 Arbeitsplätze ab. Am Standort Abstatt sind derzeit keine Streichungen geplant. Die Geschäfte laufen noch gut.

Email

Bei Bosch Engineering in Abstatt ist die Arbeit an Prüfständen (hier das neue Akustikzentrum) ein zentraler Bestandteil. Weder bei der Entwicklungstochter noch bei Chassis Systems Control sind aktuell Stellenstreichungen geplant.

Foto: Bosch

Für Branchenkenner kam die Nachricht nicht überraschend: Der Automobilzulieferer Bosch will in den nächsten zwei Jahren 1600 Arbeitsplätze an den Standorten Feuerbach und Schwieberdingen abbauen. "Natürlich müssen wir auf die zurückgehende Nachfrage reagieren", hatte Konzernchef Volkmar Denner bereits im August in einem Interview angekündigt.

Grund für den Stellenabbau ist die sinkende Nachfrage nach Diesel- und Benzinautos in Kombination mit der allgemein schwächeren Konjunkturentwicklung. Bei Bosch hängen weltweit rund 50.000 der etwa 410.000 Beschäftigten vom Diesel ab - in Deutschland sind es gut 15.000.

Kritik der Arbeitnehmervertreter

Dass die Geschäftsführung aber gleich 1600 Stellen an den beiden schwäbischen Traditionsstandorten streichen will, hat im Unternehmen für reichlich Aufregung gesorgt. Die Gewerkschaft IG Metall wirft dem Konzern vor, die Rendite auf dem Rücken der Beschäftigten steigern zu wollen. Der Betriebsrat fordert eine Zukunftsperspektive für die Standorte, Qualifizierung für die Mitarbeiter und warnt vor einem Verlust von viel Know-How.

In den heute beginnenden Verhandlungen wird es vor allem darum gehen, den Jobabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, wie es Bosch auch versprochen hat. In der Vergangenheit ist das Unternehmen nicht nur durch radikale Sparmaßnahmen aufgefallen, sondern hat entsprechende Schritte eher geräuschlos umgesetzt.

Autonomes Fahren boomt weiterhin

Auch am Bosch-Standort in Abstatt sind die schlechten Nachrichten für Feuerbach und Schwieberdingen natürlich Thema. Doch die derzeit rund 5800 Beschäftigten können vorerst durchatmen. Weder im Bereich Chassis Systems Control, der sich vorwiegend mit Fahrassistenzsystemen und dem autonomen Fahren beschäftigt, noch bei Bosch Engineering seien derzeit Stellenstreichungen geplant.

"Die Mitarbeiter in Abstatt müssen sich keine Sorgen machen", betont ein Unternehmenssprecher. Dem Standort kommt zugute, dass er nicht zur Antriebssparte Powertrain Solution gehört, in der der Jobabbau stattfinden soll. Die Geschäfte in Abstatt laufen immer noch gut. "Insbesondere im Bereich hochautomatisiertes Fahren besetzen wir weiterhin punktuell Stellen mit Experten, deren Know-How wir für die weitere Entwicklung dieses komplexen Themas benötigen", teilte der Sprecher auf Stimme-Anfrage mit. Klar sei aber, dass sich der rasante Personalaufbau der vergangenen Jahre nicht in diesem Tempo fortsetzen werde.

Stabiles Entwicklungsgeschäft

Auch die Entwicklungstochter Bosch Engineering hat "Stand heute keinen Abbau von Mitarbeitern geplant", wie eine Sprecherin betont. Das breit aufgestellte Entwicklungsgeschäft für Fahrzeug- und Motorenhersteller sei stabil.

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen