Bechtle verbreitet Optimismus in Krisenzeiten

Neckarsulm  Der IT-Dienstleister aus Neckarsulm geht trotz der Auswirkungen des neuen Coronavirus auch für das laufende Jahr von einem Umsatzwachstum aus. Denn einzelne Bereiche laufen gerade besonders gut.

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Bechtle verbreitet Optimismus in Krisenzeiten

Das wäre es gewesen: Der IT-Dienstleister Bechtle wollte seine Bilanz auf seinen "Competence Days" vorlegen. Die Veranstaltung wurde abgesagt.

Foto: Archiv/Berger

Eigentlich sollte es ja mal etwas anderes werden: Statt einer Präsentation der Zahlen in einem Konferenzraum in Stuttgart lieber vor Ort in Neckarsulm, während der Hausmesse "Competence Days", mit anschließender Führung und Präsentationen im Unternehmen. Nun aber sitzt Vorstandsvorsitzender Thomas Olemotz alleine am Telefon, die Präsentation wird online geschaltet, die übrigen Teilnehmer hängen am Telefonhörer. Es ist Coronakrise, und der IT-Dienstleister Bechtle hat auch seine Hausmesse abgesagt.

Boom bei Notebooks

Von totaler Krisenstimmung kann aber beim MDax-Unternehmen keine Rede sein. Nicht nur, dass einzelne Bereiche gerade sehr gut laufen - Unternehmen und Behörden bestellen zusätzliche Notebooks oder installieren alles, was für die Arbeit von zu Hause aus nötig ist. "Die Krise macht den hohen Stellenwert von IT sichtbar", sagt Olemotz. Von daher gehe er davon aus, dass mit dem Abebben der Einschränkungen die Kunden ihre geplanten Investitionen nachholen werden. "Egal wie lange die Situation anhält - es gibt ein Leben nach Corona." Für das laufende Jahr hält der Vorstand an seinen Zielen fest, den Umsatz um mehr als fünf Prozent zu steigern. Dabei räumt Olemotz ein: "Derzeit ist nichts mehr planbar. Alles steht unter dem Einfluss des Coronavirus. Die Folgen sind nicht wirklich verlässlich absehbar."

 

 

Lieferschwierigkeiten sind möglich

Zumal noch unklar ist, ob es Lieferschwierigkeiten geben wird. 70 Prozent der Fertigung für IT-Produkte befinde sich in China, erläutert Olemotz. Dort waren viele Werke in den vergangenen Wochen geschlossen. Und das wirke sich mit einer zeitlichen Verzögerung von vier bis sechs Wochen auf Europa aus. Nun komme es darauf an, wie groß der Lagerbestand bei Herstellern und Distributeuren ist, ob sie also die Zeit überbrücken können, bis wieder Lieferungen aus China eintreffen. Welche Teile betroffen sein könnten, lasse sich noch nicht sagen, erklärt Olemotz. Immerhin sei Bechtle angesichts seiner Größe und Marktbedeutung "präferierter Partner" der Hersteller.

2019 wurden Rekordwerte erreicht

Dabei ist das Unternehmen mit viel Schwung ins neue Jahr gestartet. Es gab bereits drei Firmenzukäufe - im Vorjahr waren es sogar neun. Die Erweiterung des Firmensitzes in Neckarsulm macht Fortschritte, im zweiten Halbjahr sollen die 600 zusätzlichen Arbeitsplätze im Neubau bezugsfertig sein. Nicht nur in diesen Punkten hat Bechtle zu einem Gutteil den Aufschwung aus dem vergangenen Jahr mitgenommen. 2019 wurden schließlich Rekordwerte erreicht: Der Umsatz kletterte um fast ein Viertel auf 5,37 Milliarden Euro, der Gewinn legte um exakt denselben Wert auf 170,5 Millionen Euro zu. Daher soll es auch trotz der Krisenzeiten mehr Dividende geben - der Hauptversammlung werden 1,20 Euro je Aktie vorgeschlagen. Offen ist bloß noch der Termin des Aktionärstreffens. Der Gesetzgeber berate gerade, ob wegen der Corona-Einschränkungen eine Verschiebung über die Acht-Monats-Frist hinaus ermöglicht wird, deutet Olemotz an.

Ein Großteil des Umsatzwachstums wurde übrigens aus eigener Kraft erzielt, betont der Vorstandschef: Das Wachstum ohne Zukäufe betrug 2019 mehr als 15 Prozent. Zum Jahresende waren 1482 Mitarbeiter mehr beschäftigt als zwölf Monate zuvor, exakt 11.487.

 

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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